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„Pirna’scher Hof“ versteigert

Seit April ist eine in Pirna sehr bekannte Familie Besitzer des Hotels. Der Pächter ist optimistisch.

Von Marcus Herrmann

Die Konstante in der wechselvollen Geschichte des Altstadt-Hotels „Pirna’scher Hof“ am Markt 4 ist sein Pächter: Lutz Dunkel. Seit 1992 führt er den laufenden Betrieb und kümmert sich heute mit nur drei festen Mitarbeitern um 20 Zimmer, die Wünsche seiner Gäste und deren kulinarische Versorgung.

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Für Urlaub blieb in den über 20 Jahren Dienst keine Zeit. „Ich kann mich zumindest an keinen mehr erinnern“, sagt der 70-jährige Hotelier. „Ich muss am Tag zwölf bis 14 Stunden arbeiten. Sonst ist das zu viert nicht zu schaffen.“ Neben Dunkel arbeiten im Hotel noch eine Hotelfachfrau, ein Zimmermädchen und ab und zu saisonale Aushilfskräfte. „Wenn Not am Mann ist, hilft auch mal meine Frau mit aus“, erzählt Lutz Dunkel. Seit April befindet sich das Hotel im Besitz der Privatbrauerei der Familie Schmees, die in Pirna-Copitz das Brauhaus „Zum Gießer“ betreibt. Der vorherige Besitzer, eine amerikanische Immobilienfirma, hatte das traditionsreiche Haus meistbietend versteigert.

„Wir sind froh, den Zuschlag bekommen zu haben“, sagt Susanne Schmees-Besgen, Geschäftsführerin der Brauerei. Bei der Versteigerung konnte sie sich gegen eine Handvoll weiterer Interessenten – darunter ein Friseurladen aus Pirna und ein Privatinvestor aus Stuttgart – durchsetzen. In Zukunft solle das Hotel nach Schmees-Besgens Vorstellungen auf jeden Fall erhalten bleiben. „Ich hoffe, Herr Dunkel bleibt dem Hotel als gute Seele noch einige Zeit treu. Wir verstehen uns sehr gut und werden sicher weiterhin an einem Strang ziehen“, sagt die Besitzerin. Über eventuelle Umbau- oder Erweiterungsmaßnahmen möchte Susanne Schmees-Besgen momentan noch nichts Konkretes sagen. Aber sie könne sich durchaus vorstellen, dass das Hotel „bald noch ein bisschen hübscher gemacht wird“.

Vertrauensverhältnis zur Besitzerin

Lutz Dunkel sieht den Plänen positiv entgegen, er hat Vertrauen zu seinem neuen Pachtherren. „Ich bin sicher, dass es Hand und Fuß hat, was die neue Eigentümerin sich überlegt.“ Froh sei er vor allem über den regelmäßigen Kontakt mit Familie Schmees. Den habe es mit ihren Vorgängern nicht immer gegeben. Darunter befanden sich vor der US-Immobilienfirma eine Brot- und Feinbäckerei und ein Bauträger aus den alten Bundesländern. „1990 hat die Bäckerei an einen Wiesbadener Geschäftsmann verkauft, der mich damals aus Dresden nach Pirna holte“, erklärt Dunkel. Nach der Wende hatte der gebürtige Magdeburger zunächst im Dresdner Hygienemuseum für Vita Nova, ein Reformhaus, gearbeitet. Dort lernten sich die Männer kennen und arbeiteten später im Feinkostgewerbe. „Ich habe damals extra einen Lehrgang besucht und kenne mich seitdem mit Vollwertkost aus. Davon profitieren die Hotelgäste noch heute“, sagt Dunkel.

Wie lange der 70-Jährige noch arbeiten wird, weiß er nicht. Gebraucht wird er noch eine ganze Weile. So sind zumindest die Signale der neuen Eigentümerin Susanne Schmees-Besgen.

Deren Familie ist in Pirna sehr bekannt. Ihr Bruder, Clemens Schmees, ist Geschäftsführer der gleichnamigen Edelstahlwerke, die neben einem Werk im rheinländischen Langenfeld auch das Edelstahlwerk in Pirna-Copitz führen. Knapp 250 Menschen sind hier tätig. Mit dem Hotel „Pirna’scher Hof“ gehört nun eine weitere Immobilie zum Familienbesitz. Welche Veränderungen daraus für das Hotel folgen, wird die Zukunft zeigen.