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Planlos und ohne Ausbildung

Nachwuchskräfte werden händeringend gesucht. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. Wie passt das zusammen?

Von Verena Toth
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Im Dezember 2019 waren von 162 arbeitslosen Jugendlichen im Alter unter 25 Jahren 129 ohne Berufsabschluss.
Im Dezember 2019 waren von 162 arbeitslosen Jugendlichen im Alter unter 25 Jahren 129 ohne Berufsabschluss. © Dietmar Thomas

Landkreis Mittelsachsen. Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren sind im Altkreis Döbeln durchschnittlich 198 Tage ohne Arbeit. Das sind zweieinhalb Monate mehr als im Vergleich zum gesamten Landkreis Mittelsachsen (124 Tage). Diese Zahlen gibt die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Freiberg Antje Schubert bekannt.

Antje Schubert erläutert zu den Ursachen, dass zu den arbeitslos gemeldeten Jugendlichen auch Bewerber für Berufsausbildungsstellen zählen, die quasi die Zeit bis zum Beginn der Ausbildung arbeitslos gemeldet sind. 

Das gelte auch für solche Jugendliche, die für eine Berufsausbildung im dualen System vorgemerkt wurden, sich aber im Zuge ihres individuellen Berufswahlprozesses im Laufe eines Berichtsjahres aus unterschiedlichen Gründen für andere Ausbildungs- oder Bildungsalternativen wie beispielsweise eine weiter Schulbildung, ein Studium oder auch einer Beschäftigung entschieden haben. 

„Die jungen Leute werden aber sowohl bei der Ausbildungsstellensuche in der Berufsberatung als auch bei der Arbeitsstellensuche von den Vermittlungsfachkräften der Arbeitsagentur unterstützt“, so Antje Schubert.

Obwohl sich die Zahl aller Arbeitslosen im Bereich Döbeln so wie im gesamten Landkreis in den vergangenen Jahren deutlich verringert hat, ist das in der Altersgruppe der jungen Leute nicht passiert.

 Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen in der Altersgruppe von 15 bis unter 25 Jahren sogar deutlich gestiegen. Im Jahr 2018 gab es im Jahresverlauf durchschnittlich 171 junge Menschen ohne Job, im vergangenen Jahr waren es 190 und damit sogar drei mehr als 2017 (187).

129 junge Döbelner ohne Ausbildung

Ein Hauptgrund ist, dass die jungen Erwachsenen, die Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden, meist keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Im Dezember 2019 waren von den 162 arbeitslosen Jugendlichen im Alter unter 25 Jahren 129 ohne Berufsabschluss. 

„Motivierte und mobile junge Leute mit abgeschlossener Berufsausbildung können kurzfristig in Arbeit vermittelt werden oder finden eigenständig ein Beschäftigungsverhältnis“, erläutert Schubert den Idealfall. Die Gründe für eine langwierige Vermittlung seien dagegen vielschichtig. 

„Die Jugendlichen, die eine begonnene Ausbildung nicht erfolgreich abschließen konnten, melden sich erneut arbeitslos und suchen bis zur nächsten Ausbildung dann zunächst Helfertätigkeiten“, beschreibt die Pressesprecherin. Andere seien mit ihrem Ausbildungsberuf nicht zufrieden, wollen dann doch nicht in Schichten oder am Wochenende arbeiten, wie beispielsweise Koch, Verkäufer oder Pflegekräfte. 

Auch diese Unentschlossenen würden sich für die Dauer der Suche nach einer Alternative arbeitslos melden. „Dagegen sind die Jugendlichen, die die Arbeitslosigkeit vermeiden wollen und sich eigenständig um Arbeit bemühen, gar nicht erst in der Agentur für Arbeit gemeldet“, so Antje Schubert.

Dabei stehen den jungen Erwachsenen vielfältige Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten bei der Ausbildungsstellen- oder der Beschäftigungssuche zur Verfügung. „In der Agentur für Arbeit Freiberg ist das die Berufsberatung, die bereits bei der Berufswahl informiert, berät und hilft. Auch bei der Suche nach einem Ausbildungs-, Arbeits- oder Studienplatz stehen die Vermittlungsfachkräfte zur Verfügung.“

Für junge Mittelsachsen gibt es seit knapp einem Jahr aber auch die virtuelle Jugendberufsagentur. Seit der Freischaltung der Webseite im März 2019 hat das Landratsamt 557 Besuche gezählt. Dabei handelt es sich um eine Webseite, die sich an Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 27. Lebensjahr richtet. 

Junge Mittelsachsen sollen dort bei Fragen und Problemen rund um den Schulabschluss, Lehrstelle, Studium, Job aber auch im privaten und sozialen Umfeld schnell und unkompliziert den richtigen Ansprechpartner finden.

Jugendberufsagentur nur Beiwerk

Das virtuelle Angebot ist eine Kooperation der Arbeitsagentur, des Jobcenters und des Landratsamtes Mittelsachsen. Auf der jugendgerecht gestalteten Seite müssen Hilfesuchende zunächst die Kategorie (Job, Keinen Plan, Ausbildung usw.) auswählen und dazu weitere Fragen beantworten. 

Die jungen Leute sollen ihre E-Mail-Adresse und wahlweise ihre persönlichen Daten sowie das Anliegen in ein Online-Formular eintragen und abschicken. Diese Nachricht wird entsprechend der Auswahl unter dem Motto „Mit drei Klicks auf dem richtigen Weg“ an Mitarbeiter im Jobcenter, in der Arbeitsagentur oder im Jugendamt des Landkreises geleitet.

Den Anstoß für die Entwicklung der Webseite lieferte ein Förderprogramm des Sächsischen Wirtschaftsministeriums. Rund 107.000 Euro Fördermittel stehen dafür zur Verfügung. Die Fragen sollen das breite Themenfeld und sämtliche Lebenslagen junger Menschen in Bezug auf die Lebensphase Übergang Schule – Beruf abdecken.

Allerdings stellt Pressesprecher André Kaiser fest: „Direkte Anfragen oder die Schilderung von Problemen im Kontaktformular fallen eher gering aus. Sehr wahrscheinlich ist, dass sich die Besucher der Website anhand der dort zur Verfügung gestellten Informationen über Zuständigkeiten der unterschiedlichen Behörden und zugehörige Kontaktdaten informieren und so den Weg ins Jobcenter, zur Agentur für Arbeit oder zum Landratsamt für eine Beratung auf direktem Wege finden.“

 Dies lasse sich aber zahlenmäßig nicht untersetzen. Insofern sei die Website ein ergänzendes Angebot mit einer virtuellen Zugangs- und Kontaktmöglichkeit zu den klassischen Beratungs- und Leistungsangeboten der drei Anlaufstellen Jobcenter, Agentur für Arbeit und Kinder- und Jugendhilfe.

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