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Planung der Biogasanlage Lichtensee kommt voran

Die südwestlich von Lichtensee geplante Biogasanlage wird keine Gülle verarbeiten. Das versicherte der künftige Betreiber am Montagabend vor dem Wülknitzer Gemeinderat. Damit konnte die Potsdamer Danpower...

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Die südwestlich von Lichtensee geplante Biogasanlage wird keine Gülle verarbeiten. Das versicherte der künftige Betreiber am Montagabend vor dem Wülknitzer Gemeinderat. Damit konnte die Potsdamer Danpower GmbH die Hauptsorge der Anwohner, sie würden künftig mit Gestank eingenebelt, erst einmal zerstreuen. Die Gemeinderäte hatten in einer Mammutsitzung alle Hinweise und Einwände von Trägern öffentlicher Belange abzuwägen, darunter auch die des Lichtenseer Ortschaftsrates. Letztlich aber wog keines der Bedenken so schwer, dass die Kommune das Projekt hätte in Frage stellen müssen. Die Gemeinderäte aus Lichtensee enthielten sich zwar meistens, stimmten auch gelegentlich dagegen, dennoch wurde das Projekt mehrheitlich durchgewinkt.

Die Lichtenseer Anlage soll kein klassisches Modell werden, das gleich vor Ort Strom erzeugt. Vielmehr reichert sie das Biogas auf Erdgasqualität an und speist es über eine zweieinhalb Kilometer lange Trasse ins Netz der Enso ein. Die Kapazität liegt bei rund 700 Kubikmetern pro Stunde, das entspricht – in Elektroenergie umgerechnet – etwa einer Leistung von 3,2 Megawatt. Die Gaserzeugung findet in vier Gärbehälter von je 1600 Kubikmetern Fassungsvermögen statt. Drei 6000 Kubikmeter fassende Behälter nehmen die Reststoffe auf, die als Düngemittel auf die Felder gebracht werden können.

Gutachten wurden vorgelegt

Danpower hat inzwischen Gutachten ins Genehmigungsverfahren eingebracht, die belegen, dass die Bürger im Ort keine außergewöhnliche Lärm- und Geruchsbelästigung zu erwarten haben. Alle diesbezüglichen Grenzwerte würden eingehalten. Dennoch blieben die Lichtenseer, die zur Ratssitzung erschienen waren, skeptisch. Wie verhält es sich beispielsweise mit der Verkehrsbelastung durch die Anlieferung der Rohstoffe? Immerhin soll die Biogasanlage pro Tag 130 bis 140 Tonnen Getreide-, Mais-, und Grassilage verarbeiten. „Ein höheres Transportaufkommen ist nur in der Erntezeit – also April/Mai und August/September – zu erwarten“, erklärte Danpower-Prokurist Karsten Krieg auf SZ-Anfrage. Ansonsten werde der gesamte Jahresbedarf in Silos gelagert. Danpower rechnet nicht damit, dass die Feldfrucht-Transporter auf der ohnehin stark frequentierten Bundesstraße besonders auffallen. Dennoch bemüht sich die Potsdamer Firma, die Abneigung der Bürger gegen ihr Projekt zu überwinden. So bot sie am Montagabend interessierten Lichtenseern eine Exkursion nach Bitterfeld an, wo sich eine ähnliche Biogasanlage bereits in Betrieb befindet. Die Besichtigung könnte Anfang September stattfinden.

„Wenn es danach noch offene Fragen gibt, werden wir eine Infoveranstaltung nachziehen“, sagt Bürgermeister Hannes Clauß. Die Planungsunterlagen werden in den nächsten Wochen im Gemeindeamt zur Einsicht ausgelegt. Danpower rechnet mit der Inbetriebnahme der Biogasanlage im vierten Quartal 2011. M. Müller