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Planungsstopp für neue Förderschule

Der Landkreis wollte die alte Schillerschule umbauen. Doch die Arbeiten werden viel teurer als geplant.

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© Andreas Weihs

Von Tobias Winzer

Risse ziehen sich durch die Fassade der alten Schillerschule an der Zauckeroder Straße in Freital-Döhlen. Das Gebäude, in dem die Schule für Lernförderung untergebracht ist, versprüht noch den Charme der DDR und ist in keinem guten Zustand. Wie es jetzt aussieht, müssen die etwa 220 Schüler und 30 Lehrer noch eine ganze Weile damit klarkommen. Der vom Kreistag genehmigte und in der Planung schon weit vorangeschrittene Umbau des Schulkomplexes oberhalb des Eder-Ziegelwerks verzögert sich voraussichtlich um mehrere Jahre. Weil die Kosten für das Projekt aus dem Ruder zu laufen drohten, hat das Landratsamt einen sogenannten Planungsstopp verhängt.

Die Behörde als Träger der Einrichtung hatte für das Projekt einen Architektenwettbewerb ausgerufen, den ein Dresdner Büro vor etwa einem Jahr gewann. Der insgesamt 10,5 Millionen Euro teure Plan sah vor, dass der denkmalgeschützte Altbau, in dem die Arbeiterwohlfahrt (Awo) einen Hort betreibt, erhalten bleibt und saniert wird. Abgerissen werden sollte hingegen die alte Schillerschule, ein Plattenbau Typ Dresden. Die 2005 von der Stadt wegen sinkender Schülerzahlen geschlossene Mittelschule war 2008 an den Kreis zur Nutzung übertragen worden. Seitdem kommen hier die Schüler der Schule für Lernförderung unter. Abrisspläne gab es auch für Turnhalle. Sowohl für Turnhalle als auch Schulhaus war ein Neubau vorgesehen. Eine Pausenhalle sollte beide Gebäude miteinander verbinden.

Das Problem: Das Vorhaben ist für die veranschlagten 10,5 Millionen Euro nicht zu stemmen. In einer Vorlage für den Kreistag geht das Landratsamt davon aus, dass die Bauarbeiten fast fünf Millionen Euro teurer werden würden.

1,43 Millionen Euro davon gehen auf die Gestaltung der Freiflächen. Der Abriss der alten Gebäude sei teurer als erwartet. Außerdem müsse eine Stützmauer saniert werden. 1,22 Millionen Euro Mehrkosten entstehen durch die üblichen Preissteigerungen für Baumaterialien. Außerdem wollen die Architekten mehr Geld für ihre Planungsleistungen haben. 900 000 Euro zusätzlich sind nötig, weil die geplante Fluchttreppe am Altbau teurer wird und zudem die gesamte Haustechnik erneuert werden muss.

Ein erheblicher Teil der Mehrkosten entsteht auch, weil der abschüssige Baugrund wohl labiler ist, als zunächst gedacht und zusätzlich stabilisiert werden muss. Warum dies alles nicht schon bei der Grobkostenschätzung im Jahr 2013 untersucht worden ist, bleibt ein Geheimnis des Landratsamtes.

Suche nach neuem Grundstück

Feststeht aber: Wegen der gestiegenen Gesamtkosten müsste der Landkreis ebenfalls mehr Geld in den Umbau stecken, was er nicht will. Zuletzt hatte man damit gerechnet, dass 7,8 Millionen Euro der insgesamt 10,5 Millionen Euro durch Fördermittel vom Freistaat gedeckt werden.

Deswegen ist die Behörde nun in Gesprächen mit der Stadt Freital über einen anderen Standort der Förderschule. „Die Suche nach einem alternativen Standort in der Nähe anderer Schulstandorte soll im Hinblick auf mögliche Synergieeffekte geprüft werden“, heißt es aus dem Landratsamt. Soll heißen: Der Kreis will nun lieber in der Nähe einer städtischen Schule neu bauen, damit sich beide Einrichtungen zum Beispiel die Turnhalle und die Sportaußenanlagen teilen könnten. Die Kosten für den Förderschul-Neubau würden damit erheblich sinken, so der Plan. In den Gesprächen geht es nun darum, an welchem Freitaler Schulstandort so etwas möglich wäre.

„Ziel des Landkreises ist es, den bereits gestellten Fördermittelantrag bis zum 31. August 2015 anzupassen“, heißt es. Bis dahin soll es auch ein Gesamtkonzept für den geplanten Campus aus städtischer Schule und Förderschule geben. Wie es nach dem 31. August weitergeht, was mit der alten Schillerschule passieren soll und wann der Bau der neuen Förderschule beginnen kann, ist aber noch unklar.

Der Leiter der Förderschule, Mike Lehnert, will sich vorerst nicht zu den Plänen für seine Einrichtung äußern. Es sei eine Informationsrunde mit dem Landratsamt geplant, sagt er. Erst dann wisse er Genaueres über die Pläne. Kommentar