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Platt vom Ausblick

Nach Leerstand und Abriss ist das Wohnen in der „Platte“ wieder angesagt. Zwei Freitaler Familien sind das beste Beispiel.

Von Yvonne Popp

Arnd Lochmann und seine Frau genießen den Blick in ihr Wohngebiet. Vom Fenster ihrer Wohnung schauen sie auf geparkte Autos, gepflegte Grünanlagen und Fassaden, denen man ihre graue Vergangenheit heute nicht mehr ansieht. Die Lochmanns wohnen seit 1976 in ihrer gemütlichen 2-Raum-Wohnung im obersten Stock auf der Heinrich-Heine-Straße in Zauckerode. „Wir haben uns hier immer wohlgefühlt“, sagen sie. Auch in der Zeit, als so viele wegzogen und der Ruf des Viertels litt, dachten sie nie an einen Umzug.

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Lange Jahre waren sie verpönt. Doch Plattenbauten, wie hier in Freital-Zauckerode, erfreuen sich jetzt durchaus wieder größerer Beliebtheit. Foto: Karl-Ludwig Oberthür
Lange Jahre waren sie verpönt. Doch Plattenbauten, wie hier in Freital-Zauckerode, erfreuen sich jetzt durchaus wieder größerer Beliebtheit. Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Nach der Wende totgesagt, erfreuen sich die Plattenbauten nun wieder zunehmender Beliebtheit. Durchdachte Grundrisse, Zentralheizung und jederzeit Warmwasser lockten zu DDR-Zeiten viele Menschen vom Land in die Stadt. Es gab Zeiten, da standen Wohnungssuchende bei den Vermietern Schlange. Doch dann kam die Wende. Die Wirtschaft brach ein, die Zahl der Arbeitslosen stieg und die Geburtenrate sank. 13 Jahre nach der Wende standen 30 Prozent der Wohnungen in Freital leer. Im Zauckeroder Wohngebiet, das sich die Wohnungsgesellschaft Freital (WGF) und die Wohnungsgenossenschaft (GeWo) je zur Hälfte teilen, waren das insgesamt 100 Wohnungen. Um den Leerstand zu reduzieren, wurden zwei Blöcke abgerissen.

Gerhard Hochgemuth und seine Frau waren von diesen Umstrukturierungsmaßnahmen direkt betroffen. Der Block, in dem sie wohnten, wurde abgerissen. Sie mussten aus ihrer Wohnung ausziehen, in der sie ebenfalls schon seit 1976 gewohnt hatten. „Damals war ich wenig begeistert“, erzählt Gerhard Hochgemuth. „Wir hatten gerade das Bad nach unseren Vorstellungen saniert und wollten auf keinen Fall ausziehen.“ Am Ende sorgte die WGF für einen angemessenen Ersatz. Die Hochgemuths bezogen nur wenige Straßen weiter, im selben Viertel, eine frisch sanierte 3-Raumwohnung. Auch sie können sich nicht vorstellen, aus Zauckerode wegzuziehen. „Wir haben hier ja alles“, stellt der 70-Jährige fest und deutet in die Runde. „Ärztehaus, Sparkasse, Einkaufsmöglichkeiten, Busanbindung – alles da“, sagt er zufrieden. Gerade für ältere Mieter ist das von Vorteil. Einziger Kritikpunkt für ihn seien die alten Gussrippenheizkörper in seiner Wohnung.

Wohnen: gut und günstig

Damit das Wohngebiet in Zauckerode auch für jüngere Menschen wieder interessanter wird, hat die Stadt in der Vergangenheit einiges getan. So wurde 2012 mit dem Bau eines Mehrgenerationenparks auf dem Gelände des ehemaligen Ardenne-Gymnasiums begonnen. Bis jetzt entstanden dort ein Spielplatz mit Rutsche, Schaukeln und Klettermöglichkeiten und ein Pavillon. Dieser ist mit allen modernen Medien ausgestattet und kann ganz unterschiedlich genutzt werden. Weiterhin geplant sind Flächen zum Schachspielen, Ruheplätze und ein Teich. Die Rechnung scheint aufzugehen. Seit einiger Zeit ist ein verstärkter Zuzug von Familien mit Kindern in Zauckerode zu verzeichnen. Friederike Ebert von der Freitaler GeWo sagt dazu: „Leider sind die Wohnungen gerade bei jungen Leuten noch immer nicht die erste Wahl. Nach einem Besichtigungstermin entscheiden sich die meisten aber doch dafür.“

Eine Kaltmiete von 3,72 Euro pro Quadratmeter und das stabile soziale Umfeld in Zauckerode überzeugen am Ende doch. Die GeWo hat derzeit 98 Prozent ihrer Wohnungen vermietet. Die Nachfrage ist ungebrochen groß. Friederike Ebert rechnet damit, dass das auch in Zukunft so bleiben wird. Um den Bedarf zu decken, baut die GeWo zurzeit in Wilsdruff an der Wielandstraße. Auch ein neues Projekt für Freital ist in Planung. Ähnlich großer Beliebtheit erfreuen sich die Wohnungen der WGF, deren Plattenbauten zu 96 Prozent ausgelastet sind, bei einer Kaltmiete von 4,50 Euro pro Quadratmeter.

Auch den Freitaler Umzugsfirmen ist der neue Trend nicht verborgen geblieben. Frank Krahl, Inhaber der Firma Krahl-Umzüge, erzählt, dass es lange Zeit kaum Zuzüge in das Wohngebiet gab. Inzwischen fährt er aber wieder regelmäßig vollbeladen nach Zauckerode.