SZ +
Merken

Platte ist nicht gleich Platte

Das Interview mit dem OB-Kandidaten Kroemer vom 1. Februar ist für Siegfried Steiner aus Coswig Anlass für diese Zeilen:

Teilen
Folgen

Wohnungsbau in Plattenbauweise war in den 60er und 70er Jahren kein alleiniges „sozialistisches Wohnexperiment“, von dem Herr Kroemer so abwertend spricht. Das gab es in der BRD und vielen Industriestaaten auch. In der DDR allerdings besonders vorangetrieben. Plattenbau ist nicht gleich Plattenbau. Die Coswiger Wohngebiete sind relativ klein, übersichtlich und weiträumig im Gegensatz zu solchen in Dresden-Prohlis, Dresden-Gorbitz, Leipzig-Grünau usw. Dort möchte ich auch nicht unbedingt wohnen.

1977 bekam ich mit meiner Familie im Wohngebiet Dresdner Straße eine neue Wohnung zugewiesen. Endlich hatten wir genügend Wohnraum, mit Südbalkon, fließend warmen und kalten Wasser, Fernheizung, Bad und WC.

Im Laufe der Zeit haben sich die Wohn- und Lebensverhältnisse in unserem Wohngebiet ständig verbessert, sowohl durch die Bürger selbst als auch durch die Stadt und die beiden Wohnungsunternehmen. Nach der Wende gab es große Aufwendungen für die Wärmedämmung, neue Fenster und Wohnungstüren, wofür viele Fördermittel und Kredite eingesetzt wurden.

Natürlich müssen die Stadt und die beiden Wohnungsunternehmen auf den wachsenden Leerstand reagieren, der durch die fehlenden Arbeitsplätze und die fehlenden Kinder verursacht wird. Das aber nicht mit dem Totalabriss ganzer Blocks als ökonomisch billigste Methode.

Ich halte es für moralisch unwürdig, wenn ein OB-Kandidat eine Neiddebatte gegenüber Bürgern anfängt, die unverschuldet mit einem kleinen Einkommen zurechtkommen müssen und sich seine renovierten Wohnungen mit gehobenem Standard nicht leisten können.