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Plattenbau soll abgerissen werden

Der Durchgang zum historischen Barockviertel soll breiter und attraktiver werden. Rathaus und Gagfah verhandeln wieder.

© André Wirsig

Von Ulrike Kirsten

Das Aussehen des Neustädter Marktes erhitzt seit Jahren die Gemüter der Dresdner. Nun wird wieder über die Zukunft des Areals diskutiert. Neben den Grünen setzt sich die FDP für eine Umgestaltung des Platzes ein. Entsprechende Anträge sind in den vergangenen Monaten bei der Verwaltung eingegangen. Eine Entscheidung darüber wird es aber erst nach der Kommunalwahl am Sonntag geben. In die Debatte hat sich nun auch die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden eingeschaltet. Sie will dem Neustädter Markt ebenfalls zu altem Glanz verhelfen. Vorstand Torsten Kulke sieht vor allem das Gesamtbild des Platzes mit seinen Plattenbauten und der teils sechsspurigen Großen Meißner Straße als Problem.

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An diesem will aber auch die Stadt schnellstmöglich etwas ändern. Seit Jahren möchte sie die Rähnitzgasse zu dem Platz hin öffnen, damit die Sicht auf das Barockviertel frei wird. In die Sanierung des Quartiers hat die Stadt Millionen an Fördermitteln investiert. Allein die Heinrichstraße und Rähnitzgasse wurden insgesamt für 1,15 Millionen saniert. Die Straßen bekamen dabei auch ihr historisches Granitpflaster zurück. Mit der Öffnung zum Barockviertel hin soll auch der Kunsthausplatz besser erreichbar sein. Dafür müssten allerdings die Plattenbauten Neustädter Markt 4 und 5 oder zumindest ein Teil davon abgerissen werden. Verhandlungen mit dem Großvermieter Gagfah, dem die Häuser gehören, waren bisher immer wieder gescheitert.

Rathaus will Öffnung unbedingt

Erst 2011 kam es wegen des Areals rund um den Goldenen Reiter zu Streitigkeiten. Zuvor hatte die Stadt die Woba an die Gagfah verkauft und gleichzeitig einen Abriss von 3 000 Wohnungen ausgehandelt. Die Häuser am Neustädter Markt gehörten nicht dazu. Weil sich der Käufer angeblich nicht an vertragliche Verpflichtungen gehalten hatte, verklagte die Stadt das Unternehmen. Kurz danach wollte sie über den Abriss der Plattenbauten am Neustädter Markt verhandeln. Ohne Ergebnis.

Nun könnte der Platz womöglich doch bald umgekrempelt werden. Denn Gagfah und Stadt verhandeln wieder miteinander. „Mitarbeiter der Städtebauförderung haben die Bedeutung des Durchbruchs vom Neustädter Markt zur Rähnitzgasse erneut nachdrücklich begründet und betont“, so Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). Gagfah-Sprecherin Bettina Benner bestätigte, dass es Gespräche mit der Stadt gebe. „Die Prüfung unsererseits ist aber noch nicht abgeschlossen“, sagte Benner. Weitere Details wollte sie nicht nennen. Denn nicht nur ein Abriss wäre möglich, sondern auch eine Sanierung der betreffenden Plattenbauten, um den Platz optisch aufzuwerten. Neben dem Neustädter Markt stört sich die Stadt aber noch an einem weiteren Gebäude der Gagfah. Dieses versperrt die Sicht zum Archivplatz an der ehemaligen Kasernenstraße. Auch hier hält das Rathaus an einem Durchbruch fest. Allerdings geht es dabei auch um viel Geld. Bei einem Abriss würden insgesamt 120 Wohnungen wegfallen. Die haben für die Gagfah aber erheblichen Wert und sind eine sichere Einnahmequelle.

Mit der Umgestaltung des Platzes will die Stadt nicht nur das Barockviertel besser für Fußgänger an Altstadt, Augustusbrücke, Hauptstraße und Albertplatz anbinden. Als ein weiteres Ergebnis der Dresdner Debatte möchte das Rathaus den Verkehrsraum rund um die Große Meißner Straße/Köpckestraße und Albertstraße umbauen. Zunächst könnte der Fußgängertunnel verschwinden und durch einen Überweg ersetzt werden. Die Röhre war beim Hochwasser 2013 stark beschädigt worden. Nach wie vor ist auch eine Reparatur des Tunnels möglich, so Tiefbauamtschef Reinhard Koettnitz. Dafür hat die Stadt Fluthilfemittel vom Land bekommen. Variante 3 sieht vor, den Tunnel zu reparieren und einen Überweg zu bauen. Nach Koettnitz könnte es so schnell wie möglich losgehen. „Wir brauchen jetzt ein politisches Votum, wie es mit dem Tunnel weitergehen soll. Ich hoffe, dass die Entscheidung darüber in einem der nächsten Bauausschüsse fällt.“