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Platz frei für Maschinen

Infineon verspricht Dresden hohe Investitionen, aber keine zusätzlichen Arbeitsplätze mehr. Seit 20 Jahren wird am Standort nun schon produziert.

© Jürgen Lösel

Von Georg Moeritz

Als vorige Woche die Erde im deutsch-tschechischen Grenzgebiet bebte, da haben das auch die Experten in der Infineon-Mikrochipfabrik registriert. Doch die empfindlichen Anlagen setzten ihre Arbeit fort: Siliziumscheiben mit hauchdünnen Linien belichten, ätzen, reinigen, mit Metall beschichten. Der Standort auf dem alten Militärgelände im Dresdner Norden gilt als erdbebensicher. Vor 20 Jahren durfte dort Kanzler Helmut Kohl mit einem Hammer auf den Grundstein klopfen. Heute bewegen sich 2.000 Infineon-Angestellte gemessenen Schrittes durch die 21 Grad warme Filterluft – dazu externe Experten, auf deren Ganzkörper-Anzügen zum Beispiel Roth & Rau oder Canon zu lesen ist.

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Der Garten ruft
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Dieser Hammer liegt jetzt in einer Vitrine bei Infineon: Damit klopfte Helmut Kohl vor 20 Jahren auf der Grundstein der Mikrochipfabrik im Dresdner Norden. Rechts neben ihm unter anderem der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und Dresdens damalige
Dieser Hammer liegt jetzt in einer Vitrine bei Infineon: Damit klopfte Helmut Kohl vor 20 Jahren auf der Grundstein der Mikrochipfabrik im Dresdner Norden. Rechts neben ihm unter anderem der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und Dresdens damalige © Infineon Presse

Bei der Grundsteinlegung sagte Kohl damals, Deutschland werde im weltweiten Wettbewerb um die Schlüsseltechnologie Mikroelektronik nicht die Segel streichen. Schon damals gab es Konkurrenz in Asien und eine Diskussion um Arbeitskosten und Subventionen. Außerdem demonstrierten vor 20 Jahren rund 100 Umweltschützer gegen das Bauvorhaben am Rand der Dresdner Heide. Doch inzwischen sind dort viele große Hallen entstanden. Mehr werden es allerdings nicht, das machten die Dresdner Infineon-Chefs Pantelis Haidas und Helmut Warnecke beim Pressegespräch anlässlich des Jubiläums deutlich.

Hängebahn für zerbrechliches Gut

Die Fabrik besteht aus zwei Teilen: Der eine Teil bearbeitet Siliziumscheiben mit 200 Millimetern Durchmesser und stellt daraus Mikrochips her – hauptsächlich für Autos und für Chipkarten. Dieser Teil der Fabrik ist voll ausgelastet, die Anlagen stehen dicht aneinander und sind ständig in Betrieb. Erst zu einem Siebtel genutzt ist dagegen der andere Fabrikteil, der größere Scheiben verwendet: 300 Millimeter im Durchmesser, wie eine große Pizza.

Auf einer solchen Scheibe lassen sich mehr als doppelt so viele Chips zugleich produzieren. Doch die großen Scheiben sind dünn, zerbrechlich und müssen doch monatelang hin- und hertransportiert werden. In der 300-Millimeter-Fabrik fahren die Scheiben mit der Hängebahn. Über den verhüllten Köpfen der Angestellten bewegen sich Kisten mit großen Nummern, stoppen automatisch und senken ihr Transportgut in eine Produktionsanlage ab.

Dresdner Chipfabrikanten kennen die 300-Millimeter-Technik seit Jahren. Damit arbeitet Nachbar Globalfoundries, und damit arbeitete die Infineon-Tochter Qimonda, bis sie vor fünf Jahren pleite ging – als „tragisches Kapitel“ wurde das bei der Jubiläumsfeier erwähnt. Qimonda machte aber Speicherchips aus den 300-Millimeter-Scheiben. Heute stellt Infineon aus dem Material Leistungshalbleiter her und sammelt als einziger Hersteller damit erst Erfahrungen. Leistungshalbleiter sind Chips, die hohe Stromspannung aushalten, etwa in Windkraftanlagen und Hochgeschwindigkeitszügen. Bisher stellt Infineon sie mit der 200-Millimeter-Technik her und macht damit die Hälfte seines Umsatzes: zwei Milliarden Euro im Jahr. Es sollen mal 3,4 Milliarden Euro werden, sagte Konzernchef Reinhard Ploss in Dresden. Vor allem China bestelle viel. 2.000 Scheiben pro Woche sind das Ziel für diesen Sommer in der 300er-Produktion, die 200er schafft 12.000.

Zehn Jahre Wachstum in Aussicht

Infineon-Chef Ploss aus der Münchner Zentrale sagte auch voraus, dass die Dresdner Ex-Qimonda-Halle vielleicht erst in zehn Jahren ganz gefüllt sein wird. Er versprach Dresden Wachstum: Mehrere Hundert Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren für neue Anlagen ausgegeben werden. Bisher wurden 200 Millionen in die Technologie gesteckt. Gut zehn Millionen davon kamen vom Staat, sagte Haidas. Ursprünglich angekündigt war eine Investition von 250 Millionen im ersten Schritt, der Staat schien bereit zu rund 70 Millionen Euro Zuschuss. Allerdings wurden zunächst gebrauchte Qimonda-Anlagen gekauft.

Von zunächst 250 Arbeitsplätzen in der 300-Millimeter-Produktion hatte Infineon gesprochen. Doch es sind erst 200, und nur die Hälfte für neue Angestellte. Die anderen wurden aus der 200-Millimeter-Fabrik versetzt. Dort stehen derzeit 160 Arbeitsplätze auf der Streichliste, denn das Werk soll „eine der hochautomatisiertesten“ Fabriken weltweit sein. „Sie wollen mit so wenig Leuten wie möglich auskommen“, heißt es auch im Betriebsrat. Der hofft, dass bald mehr Aufträge für die neue Technik hereinkommen. Zum Teil werden sie auch in Villach in Österreich erledigt, dort findet auch die Forschung statt. Werkchef Haidas machte klar, dass Dresden nicht mehr als die jetzt 2.000 Angestellten erwarten darf.