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Platz für neue Wohnhäuser

Die Ottendorfer Wohnungsgenossenschaft plant am Rossplatz sechs Gebäude. Im Gespräch ist noch ein weiterer Standort.

© Thorsten Eckert

Von Marleen Hollenbach

Langsam lässt Lutz Herrmann den Blick über die Wiese schweifen. Er sieht das saftige Gras, den Löwenzahn. Schon oft stand der Chef der Wohnungsgenossenschaft Ottendorf-Okrilla am Rossplatz, schon oft sah er von der Radeberger Straße zum Kirchgemeindehaus hinüber. Doch heute hat er einen Plan dabei. Auf dem Papier hat Lutz Herrmann festgehalten, wie das Areal einmal gestaltet werden könnte. Sechs zweigeschossige Wohnhäuser sind auf dem Plan zu sehen. In der Mitte ist ein kleiner Platz eingezeichnet. Rundherum verlaufen schmale Wege. „Es ist uns ein großes Anliegen, dass die vorhandenen Übergänge erhalten bleiben“, sagt der Chef der Wohnungsgenossenschaft. Er ist optimistisch, glaubt daran, dass diese Pläne schon bald realisiert werden können.

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Darüber entscheiden muss unter anderem die Gemeinde Ottendorf-Okrilla, denn das Grundstück am Rossplatz befindet sich in deren Eigentum. Deshalb ließ es sich auch Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) nicht nehmen, vor Ort mit dem Chef der Wohnungsgenossenschaft über die Pläne zu sprechen. „Wo heute Wiese ist, stand einmal eine Gaststätte mit Tanzsaal. Richtig tolle Veranstaltungen wurden hier durchgeführt“, erinnert sich Langwald. Bis zur Wende galt der Rossplatz als kulturelles Zentrum der Gemeinde. Dann musste die Gaststätte schließen, das Haus zerfiel nach und nach. Irgendwann wurde die Ruine schließlich abgerissen. Seither steht der Rossplatz leer. „Es gab Versuche, diesen Platz wieder zu beleben. Aber weil das alles sehr schwierig war, konnte nichts realisiert werden“, sagt Ottendorfs Bürgermeister, der das aktuelle Bauprojekt der Wohnungsgenossenschaft wohlwollend mit verfolgt.

Nicht nur der Bürgermeister steht den Bauplänen offen gegenüber. Auch den Mitgliedern des Ottendorfer Ortschaftsrates gefällt die Vorstellung, dass hier bald Wohnhäuser stehen könnten. Lutz Herrmann hat ihnen das Wohnungsbauprojekt kürzlich vorgestellt und bekam dafür prompt großen Zuspruch. So sprach Mirko Thomas (CDU) beispielsweise von einer „Signalwirkung“. „Die Ottendorfer können mit diesem Bauprojekt sehen, dass hier im Ort etwas vorwärtsgeht“, sagte er. Doch so positiv das Feedback ist, so konkret die Pläne auch sind: Noch ist der Bau der Mehrfamilienhäuser Zukunftsmusik. Bevor hier die Bagger rollen und die ersten Mieter einziehen, gibt es noch viele Dinge zu beachten. Da wäre beispielsweise der bestehende Parkplatz. Wenn die Wohnhäuser kommen, müssen einige Stellplätze weichen.

Und dann ist noch ein weiterer Standort im Gespräch. Auch an der ehemaligen Tischlerei Arnold an der Königsbrücker Straße könnte sich der Chef der Ottendorfer Wohnungsgenossenschaft vier kleinere Mehrfamilienhäuser vorstellen. Welchen Standort Lutz Herrmann bevorzugt, möchte er nicht sagen. Fakt ist aber, dass die Wohnungsgenossenschaft zunächst nur ein Projekt realisieren kann. Mehr ist finanziell nicht drin. „Beide Standorte haben ihren eigenen Charme, aber auch ihre eigenen Herausforderungen. Wir werden uns für das wirtschaftlichere Angebot entscheiden“, so Lutz Herrmann. Dass er überhaupt an neue Wohnhäuser denkt, ist der hohen Nachfrage geschuldet. „Wir sehen zurzeit keine Probleme, diese Wohnungen am Markt zu platzieren“, erklärt Herrmann. Auf 56 Jahre Erfahrung kann die Ottendorfer Wohnungsgenossenschaft zurückblicken. Nach eigenen Angaben hätte man bei der derzeit guten wirtschaftlichen Entwicklung das Potenzial, dieses Projekt auch in hoher Qualität umzusetzen.

Egal an welchem Standort gebaut wird, eines bleibt gleich: Die Wohnhäuser sollen sich an der vorhandenen Bebauung orientieren. „Wir denken da an eine traditionelle und vor allem ortsübliche Architektur. Es sollen keine futuristischen oder abstrakten Formen entstehen“, so Herrmann. Wenn die Gemeinde zustimmt und der Standort feststeht, wird zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden müssen. Erst dann kann es wirklich losgehen.