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Platz für Uromas Reizwäsche

Wilschdorf. Das Team der Heimatstube schafftimmer wieder kulturelleHöhepunkte. Jetzt wird umgebaut und dasOrtsfest vorbereitet.

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Von Ute Himmer

Wo ist noch eine Spachtel?“, ruft eine Stimme aus einem kleinen Raum. „Nimm diese hier“, kommt die Antwort. Im Obergeschoss der ehemaligen Schule in Wilschdorf sieht es aus wie auf einer kleinen Baustelle. Tapetenrollen liegen noch verpackt auf einem Tisch. Eine große Tüte Gips befindet sich daneben sowie weitere Baumaterialien und Utensilien. Eigentlich ist hier das Domizil der Heimatstube. Doch die Ausstellungsstücke sind teilweise mit großen Tüchern verhängt oder auf die Seite geräumt. Eine Pyramide befindet sich in trauter Zweisamkeit mit einem Butterfass. Von der Vorbereitung einer neuen Exposition ist nicht viel zu sehen.

„Wir sind gerade dabei“, erklärt Hanka Tschirner. „Hier soll ein altes Schlafzimmer gezeigt werden.“ Sie weist auf eine Ecke in dem gegenüberliegenden Raum und lüftet ein großes Stück Stoff. Darunter kommt ein Bett zum Vorschein. Auch eine Wäschekommode ist zu entdecken. Aus der lugt aus einem Schubfach noch ein Zipfel von Uromas Reizwäsche heraus. Hanka Tschirner greift wieder zu ihrer Spachtel und trägt ebenfalls wie die zwei anderen eine Gipsschicht auf die Fliesen auf. Das muss möglichst eben geschehen“, erklärt Dieter Winkler, der schon eine Weile arbeitet. Denn auf diese Fläche soll einmal eine Tapete drauf. „Ein gefliestes Schlafzimmer aus der Zeit von 1920 wäre mal etwas Neues“, scherzen sie.

Die beiden gehören zum Team der Wilschdorfer Heimatstube. Meist trifft sich die Truppe mittwochabends in der ehemaligen Schule. So auch an diesem Tag. Da wird geklönt, über Ideen gesprochen oder eine neue Ausstellung vorbereitet. Aber gegenwärtig gibt es besonders viel zu tun. Die neuen Räume müssen fertig werden, sagt Hanka Tschirner. Die Zeit bis zum Dorffest im August ist nicht mehr allzu lang. „Wo ist eine Plastiktüte, um das Radio einzupacken“, fragt Bärbel Fritzsche. „Hier“, bekommt sie Bescheid. Sie umhüllt das Gerät und reiht sich in die „Gipser“ ein. „Jetzt wird es langsam eng hier“, sagt Thomas Kreisel. Er ergreift eine Tür, die an der Seite steht, und trägt sie in den Lagerraum. Mit seinen 25 Jahren ist Thomas der Jüngste im Bunde. Denn einige sind bereits im Rentenalter. „Ich wollte den Altersdurchschnitt etwas senken“, flachst er. Doch in der Truppe spielt es keine Rolle, wie viele Lenze Mann oder Frau mit sich herumträgt. Sie verstehen sich alle gut und wollen gemeinsam ein Stückchen Heimatgeschichte bewahren.

Insgesamt gehören acht Frauen und Männer zum Team. Sechs sind bereits mit den verschiedensten Arbeiten beschäftigt. Klaus Winkler schafft sich in einem weiteren kleinen Raum. „Hier wollen wir eine Miniküche einrichten“, erläutert er. Seine Frau Renate geht ihm zur Hand. „Neben der Bauerei entsteht auch das Programm zum Dorffest“, sagt sie. Während Thomas als „Finanzminister“ der Truppe fungiert, ist die ehemalige Lehrerin für die Chronik zuständig. Und dort ist vermerkt, dass die Heimatstuben-Geschichte mit einer Ausstellung zum Dorffest 2001 begann, erzählt Renate Winkler. „Die kam so gut an, dass wir überlegten, etwas Dauerhaftes daraus zu machen.“ Und so geschah es auch. Die Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach überließ ihnen im Obergeschoss der alten Schule zwei kleine Räume. Die Zwischenwand wurde herausgenommen, alles mit einem neuen Farbkleid versehen, und die Heimatstube war geboren. „Jetzt haben wir weitere zwei kleine Räume dazu bekommen“, sagt Renate Winkler. „Darüber sind wir sehr froh. Damit können wir die Ausstellungen anders gestalten. Die Besucher haben mehr Platz, um einen Kaffee zu trinken.“

Mittlerweile sind auch Gisela Bethke und Birgit Hiekel eingetroffen. Nun ist die geballte Kraft der Truppe am Werken. Die beiden beginnen auch gleich, im eigentlichen Ausstellungsraum die Fensterbretter leer zu räumen. „Die Fenster werden erneuert“, erklärt Gisela Bethke. „Keiner hätte gedacht, dass wir uns so vergrößern“, so Birgit Hiekel. „Aber es macht viel Spaß.“ Wenn etwas zusammengetragen wird, beispielsweise für die Hochzeitsmodenschau, dann geht Giesela Klingeln. Auch das Marmeladeverkosten, wer nun das beste Rezept hatte, war aufwendig, aber prima, erinnern sich die beiden Frauen. Allen ist anzumerken, dass sie mit Herz bei der Sache sind. „Einige Tage vor dem Dorffest wird es noch einmal hart“, ergänzt Hanka Tschirner. „Dann gehen ein paar Nächte und Urlaubstage drauf.“