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Was für den Zwinger weichen musste

Teil 2 unserer Serie: Ein Bauforscher hat entdeckt, dass bereits Anfang des 18. Jahrhunderts fleißig im Zwingerhof gepflanzt wurde. 

Wie 2013 bei Grabungen nachgewiesen, befand sich der erste Garten im Zwingerhof auf dieser Fläche vor dem Wallpavillon.
Wie 2013 bei Grabungen nachgewiesen, befand sich der erste Garten im Zwingerhof auf dieser Fläche vor dem Wallpavillon. © André Wirsig

Dass der Zwinger über lange Zeit eine Orangerie war, ist bekannt. Daran knüpft auch das Schlösserland Sachsen an und lässt seit 2017 im Sommerhalbjahr wieder Orangenbäume im Hof aufstellen. Doch über Jahrhunderte unbekannt war, dass dort anfangs auch Gärten waren.

„Bislang ging man immer davon aus, dass der Hof des 1719 weitgehend fertiggestellten Zwingers nur ein Turnierplatz war“, sagt Hartmut Olbrich. Doch das sei durchaus nicht so gewesen. Das hat der promovierte Bauforscher und Archäologe bei seinen Studien und bei Grabungen im Zwingerhof herausgefunden. Anlass war die geplante Sanierung der Flächen. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) fragte Olbrich, ob etwas Wichtiges darunter liegt. Er recherchierte.

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An der Wallseite errichtet Matthäus Daniel Pöppelmann ab 1709 für Kurfürst August den Starken zuerst die dreistöckige, gemauerte Terrassenanlage für die Orangen und später Galerien, in denen sie überwintern können. Doch das ist nicht alles, was Augusts Hofbaumeister hier schuf. Bereits 1710/1711 plant er dort einen ersten Garten mit einem Wasserbecken. „Mit dem Bau der Pavillons und der Langgalerien wird der Garten in Richtung Stadt erweitert“, verweist Olbrich auf den nächsten Schritt. „Wir wissen, dass der Garten bereits angelegt und bepflanzt war, als am Zwinger noch gebaut wurde.“ „August der Starke konnte somit seinen Gäste durch den Garten führen und zugleich das großartige Bauwerk präsentieren“ .

2013 und 2014 hatte Olbrich mit seinem Archäologenteam vier Flächen im Zwingerhof auf Spuren der Gärten und der einstigen Bebauung untersucht. Pöppelmann hatte den Zwingergarten zwischen 1709 und 1718 angelegt und dann zweimal umgestalten lassen. Das hatten die übereinander liegenden Schichten belegt, berichtet Olbrich. Erst in einer Tiefe von 1,50 Metern sind die Archäologen auf festen Untergrund gestoßen.

Dann kam der große Einschnitt

In der Mitte des Hofs habe es vier Wasserbecken gegeben, um die ornamental gestaltete Gartenflächen angelegt waren. Rasenflächen waren dabei von Buchsbaumhecken und farbigem Kies umrandet. Allerdings waren die Beckenränder – im Gegensatz zu den heutigen Zwingerbrunnen – sehr viel niedriger.

Ein Rahmen aus Rasen, Kiesbändern und den Hecken sollte jedoch das Herantreten an die Becken verhindern. Vergleichbare Becken finden sich in anderen historischen Gärten des 18. Jahrhunderts. „Wir haben Reste von Wegen und Pflanzgruben an den Wegen gefunden, die mit den historischen Plänen übereinstimmen“, berichtet der Archäologe. Die Gärten sind also nicht nur eine Fiktion.

Gepflanzt werden hohe Taxus- und Buchsbäume. Um sie ordentlich zu sichern, sind sie an hölzernen Pfählen festgebunden. Von den Dächern der Galerien können die Besucher des Hofs wie von einer Tribüne aus hervorragend den Zwingerhof mit seinen schönen Gärten bewundern.

Allerdings kommt 1719 der große Einschnitt. Im September will Kurprinz Friedrich August die habsburgische Kaisertochter Maria Josepha heiraten. Der Ausbau wird zuvor forciert, da der Zwinger bis dahin weitgehend fertig sein soll. „Für die Fürstenhochzeit wird der Garten vollständig beseitigt“, erläutert Olbrich. Denn der Hof soll zum Festplatz werden. Ab Ende 1718 werden die Pflanzen ausgegraben und in andere Gärten gebracht. Es entsteht ein leerer Turnier- und Festplatz. Das kann auch anhand des Netzes von Sandsteinkanälen für die Hofentwässerung und an den Resten von Tribünen, Podesten und Geländern belegt werden, die man im Untergrund entdeckte.

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Olbrich ist sich gewiss, dass Pöppelmann weitere Pläne für den Ausbau des Zwingergartens hatte. Wie wichtig dieser für den Hofbaumeister Pöppelmann war, zeigt ein 1729 veröffentlichter Kupferstich von ihm, in dem er im Hof einen ornamental gestalteten Garten überliefert. „Die Darstellung kommt dem archäologisch erfassten Befund im Zwingerhof sehr nahe, wie wir heute wissen“, sagt der Bauforscher. Offenbar hat Pöppelmann seinem verschwundenen Garten lange nachgetrauert.

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