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Wie schlägt man die Bayern, Herr Geyer?

Es wird der Höhepunkt in der ersten Runde des DFB-Pokals: Energie Cottbus spielt am Montag gegen die Münchner. "Ede" erinnert an die Sensation vor 19 Jahren.

Eduard Geyer freut sich nach der Sensation gegen Bayern. Im Hintergrund Moussa Latounji, damals ein Leistungsträger bei Energie.
Eduard Geyer freut sich nach der Sensation gegen Bayern. Im Hintergrund Moussa Latounji, damals ein Leistungsträger bei Energie. ©  Archiv/dpa

Es ist der 14. Oktober 2000. Die Bayern kommen. Nach Cottbus. Natürlich als Spitzenreiter. Zum Schlusslicht. Klare Ausgangslage. Rekordmeister gegen Neuling. Es ist zwar der achte Spieltag in der Fußball-Bundesliga, aber diese außergewöhnliche Begegnung trägt Pokal-Charakter. Und endet tatsächlich mit einer Sensation. Der Ungar Vilmos Sebök trifft nach gut einer Viertelstunde für Energie – gegen den deutschen Nationaltorwart Oliver Kahn. Die Münchner rennen an, werden immer wütender. Doch die 20.500 Zuschauer im restlos ausverkauften Stadion der Freundschaft tragen ihre Mannschaft zum Sieg.

Als Schiedsrichter Markus Merk abpfeift, geht an der Außenlinie einer in die Hocke, ballt die Fäuste, sein Gesichtsausdruck ist ein Jubelschrei: Eduard Geyer. Als Trainer hat er die Lausitzer ins Pokalfinale 1997 und zur Jahrtausendwende in die Bundesliga geführt. Wenn Energie am Montagabend, 20.30 Uhr, wieder die Bayern empfängt, diesmal in der ersten Runde des DFB-Pokals, wird er vor dem Fernseher die Daumen drücken. Vorher erinnert sich der 74-Jährige im Gespräch mit der SZ an den Erfolg von damals.

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Herr Geyer, wie schlägt man denn die Bayern?

Für uns war es eine Riesensache, in der Bundesliga zu spielen, eine Genugtuung, dass die mitunter überheblichen Bayern und andere Spitzenmannschaften zu uns kommen mussten. Wenn wir zu Hause gespielt haben, wollten wir bestimmen, wo es lang geht, und uns nicht verkriechen vor den scheinbar großen Namen. Wir sind mit dem nötigen Selbstvertrauen aufgetreten, das ist entscheidend.

Trotzdem gewinnt man nicht alle Tage gegen den FC Bayern. Hatten Sie an dem Tag eine besondere Idee?

Natürlich war das eine große Überraschung, daran wagt man als Trainer vorher selber kaum zu glauben. Wie das Spiel dann jedoch gelaufen ist, hätten wir sogar noch höher gewinnen können. Erstens hatten uns die Bayern unterschätzt, für sie war es ja fast schon eine Majestätsbeleidigung, überhaupt in die Lausitz fahren zu müssen. Zweitens hatten sie mehr mit dem Schiedsrichter zu tun als mit ihrem Spiel. Und drittens brauchst du das Quäntchen Glück. Diesmal sind die Vorzeichen ganz andere.

Wie haben Sie es als Trainer der Mannschaft vorher rübergebracht, dass sie vor den großen Bayern nicht zu kuschen braucht und eine Chance hat?

Wir spielen zu Hause! Mit Mut, Engagement, Leidenschaft – wir müssen sie mit unseren Mitteln beeindrucken, bis sie die Lust am Fußballspielen verlieren. Ich denke, das haben wir geschafft. Sie haben sich nur noch in Diskussionen verstrickt, mehr mit dem Schiedsrichter (Merk gab ein Tor für die Bayern wegen Foulspiels zu Recht nicht/d. A.) gehadert. So, wie sie den beleidigt haben, wären von uns drei Spieler vom Platz geflogen. Wenn du dich derart von der Rolle bringen lässt, machst du es dem Gegner leichter.

Tüftler, Motivator, Erfolgscoach: Als Ede Geyer im Juli 1994 Trainer wurde, spielte Energie in der viertklassigen Oberliga - er führte die Lausitzer in die Bundesliga. Gut zehn Jahre verlieh er Cottbus besondere Energie.
Tüftler, Motivator, Erfolgscoach: Als Ede Geyer im Juli 1994 Trainer wurde, spielte Energie in der viertklassigen Oberliga - er führte die Lausitzer in die Bundesliga. Gut zehn Jahre verlieh er Cottbus besondere Energie. ©  Archiv/dpa

Was war dieser außergewöhnliche Sieg damals wert?

Wir wollten in der Liga bleiben und wussten: Dafür müssen wir vor allem zu Hause die Punkte holen. Es war also egal, gegen wen. Darüber hinaus war es wichtig fürs Selbstbewusstsein: Wir packen das.

Energie war als Überraschungsaufsteiger der Abstiegskandidat Nummer eins. War es auch eine Trotzreaktion: Denen zeigen wir es?

Was heißt trotzig? Wenn man sich nach oben gekämpft hat, will man natürlich versuchen, dort auch zu bestehen. Das war schon schwierig mit unseren Möglichkeiten. Deswegen war uns bewusst: Wir sind fußballerisch nicht überragend, also müssen wir mit einfacheren Mitteln den Erfolg erzwingen. Dazu gehörte die Heimstärke: Mit den Fans im Rücken, in unserem Stadion kannten wir jeden Grashalm.

Es war ein Spiel mit Pokalcharakter: David gegen Goliath. War das auch eine besondere Motivation?

Ja, das war schon so. Die Bayern waren die übermächtige Mannschaft. Das Stadion war ausverkauft, das Wetter hat gepasst, es herrschte eine großartige Stimmung. Ich kann mich erinnern: Das ZDF wollte mich schon vor dem Spiel ins Sportstudio einladen für den Fall, dass … Die habe ich aus meiner Kabine geschmissen, dafür hatte ich keinen Nerv. Vor dem Spiel wollte ich mich mit meiner Mannschaft beschäftigen und nicht gedanklich durchspielen, was hinterher passieren könnte. Als wir dann gewonnen hatten, haben sie mich tatsächlich mit einem kleinen Flieger abgeholt und ins Sportstudio nach Mainz gebracht. Das war schon ein erhebendes Gefühl, dort zu sitzen und die Bayern geschlagen zu haben. Da gibt es nicht viel Besseres.

Als Zuschauer ist Ede Geyer immer mal wieder im Stadion der Freundschaft, dabei auch gern mitten unter den Energie-Fans.
Als Zuschauer ist Ede Geyer immer mal wieder im Stadion der Freundschaft, dabei auch gern mitten unter den Energie-Fans. © Robert Michael

Diesmal ist es eine andere Ausgangsposition, Energie spielt nur in der Regionalliga. Wie bewerten Sie die Situation in Cottbus?

Es ist viele Jahre her, ich kenne von den jetzt handelnden Personen keinen mehr persönlich. Mit den alten Kumpels von damals telefoniere ich ab und zu, fahre hin und wieder mal nach Cottbus. Aber zur derzeitigen Situation kann ich wenig sagen. Natürlich ist es bitter, wieder in der vierten Liga gelandet zu sein, zumal der Wiederaufstieg dieses Jahr sehr, sehr kompliziert wird. Wenn du als Verein so viele Jahre im bezahlten Fußball warst wie Energie, ist das alles andere als erbaulich.

Kann dieser Höhepunkt im Pokal einen Schub geben?

Der Klassenunterschied ist jetzt unheimlich krass, Cottbus qualitativ deutlich unterlegen. Nichtsdestotrotz kann man versuchen, mutig zu sein und ein gutes Ergebnis zu erzielen. Man darf die Gegenspieler nicht bestaunen wie Halbgötter, sondern muss beherzt in die Zweikämpfe gehen, um den Bayern die Laune zu verderben. Grundsätzlich sind sie der haushohe Favorit, aber wenn Energie es schafft, das Resultat im Rahmen zu halten, kann das für die Spiele in der Liga einen Auftrieb geben.

An eine Sensation glauben Sie nicht?

Ehrlich, das halte ich für illusorisch. Für die Zuschauer ist es schön, die Bayern mal wieder in einem Pflichtspiel live in Cottbus zu sehen. Das Spiel wird im Fernsehen übertragen, was will man mehr! Für die meisten Energie-Spieler ist es das erste Mal, dass sie sich auf so einer Bühne präsentieren können. Und, ja, manchmal schleicht sich beim Favoriten ein bisschen Überheblichkeit ein, Fahrlässigkeit. Vielleicht …

Welche Chance ist es für den Verein?

Durch die Zeit im Profi-Fußball ist Energie national sicher bekannter als vor fast 20 Jahren. Es ist auch für den Verein, für Cottbus eine schöne Bühne. Man muss sehen, dass man daraus die richtige Motivation zieht für die Serie.

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