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Polen feiern Hundert- Tage-Ball

Schule. Für Woitek Ovsik beginnen jetzt die Ferien. Er schreibt, wie die Abi-Fete beim Nachbarn läuft.

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Die meisten Schüler in Polen fürchten sich vor dem Abitur und feiern deshalb vielleicht schon 100 Tage vor dem Examen. Die Party heißt bei uns Hundert-Tage-Ball. An diesem besonderen Abend denkt keiner an die Reifeprüfung. Jedes Mädchen will die Königin des Balls werden. Natürlich mit einem Top-Kleid, damit alle Augen und Kameras nur auf sie gerichtet sind. Manche Jungen werden zum ersten Mal erfahren, wie unbequem ein Anzug sein kann.

Weil dieser Ball auch der Ball ihres Lebens ist, liegt die Vorbereitung in ihrer Hand. Die Organisatoren scheuen sich nicht, eine Burg im 30 Kilometer entfernten Tschocha für ihr Fest auszusuchen. Der Hundert-Tage-Ball soll ein Leben lang immergrünes Erlebnis sein und deshalb spielen die Kosten keine Rolle. Trotzdem behalten wir die Kosten im Auge, da unsere Eltern keine Millionäre sind, denn diese Kosten tragen die Eltern.

Nur ein Schluck Champagner

Die Feier beginnt mit einem Tanz, der Polonaise, den nur die Schüler tanzen. Auf diesen Tanz bereiten sie sich viele Monate vor, damit sie an diesem Abend keinen Schritt vergessen. Nach dem Tanz stellen die Schüler ein Programm vor, danach hält die Klassenlehrerin eine Rede, auch der Schuldirektor kommt zu Wort und eröffnet den Ball. Alle feiern und tanzen nach der Musik einer Kapelle oder einer Band, die eine Musik spielt für alle Generationen. Erlaubt ist an diesem Abend nur ein Schluck Champagner, obwohl die Abiturienten längst 18 sind. Das „Alkohol“-Problem ist durch Verbot nicht geklärt. Es gibt immer noch betrunkene Abiturienten auf diesem Ball. Es sind aber sehr wenige. Während des Balls müssen sich manche Schüler trauen, mit der Lehrerin zu tanzen, wenn sie die Zensuren noch verbessern wollen. Die Feier dauert bis zum nächsten Morgen.

Interessant ist auch die Einladung der Lehrer zum Ball. Die Schüler bereiten für jeden ein zehn bis 15 Minuten dauerndes Spiel vor, das den Lehrer zum Lachen bringen und zur Teilnahme am Ball überrden soll. Mein eigener Hundert-Tage-Ball kommt erst in zwei Jahren und schon heute kann ich die Spannung kaum ertragen.

Woitek Ovsik, Lyzeum Zgorzelec