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Politiker aufs Feld

über die Sorgen der Landwirte

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Alexander Kempf

Wenn Städte unter Wasser stehen kommt nicht nur das Fernsehen, sondern auch die Politik. Dann wird gesprochen und versprochen. Stehen aber Felder unter Wasser, macht sich selten jemand auf den Weg. Es sind ja nur Pflanzen, die dort verkümmern. Irrtum!

In Wahrheit hängen an jenen Pflanzen viele Existenzen. Die Landwirte sind gerade in unserer Region ein wichtiger Arbeitgeber. Doch die Neißeaue ist nicht die Magdeburger Börde. Darum zählt jeder fruchtbare Hektar Land, der bewirtschaftet werden kann, um so mehr.

Die Gemeinden sind deshalb gut beraten, ihre Landwirte trotz knapper Kassen beim Hochwasserschutz so gut wie möglich zu unterstützen. In der Vergangenheit sind viele Fehler gemacht worden. Zahlreiche Planungsbüros beschäftigen sich heute damit, Abwasserrohre und Drainage-Systeme von gestern aufzuspüren. Über die trockenen Jahre ist Einiges in Vergessenheit geraten, das nun mühsam und für viel Geld gefunden und kartographiert wird. Wer ein Haus baut, der bewahrt die Pläne für die verlegten Rohre und Kabel ja auch besser auf. Und von der öffentlichen Hand darf man erwarten, dass wichtige Karten nicht verlegt werden. Wende hin, Wende her.

Gute Pläne sind das eine. Einen funktionierenden Hochwasserschutz wiederzubeleben oder gar ganz neu aufzubauen ist das andere. Diesen Kraftakt können Kommunen nicht alleine stemmen. Darum braucht es breite Schultern. Der Staat ist gefragt und gefordert.

Zwei Jahrundertfluten in elf Jahren haben gezeigt, dass uns das Wasser in Deutschland künftig öfter heimsuchen könnte. Das Grundwasser ist vielerorts deutlich gestiegen. Landwirte können davon viel erzählen. Es wird höchste Zeit, dass auch Politiker mehr Feldforschung betreiben.