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Politikersprache macht irre

Abgeordnete lügen nie, sie sagen in Wahrheit nur etwas anderes. "Sächsisch betrachtet", eine Kolumne von SZ-Redakteur Gunnar Saft.

Wird der Landtag volksnäher, wenn eine Software den sächsischen Dialekt übersetzt?
Wird der Landtag volksnäher, wenn eine Software den sächsischen Dialekt übersetzt? © Ronald Bonß

Viele Menschen hören Politiker reden, verstehen aber nicht, was sie sagen. Keine Seltenheit, sondern trauriger Alltag. Ein Beispiel aus Sachsen: Mitten in der Corona-Krise erklärten die Abgeordneten im Landtag, sie würden ihre Pläne für eine üppige Diätenerhöhung und höhere Zuschüsse für die eigenen Fraktionskassen stoppen. Diese Woche beschloss man nun, sich die Fraktionszuschüsse in Millionenhöhe doch zu gönnen. 

Die einstige öffentliche Ankündigung für uns Bürger verständlich übersetzt, heißt das: Auch die Diätenerhöhung kommt bald. Jetzt alles verstanden?

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Lassen wir uns bloß nicht einlullen! Wenn unsere Abgeordneten etwas sagen, heißt das noch lange nicht, dass sie es auch genauso meinen. Gut möglich, dass sie stattdessen meinen, was sie uns gar nicht sagen. Klingt irre und ist es irgendwie auch. Mein Tipp: Nehmen Sie ein Versprechen von Politikern immer wörtlich – etwas sagen und sich dabei gehörig vertun. Ein Versprechen eben. So liegen sie meist richtig.

Daher rate ich auch zur Vorsicht, wenn sich der Landtag volksnah gibt. So hat man sich dort für die Aufzeichnung der Parlamentsreden nun eine neue Sprachsoftware angeschafft, die den sächsischen Dialekt übersetzt. (Kein Witz, stimmt wirklich!) Vielleicht verstehen sich so Politiker und Wähler ja bald besser. Aber wichtig: Wenn aus dem Wort Versprechen ein „Färspräächen“ wird, bleibt der Inhalt absolut gleich. Das gilt auch für Tsuschüße und Dieethen.

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