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Riesa

Politpromis im Tagestakt

Vor der Landtagswahl entwickelt sich die Stadt Riesa zum Treffpunkt von Bundespolitikern. Warum?

Prominente Wahlhelferin: Beatrix von Storch ist eine der bekanntesten Gesichter der Bundes-AfD. Am Dienstag kam sie zur Unterstützung des Wahlkampfs von Carsten Hütter nach Riesa – zu einem Auftritt im Sachsenhof.
Prominente Wahlhelferin: Beatrix von Storch ist eine der bekanntesten Gesichter der Bundes-AfD. Am Dienstag kam sie zur Unterstützung des Wahlkampfs von Carsten Hütter nach Riesa – zu einem Auftritt im Sachsenhof. © Andreas Weihs

Riesa. Proteste gibt es anderswo: Während sich bei Auftritten von Beatrix von Storch anderswo AfD-Gegner zusammenfinden, haben die Personenschützer vom BKA in Riesa einen ruhigen Tag. 

Ganz entspannt kann sich die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion mit Carsten Hütter zum Fototermin auf die Hauptstraße stellen. Seinetwegen ist sie am Dienstagabend an die Elbe gekommen. Die selbst für AfD-Verhältnisse als rechts geltende Politikerin will den Landtagsabgeordneten bei seiner Kandidatur gegen den CDU-Mann Geert Mackenroth unterstützen.

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Der hatte seinerseits nur wenige Hundert Meter weiter einen Tag vorher einen Vertreter der Berliner Politik empfangen: Mit Ralph Brinkhaus kam der Chef der CDU-Bundestagsfraktion an den Riesaer Puschkinplatz. Zudem war erst vergangene Woche Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen zur Unterstützung Mackenroths da. 

Während der im Riesenhügel auf Einladung der konservativen Werte-Union sprach, hatte die AfD zuvor im Mercure-Hotel die Bundestagsabgeordneten Jens Maier und Tino Chrupalla aufgeboten. Beide sind mittlerweile bundesweit bekannt: Chrupalla hatte sich 2017 in Görlitz das Direktmandat für den Bundestag geholt und sich damit gegen den heutigen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer durchgesetzt; Jens Maier hatte als Richter am Dresdner Landgericht unter anderem mit „Schuldkult“-Äußerungen von sich reden gemacht.

Ralph Brinkhaus, Chef der CDU-Bundestagsfraktion (l.), war am Montag der Stargast von Geert Mackenroth.
Ralph Brinkhaus, Chef der CDU-Bundestagsfraktion (l.), war am Montag der Stargast von Geert Mackenroth. © Andreas Weihs

Und nun Beatrix von Storch. Es sei gar nicht so leicht gewesen, sie nach Riesa zu holen, sagt Carsten Hütter. „Alle wollen derzeit im Wahlkampf Frau von Storch haben.“ Im Wahlkreis deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hütter und CDU-Konkurrent Mackenroth an. Die zeitweilige Europa-Parlamentarierin ist sich dagegen schon jetzt sicher: Carsten Hütter wird den Wahlkreis Riesa gewinnen. 

„Sachsen braucht den Wandel. Und Sachsen kriegt den Wandel!“ Rund 100 Zuhörer haben sich im Saal des Sachsenhofs zusammengefunden. Viele davon gehören offenkundig zum AfD-Umfeld, aber auch ein ehemaliger CDU-Stadtrat und parteilose Gemeinderäte von der anderen Elbseite sind darunter. Hütter kündigt an, künftig der Stadt Riesa finanziell auf die Finger zu schauen. 

„Es kann nicht sein, dass in den Bereichen Sport, Bildung und Verkehr an allen Ecken und Enden gespart wird, die Stadt sich aber eine unrentable Hotellerie und Gastronomie mit großen Zuschüssen leistet.“ Auch bei dem Thema Riesenhügel und Hotel Mercure – beide werden von einer städtischen Tochtergesellschaft betrieben – gelte: „Der Staat hat nicht mehr Wirtschaftskompetenz als Unternehmen.“

Der Linken-Bundestagsabgeordnete André Hahn unterstützt den Wahlkampf von Uta Knebel.  
Der Linken-Bundestagsabgeordnete André Hahn unterstützt den Wahlkampf von Uta Knebel.   ©  Sebastian Schultz

Beatrix von Storch zieht den Rahmen größer. „Ich glaube, wir werden hier ein Zeichen setzen, das über die Landesgrenze von Sachsen hinausgeht.“ Mit der Landtagswahl werde in Deutschland und in Europa gehört werden, dass die AfD im Begriff sei, Mehrheiten zu gewinnen.

Zeitgleich halten in Riesa aber auch die anderen Parteien mit Politpromis dagegen: Am selben Dienstagabend wie Beatrix von Storch kam der Linken-Bundestagsabgeordnete André Hahn nach Riesa – das Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium für die Nachrichtendienste des Bundes wählte sich im Linken-Büro an der Bahnhofstraße das Motto „Geheimdienste außer Kontrolle?“ . Die FDP hatte einige Tage zuvor immerhin den Landeschef Holger Zastrow aufgeboten, der das Riesaer Stahlwerk besuchte.

In den nächsten anderthalb Wochen wird wohl noch der eine oder andere Politiker nach Riesa kommen – spannend wird, wie groß die Aufmerksamkeit der Politik nach dem 1. September für die Stahlstadt bleibt.

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