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Riesa

Polizei ermittelt in Nünchritz

Die Bewohner an der Karl-Marx-Straße sind nach einer Brandserie verunsichert. Die Bereitschaftspolizei geht deshalb vor Ort auf Zeugensuche.

Die Bereitschaftspolizei läuft am Mittwoch die Wohnblöcke an der Karl-Marx-Straße in Nünchritz ab. Die Beamten unterstützen dort eine Befragung der Kripo, die nach einer Serie an Brandstiftungen auf der Suche nach Zeugen ist.
Die Bereitschaftspolizei läuft am Mittwoch die Wohnblöcke an der Karl-Marx-Straße in Nünchritz ab. Die Beamten unterstützen dort eine Befragung der Kripo, die nach einer Serie an Brandstiftungen auf der Suche nach Zeugen ist. ©  Sebastian Schultz

Nünchritz. Große Aufregung im Nünchritzer Wohngebiet nahe der Bahngleise: Am Mittwochnachmittag kurz vor 16 Uhr fahren sechs Einsatzwagen der Polizei an der Karl-Marx-Straße vor. Sofort geraten an den Gebäuden die ersten Gardinen in Bewegung. Neugierige Bewohner spähen hinunter zu den Beamten und schauen, was passiert sein könnte. Doch die zwölf Polizisten haben absolut keine Eile. Geduldig teilen sie Namenslisten und Klemmbretter untereinander auf. Mit diesen machen sie sich nach einer kurzen Absprache auf den Weg zu den Hauseingängen mit der Nummer 1, 27 und 29.

Grund dafür ist eine Brandserie, bei der es zwischen Anfang Mai und Anfang Juni insgesamt viermal an der Karl-Marx-Straße brannte: erst in einem Keller am Eingang 27 f, dann ein Müllcontainer neben den Blöcken, danach ein Keller in der 29 b, dann wieder ein Keller an der 27 f. Um die Ermittlungen voranzutreiben, hat die Kripo nun Verstärkung von der Bereitschaftspolizei angefordert. Und die geht am Mittwochnachmittag von Tür zu Tür.

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An jeder Tür klopfen und klingeln die Polizisten, um mit den Anwohnern zu sprechen. 
An jeder Tür klopfen und klingeln die Polizisten, um mit den Anwohnern zu sprechen.  ©  Sebastian Schultz

An jeder Wohnung klingeln die Polizisten, oft blicken sie schon wenig später in verdutzte Gesichter. Manche Anwohner fragen, ob schon wieder jemand gezündelt habe. Andere wirken ein wenig überrumpelt von den Uniformierten. Doch die Polizisten bleiben stets betont freundlich, bitten um Einlass in die Wohnung und erklären den Bewohnern, warum sie an diesem Tag in Nünchritz vor Ort sind. Wer hat etwas Verdächtiges gesehen? Welche Besonderheiten sind den Leuten in den vergangenen Wochen sonst aufgefallen?

Die Befragungen entwickeln sich schnell zur Herausforderung. Viele Anwohner blocken ab, wollen nichts gesehen und gehört haben. Immerhin seien die Feuer nachts gelegt worden. Erst durch die Polizei- und Feuerwehreinsätze seien viele wach geworden. Doch es gibt auch Anwohner, die mehr zu wissen scheinen. Die werden von den Polizisten mit nach unten in die sogenannte mobile Wache gebeten – und dort von einem Ermittler der Kripo vernommen.

Anwohner liefern Hinweise

Jürgen Leistner, Leiter der Kripo-Außenstelle Meißen, erklärt im Nachgang der Befragung: „Es gab durchaus Hinweise, die wir nun weiteren Prüfungen unterziehen werden.“ Die Beobachtungen der Anwohner seien ganz unterschiedlicher Art. Manche könnten womöglich helfen, Zeugen zu finden, die bei der Entstehung der Brände mehr beobachtet haben. „Ob diese Hinweise zu etwas führen, können wir aber noch nicht sagen“, so Jürgen Leistner. Die Befragung in Nünchritz sei dennoch als Erfolg zu werten.

Viele Anwohner beruhigt aber bereits die bloße Präsenz der Polizei. „Es ist in den letzten Wochen sehr unruhig geworden in der Gegend“, erzählt eine Frau. „Die Brände beschäftigen die Menschen.“ Dass jetzt auch vor Ort ermittelt wird, sorgt deshalb für viele positive Reaktionen. Manche Bewohner bringen den Polizisten Kaffee, andere bedanken sich für ihre Anwesenheit.

Rund sechzig potenzielle Zeugen versuchen die Polizisten am Mittwoch an der Karl-Marx-Straße in Nünchritz anzutreffen. Wer nicht da ist, wird per Brief über die Ermittlungen benachrichtigt. „Da es sich um ein Wohngebiet handelt, haben wir die Hoffnung, dass irgendjemand etwas gesehen hat“, sagt der leitende Ermittler vor Ort. „Durch die Häufung der Brände vermuten wir den Täter im Umfeld.“

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