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Pirna

30 Rechtsextreme attackieren Polizei

Am späten Donnerstagabend eskalierte eine Party von Rechtsextremen in der Sächsischen Schweiz. Sie gingen mit Stahlrohren auf die Polizei los.

30 mutmaßlich Rechtsextreme wurden festgenommen.
30 mutmaßlich Rechtsextreme wurden festgenommen. © SZ

Königstein. Am Männertag wurden in Königstein in der Sächsischen Schweiz 30 mutmaßlich Rechtsextreme festgenommen, die bei einer Party mehrfach "Sieg heil" gerufen und Polizisten attackiert hatten. Auch wurden bei den Feiernden Waffen und Drogen gefunden.

Gegen 20 Uhr wurde die Polizei am Donnerstag zu einem Grundstück im Königsteiner Ortsteil Pfaffendorf gerufen, weil von dort Lärm und "Sieg heil"-Rufe zu hören waren. Als die Polizei eintraf, wurde sie laut Mitteilung "unvermittelt von 20 bis 25 Personen attackiert". Die offensichtlich rechtsextremen Partyteilnehmer warfen Gläser und andere Gegenstände auf die Beamten und gingen mit Holzlatten und Stahlrohren auf sie los. 

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Die Polizei setzte Pfefferspray ein und forderte Verstärkung an. Letztlich waren insgesamt etwa 120 Polizisten im Einsatz. Mit dabei auch ein Polizeihubschrauber sowie Hundeführer. Die Beamten nahmen rund 30 Personen fest, alle deutsche Staatsangehörige, die teilweise versucht hatten zu fliehen. "Nach ersten Ermittlungen sind mehrere Festgenommene bereits in der Vergangenheit mit rechtsmotivierten Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten", so die Polizei.

© SZ

Außerdem wurden die beiden Grundstücke an der Straße „Am Stallhübel“ durchsucht, auf denen die Party stattgefunden hatte. Dabei wurden eine Übungshandgranate, die Attrappe einer Panzergranate, Einhandmesser, Betäubungsmittel sowie diverses Propagandamaterial, welches auf eine rechtsextreme Gesinnung schließen lässt, gefunden.

Das Dezernat Staatsschutz der Polizeidirektion Dresden hat die Ermittlungen übernommen, teilte Polizeisprecher Thomas Geithner mit. "Die Kollegen stehen dabei auch im direkten Kontakt mit dem Landeskriminalamt Sachsen", so Geithner.

Königsteiner nehmen "Sieg heil"-Rufe nicht einfach hin

Für Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) ist es angesichts der gerade erst wieder gestarteten Tourismus-Saison ein "unschönes Signal aus der Region". Die Stadt wolle jetzt aber erst einmal die polizeilichen Ermittlungen abwarten, ob es sich bei den Festgenommenen um Einheimische handelt oder nicht.

Positiv sieht es Kummer, dass die "Sieg heil"-Rufe gemeldet wurden und so etwas in Königstein nicht einfach hingenommen wird.

Man dürfe Gewalt gegen Polizisten auch nicht verharmlosen. "Jegliche Gewalt und jeglichen Hass gegen Staatsbedienstete kann man nicht entschuldigen, auch nicht mit dem Männertag", sagt Kummer.

Der Bürgermeister verwies in dem Zusammenhang auch auf die Aktion der Stadt Pirna und hiesigen Gastronomen am vergangenen Mittwoch. Mit einer Demonstration durch Pirna reagierten sie auf die Ausschreitungen am Rande einer unangemeldeten Corona-Demonstration in der Stadt.

"Es ist gut, dass sich insbesondere die Tourismus-Branche geäußert hat. Gewalt entspricht absolut nicht dem Charakter der Menschen, die hier in der Region etwas voranbringen wollen. Das wird nicht geduldet", erklärt Kummer. Ob Königstein nun eine ähnliche Aktion für ein besseres Miteinander initiiert, wie die Stadt Pirna, ließ er offen.

Ermittlungen wegen Landfriedensbruch und vieler weiterer Delikte

Wie die Polizeidirektion Dresden mitteilt, müssen sich die Festgenommenen nun wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Sachbeschädigung, Bedrohung sowie Verstößen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz verantworten.

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Auch wurde ein Einsatzfahrzeug beschädigt. Polizisten seien jedoch nicht zu Schaden gekommen, teilte Thomas Geithner mit. "Im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz gibt es keine verletzten Beamten. Verletzungen von anderen Personen sind uns auch nicht bekannt." (SZ)

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