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Polizei klärt Taxiüberfall auf

Der Taxifahrer fürchtet um sein Leben. Mitten auf der Belmsdorfer Straße hält ihm seine Insassin in der Nacht zum 10. Juni ein Messer an die Kehle. „Los! Die Kasse raus“, schreit die Frau. Wenige Augenblicke später flüchtet sie mit den erbeuteten 70 Euro.

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Von Sebastian Martin

Der Taxifahrer fürchtet um sein Leben. Mitten auf der Belmsdorfer Straße hält ihm seine Insassin in der Nacht zum 10. Juni ein Messer an die Kehle. „Los! Die Kasse raus“, schreit die Frau. Wenige Augenblicke später flüchtet sie mit den erbeuteten 70 Euro. Zudem schuldet sie dem Taxifahrer die Fahrtkosten von Dresden, wo sie eine Stunde zuvor in der Innenstadt eingestiegen war. 65Euro steht noch auf dem Display, als die alarmierte Polizei am Tatort in Bischofswerda eintrifft.

Circa 20 bis 25 Jahre alt, große Augen, sehr markante Gesichtszüge, Oberlausitzer Dialekt – vielmehr Anhaltspunkte haben die Ermittler zunächst nicht. Wobei die Zeugenaussagen schon sehr wertvoll gewesen seien, sagt der Leiter vom Polizeirevier Bautzen Frank Wobst. Für den mit den Ermittlungen beauftragen Kriminalhauptmeister beginnt trotzdem ein Fall, den er erst jetzt, sechs Monate später, zu den Akten legen kann.

Und das, obwohl sich der Polizist, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, mit Raubüberfällen auskennt. Seit über 20 Jahren ist er im Dienst und zählt mittlerweile zu den besten Ermittlern, die Polizeioberrat Frank Wobst im Revier Bautzen hat. 70 Prozent seiner Fälle klärt der Mann auf. Aber beim Taxiüberfall in Bischofswerda tappt er zunächst im Dunkeln. Denn die erste Spur, die in den Raum Löbau führt, zerschlägt sich.

Kommissar Zufall

Dann erhält er plötzlich Hilfe von Kommissar Zufall. Denn eine Kollegin aus dem Polizeirevier Sebnitz erkennt auf dem Fahndungsplakat eine junge Frau, die bei ihr einen Raubüberfall angezeigt hat, der sich allerdings als Täuschung herausstellte. Durch den Kontakt mit den Sebnitzer Kollegen erfährt der Bautzener Kriminalhauptmeister außerdem, dass seine Kollegen einen ähnlichen Fall bearbeiten. Denn am 22. April wurde in Stolpen ebenfalls ein Taxi von einer jungen Insassin überfallen, die in Dresden zugestiegen ist.

Ins Visier des Ermittlers gerät eine allein erziehende Mutter – 24 Jahre alt, aus Neustadt-Berthelsdorf, von Beruf Chemielaborantin, seit Ende März arbeitslos und ohne eigene Einkünfte. Ein klares Motiv für einen Raubüberfall. Die Frau, deren Eltern in Bischofswerda arbeiten und die Verwandte in der Region haben soll, wird zu einem Gespräch vorgeladen, in dem sie die Vorwürfe allerdings abstreitet. Sie sei mit dem Zug von Dresden nach Bischofswerda gefahren und habe genug Geld, antwortet sie dem Kriminalhauptmeister.

Erdrückende Beweise

Doch der lässt nicht locker. Denn die gesammelten Beweise sprechen klar gegen die junge Frau. Die an der Tür des Taxis gefundenen DNA-Spuren stimmen zum Beispiel eindeutig mit der von ihr entnommenen Speichelprobe überein. Und auch der Taxifahrer identifiziert die Verdächtige bei einer Gegenüberstellung ohne zu zögern. Zudem ermittelt das beauftragte LKA Potsdam anhand eines Stimmentests, dass sie das Taxi in Dresden bestellt habe.

Daraufhin übergibt der Kriminalhauptmeister den Fall an die Staatsanwaltschaft, die gegen die Neustädterin daraufhin einen Haftbefehl wegen „räuberischer Erpressung eines Kraftfahrers“ stellt. Dieser wird derzeit jedoch wegen ihres dreijährigen Kindes ausgesetzt. Bei einer Verurteilung droht der Frau allerdings eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren.