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Straftaten steigen nach Corona-Lockerungen

Ist Sachsen durch die Pandemie sicherer geworden? Die Polizei zieht für Sächsische.de eine Bilanz.

Während des Lockdowns wurde in Sachsen weniger eingebrochen. Doch seit Mitte Mai sind wieder mehr Kriminelle auf Sachsens Straßen.
Während des Lockdowns wurde in Sachsen weniger eingebrochen. Doch seit Mitte Mai sind wieder mehr Kriminelle auf Sachsens Straßen. © (c) Christian Juppe

Erst der Lockdown, dann die Lockerungen, bald eine zweite Welle? Mit der Urlaubszeit wacht Sachsen langsam aus dem langen Corona-Schlaf auf, in Parks und an Flüssen trifft man an den Wochenenden wieder auf größere Menschenansammlungen. Aber welchen Einfluss hat das Corona-Auf-und-Ab auf die Sicherheit in den Straßen des Freistaats?

„Abschließende Zahlen aus allen Direktionen liegen uns noch nicht vor. Wir können nur Tendenzen herausgeben“, erklärt Polizeihauptkommissarin Kerstin Ilga vom Landespräsidium Sachsen. Und diese zeigen: Im Freistaat ist es durch die Pandemie nicht unbedingt sicherer geworden, auch wenn man von Mitte März bis Mitte Mai bei der Polizei noch optimistisch war.

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Während Lock-Down: Weniger Einbrecher und Diebe unterwegs

 „Der Rückgang der Kriminalität während der voll umfänglichen Schutzmaßnahmen betraf fast alle Phänomenbereiche“, so Ilga. So wurde deutlich weniger gestohlen, die sächsische Polizei verzeichnete rund ein Viertel weniger Diebstahlsdelikte als im gleichen Zeitraum 2019. 

Auch gab es deutlich weniger Wohnungseinbrüche und Autodiebstähle. Ende April hatte Innenminister Roland Wöller (CDU) bei einer der regelmäßigen Corona-Pressekonferenzen berichtet, dass die Anzahl der Körperverletzungen um 17 % gesunken sei.

Der Grund für den damaligen Rückgang: Die geschlossenen Grenzen und strikten Ausgangsbeschränkungen, die von den Behörden zu dieser Zeit besonders aufmerksam überwacht wurden. „Es war schwer, Diebesgut zu verbringen – im und außer Landes“, erklärt Ilga. Und: „Die Menschen hielten sich insbesondere in der Zeit der Schul- und Kita-Schließungen mehr als sonst in ihren Wohnungen bzw. unmittelbarem Wohnumfeld auf.“ 

Straftaten liegen wieder auf Vorjahresniveau

Doch Entwarnung kann die sächsische Polizei für 2020 nicht geben. Denn schon im Januar und Februar, also vor dem großflächigen Ausbruch der Pandemie, verzeichneten die Beamten mehr Straftaten als in den Anfangsmonaten 2019. Außerdem: „Seit Mitte Mai steigen die Fallzahlen wieder an und seit Juni bewegen sie sich wieder auf dem Vorjahresniveau“, so das aktuelle Fazit der Landespolizeisprecherin.

Einen nachhaltigen Einfluss auf kriminelle Machenschaften hat die Pandemie in Sachsen also nicht. Die Arbeit der Beamten wird nicht weniger, sondern tendenziell sogar mehr. Denn über die gesamte Corona-Zeit waren Betrüger und Online-Straftäter im Freistaat sehr aktiv, so Ilga. Dass die Menschen während des Lockdowns vorwiegend über das Internet kommunizierten, spiegelte sich also direkt in den Aufzeichnungen der Polizei. 

Auch nutzten Kriminelle in Sachsen die Unsicherheit während der Ausgangssperren, wie Innenminister Wöller im April der Öffentlichkeit mitteilte. Vermehrt sei es zu Fällen gekommen, in denen sich Straftäter als Polizeibeamte oder Staatsbedienstete ausgegeben hätten, um in fremde Wohnungen zu gelangen. 

Dort stahlen sie dann unbemerkt Schmuck, Bargeld und andere Wertgegenstände. Anfang März hatten die Ordnungshüter auch mit falschen Polizisten zu kämpfen, die sich die Ausweise von Personen zeigen ließen – und dann wegen angeblicher Verstöße gegen Corona-Beschränkungen abzukassieren.

Seit dem ersten Januar zählen Online- und Betrugsdelikte auch zur Statistik, wenn sie im Ausland oder in anderen Bundesländern stattfinden, aber letztlich in Sachsen aufgeklärt werden. Berechnet man diese ein, ist die Zahl derartiger Straftaten in diesem Jahr sogar gestiegen. 

Polizei nimmt Befürchtungen: „Weniger häusliche Gewalt“

In einem Bereich allerdings bleiben die Fallzahlen auch nach dem Lockdown niedriger als vor Corona: Häusliche Gewalt. Die Befürchtung von Kinder- und Frauenschutzorganisationen, dass es jetzt vermehrt zu Übergriffen zuhause kommt, kann Ilga nicht bestätigen. „Dieser Trend hat sich trotz der Lockerung der Maßnahmen bis in den Juli fortgesetzt.“ 

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Hierbei ist allerdings zu beachten, dass Opfer häuslicher Gewalt die Täter in der Regel selten selbst – und wenn dann nur auf Druck von außen – anzeigen. Das Bundesfamilienministerium hat deshalb in der Corona-Krise zu einer speziellen Aktion aufgerufen: Mit dem Codewort „Maske19“ können Betroffene häuslicher Gewalt in Supermärkten und Apotheken auf sich aufmerksam machen. Mitarbeiter verständigen dann den Notruf. 

So berichten wir über die Corona-Krise:

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