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Polizei stoppt weiteren Abriss von historischer Villa

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde gestern weiter zerstört. Jetzt erhebt das Rathaus schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer.

Von Tobias Wolf

Die Angst steht den Mitarbeitern des Denkmalschutzamtes ins Gesicht geschrieben. Nur in Begleitung von Polizisten trauen sie sich gestern auf das Grundstück Tolkewitzer Straße 57. Ihr Ziel: Die letzten Reste einer halb zerstörten Villa zu retten. Gegen den Willen des Eigentümers Dieter K., der die Stadt-Bediensteten immer wieder wütend anschreit und als Lügner beschimpft. Die Polizisten können ihn schließlich beruhigen.

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Ein Polizist prüft den von der Stadt verhängten Bescheid, der Eigentümer Dieter K. (r.) am weiteren Abriss hindern soll.
Ein Polizist prüft den von der Stadt verhängten Bescheid, der Eigentümer Dieter K. (r.) am weiteren Abriss hindern soll.
Bis zum Brand Ende November stand die neobarocke Villa aus den 1920er-Jahren noch unversehrt am Blasewitzer Elbufer.
Bis zum Brand Ende November stand die neobarocke Villa aus den 1920er-Jahren noch unversehrt am Blasewitzer Elbufer.

Dieter K. hat auf die Anfrage der Sächsischen Zeitung keine Stellung zum Polizeieinsatz genommen. „Wir sind zur Amtshilfe für das Denkmalschutzamt gerufen worden und haben den weiteren Abriss unterbunden“, sagt Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Denn wieder steht ein Bagger im Grundstück und knabbert mit seinem Greifer an den Resten der denkmalgeschützten Villa. Bis die Polizisten ihn gegen acht Uhr stoppen.

Dabei hatte das Rathaus schon am 16. Mai einen sofortigen Abrissstopp verfügt und Strafanzeige erstattet, weil die Arbeiten laut Stadt nicht genehmigt waren. Der Polizeieinsatz wird nun Teil der Ermittlungen gegen Dieter K.. Er muss sich wegen Zerstörung eines Kulturdenkmals verantworten. Das Branddezernat der Dresdner Kriminalpolizei hat die Untersuchung übernommen, weil es ohnehin schon zur Villa ermittelt. Denn es gibt eine weitere Strafanzeige wegen Brandstiftung, allerdings gegen bislang unbekannte Täter.

Die neobarocke Villa, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts, hat seit Oktober 2012 insgesamt dreimal in Flammen gestanden. Beim ersten Mal brannten einzelne Kellerräume. Am 18. November 2013 verwüstete das Feuer den Dachstuhl. Erst dieser Brand habe immense Schäden am Gebäude angerichtet, weil das Mansardengeschoss und das Dach abbrannten, teilt Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) mit. Außenwände, Decken mit Stuckarbeiten sowie das Treppenhaus hätten dem Feuer jedoch standgehalten, ebenso die Fenster, darunter einige aus Bleiglas. Am 31. März dieses Jahres brannte das Erdgeschoss. Einem Augenzeugen zufolge verließ eine dunkel gekleidete Person den Brandort. Deshalb ermittelt die Kripo. Dieser Brand habe nur geringe Schäden angerichtet, so Lunau.

Dennoch entschloss sich Eigentümer Dieter K. offenbar zum Abriss des Gebäudes. Selbst die Intervention der Denkmalschützer am 16. Mai stoppte ihn nicht. Am Nachmittag desselben Tages stellte das Bauaufsichtsamt fest, dass der Abriss trotz Verbots weitergegangen war. Die bis dahin weitgehend verschont gebliebene elbseitige Fassade war nun bis zum Souterrain heruntergebrochen, teilt Bauaufsichtschefin Ursula Beckmann mit. Erlaubt war dem Eigentümer jedoch nur, Schutt neben der Villa zu entfernen. Bereits im Jahr 1998 hatte Dieter K. einen Antrag auf Abbruch der unter Denkmalschutz stehenden Villa bei der Stadt gestellt. Das Rathaus lehnte ab. 2004 habe das Verwaltungsgericht Dresden die Entscheidung bestätigt, sagt Bürgermeister Lunau. 2011 versuchte es K. noch einmal. Wieder lehnte die Stadt ab. Wieder folgte das Verwaltungsgericht der Auffassung des Rathauses. K. ließ dennoch nicht locker. Dem Kulturbürgermeister zufolge ließ der Eigentümer Anfang 2014 sondieren, ob eine Neubebauung des Areals möglich sei.

Barbarischer Umgang mit Kulturgut

Eigentümer K. hatte das Grundstück bis zu seiner Ausreise in die BRD 1977 besessen und 20 Jahre später zurückerhalten. Nun erhebt das Rathaus schwere Vorwürfe gegen ihn. 1997 habe er ein intaktes Gebäude übernommen. Lediglich eine normale verschleißbedingte Sanierung sei nötig gewesen, sagt Bürgermeister Lunau. Die Denkmalschützer hätten nach und nach den Eindruck gewonnen, dass Dieter K. an der Villa keinerlei Interesse zeige. So bestritt er unter anderem die Denkmalwürdigkeit. Von einer gerichtlichen Klärung dieser Frage habe er jedoch keinen Gebrauch gemacht.

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Versuche, andere Nutzungsmöglichkeiten für das Haus zu erarbeiten seien auf Ablehnung gestoßen, so Lunau. K. sei seinen Pflichten, das Denkmal vor Gefährdung zu schützen und instand zu halten, nicht nachgekommen – oder nur in einem Maße, dass vom Denkmal kaum noch etwas übrig ist. Schon 2012 forderte die Bauaufsicht den Eigentümer auf, den vorhandenen Schwammbefall im Haus zu beseitigen. Die von den Behörden verlangten baulichen Sicherungen des Gebäudes seien oft nicht wirksam oder ohne erforderliche Fachkräfte vorgenommen worden. Außerdem habe Dieter K. nicht unterbunden, dass Unbefugte ständig Zutritt zu dem Gebäude hatten. „Der Umgang mit Kulturgut in einer solchen Form kann wohl nur als barbarisch bezeichnet werden“, sagt Bürgermeister Lunau.