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Polizei-Taucher auf Spurensuche in der Elbe

Ein Taucher gibt ein Zeichen. Wieder hat er Erfolg. Er fischt bereits den nächsten Fahrradrahmen an diesem Vormittag aus dem Pirnaer Elbwasser. Seit acht Uhr sind die Kollegen der Dresdner Wasserschutzpolizei vor Ort.

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Von Katrin Salzinger

Ein Taucher gibt ein Zeichen. Wieder hat er Erfolg. Er fischt bereits den nächsten Fahrradrahmen an diesem Vormittag aus dem Pirnaer Elbwasser. Seit acht Uhr sind die Kollegen der Dresdner Wasserschutzpolizei vor Ort. Auf der Suche nach wichtigen Beweismitteln. Nur eine Hand voll neugieriger Passanten beobachtet interessiert das Geschehen. So etwas kommt ja auch nicht alle Tage vor.

Hauptkommissar Manfred Stephan vom Pirnaer Revier hat die Unterstützung für die Stadt angefordert. Der Einsatz lohnt sich. Bis zum Ende der Aktion am Nachmittag finden die Taucher mehrere Fahrräder, Rahmen, aufgebrochene Schlösser und Schlüssel in Ufernähe. „Das sind wichtige Beweisstücke in einem laufenden Ermittlungsverfahren. Und einige Rahmen konnten bereits überprüft werden. Sie sind als gestohlen gemeldet“, sagt Stephan.

Seit geraumer Zeit ist die Polizei zwei Tätern auf der Spur, die in Pirna für Unruhe sorgen. Vor allem auf Mountainbikes haben sie es bei ihren Diebestouren abgesehen. Kein Rad in der Stadt scheint im Moment vor den Dieben sicher zu sein. Egal, ob in privaten Kellern, vor öffentlichen Gebäuden, vor Banken oder am Bahnhofsvorplatz. Und das, obwohl die Räder immer sicher angeschlossen sind.

Aber gegen einen Bolzenschneider kommt das beste Schloss nicht an. Die Diebe entwenden die Räder und zerlegen sie. Später verkaufen sie die Einzelteile weiter. Die Rahmen werden bei Nacht und Nebel vom Ufer aus in die Elbe geworfen. Da die registrierte Rahmennummer beim Weiterverkauf zu auffällig ist und zur Fahndungsliste führt.

Aufmerksame Bürger haben die Polizei auf die „Entsorgungsstelle“ an der Elbe hingewiesen. Deshalb konzentriert sich die Suche vor allem auf dieses Stück vom Posten der Wasserschutzpolizei bis zur Mündung der Gottleuba. Die Sicht im Fluss ist nicht die beste. Die Taucher müssen den Ufergrund abtasten und das mit bloßen Händen. Die starke Elbe-Strömung macht die Bergung noch schwerer. Denn sie hat dafür gesorgt, dass einige der Beweisstücke wohl für immer verschwunden bleiben.

„Diesmal ist es kein richtiger Taucheinsatz, aber wir helfen gern, wenn wir können“, erzählt Steffen Zieger, Leiter der Tauchergruppe der Dresdner Wasserschutzpolizei.

Der Wasserstand ist zurzeit sehr niedrig. Er liegt bei 81 Zentimetern. Normal sind zwei bis zweieinhalb Meter. Die Taucher waten deshalb nur durchs Wasser. Es ist ein kleiner Einsatz im Gegensatz zu sonst.

Auf Tauchstation geht das Team in ganz Sachsen. Immer ausgerüstet mit der nötigen Technik und Metalldetektoren. Dieses Jahr wurden sie zu bisher sieben Einsätzen gerufen. Meist werden wild entsorgte Autos geborgen, wird nach Beweismitteln aus Mordfällen gesucht oder werden Kampfmittel beseitigt.

Wie vor kurzem in Riesa-Bobersen. Es war der bisher aufregendste Einsatz für die Truppe seit Jahresbeginn. Dabei wurden Ende Juli über 60 Wurfgranaten und Munition aus dem zweiten Weltkrieg aus der Kiesgrube geborgen. Die Menge entsprach schon einem kleinen Waffenlager und sorgte für viel Aufsehen in der Presse.

Haben die Taucher einen Einsatz, müssen ständig ein Einsatzleiter, drei Taucher und ein Taucherarzt-Gehilfe vor Ort sein. So auch bei der Aktion in Pirna. Insgesamt besteht das Team aus acht Leuten. Der älteste Taucher ist 44 Jahre alt. Sogar eine Frau ist von Anfang an - genauer gesagt seit 1995 - in diesem Männerjob dabei. Sind die Taucher nicht gerade im Wasser, arbeiten sie als Streifenpolizisten und haben zusätzlich die notwendige Berufstaucher-Ausbildung.

Getaucht wird fast immer zu zweit. Wegen der Sicherheit. Mit einer Bodyleine halten die Taucher untereinander Verbindung. Durch eine weitere Signalleine werden im Notfall Zeichen an die Wasseroberfläche geschickt. Dabei geht es tief hinab. In Flüssen und Seen tauchen sie bis maximal 20 Meter in die Tiefe. In Kiesgruben ist bei acht bis zehn Metern Schluss.

Im Winter ist ihr Job eine frostige Angelegenheit. Mit Neoprenanzügen geht es ins Gewässer, ab zwei Grad plus aufwärts. Im Sommer kommen die „Froschmänner“ bei bis zu 25 Grad schon mal ins Schwitzen. Die Sichtverhältnisse sind oft sehr schlecht. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes im Trüben getaucht. Aber mit Erfolg. Eben ein außergewöhnlicher Beruf für die sieben Männer und „ihre “ Frau.