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Riesa

Polizei warnt vor Ansammlungen am Elbufer

Bis zu 50 unterbeschäftigte Jugendliche treffen sich täglich an der Promenade in Riesa – und ignorieren die Corona-Ansteckungsgefahr.

Nicht verboten, aber in Zeiten von Corona nicht ganz unproblematisch: Das Riesaer Elbufer entwickelt sich derzeit zum Jugend-Treffpunkt.
Nicht verboten, aber in Zeiten von Corona nicht ganz unproblematisch: Das Riesaer Elbufer entwickelt sich derzeit zum Jugend-Treffpunkt. © Lutz Weidler

Riesa. Corona-Parties gab es in Riesa noch nicht. Aber offenbar fehlt nicht mehr viel. "An der Elbe treffen sich teilweise 40, 50 Jugendliche, weil sie mit ihrer neuen Freizeit nichts anzufangen wissen", sagt Andreas Wnuck. Riesas Polizeichef war schon am Dienstag mit Kollegen und OB Marco Müller (CDU) am Elbufer, um die Menschenansammlungen aufzulösen.

"Wenn Dutzende Jugendliche auf einem Haufen abhängen und sich fünf 16-Jährige eine Bierflasche teilen, nutzen die Schulschließungen wenig, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen", sagt der Revierleiter.

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Andreas Wnuck ist seit diesem Jahr Chef des Riesaer Polizeireviers.
Andreas Wnuck ist seit diesem Jahr Chef des Riesaer Polizeireviers. © Eric Weser

Gemeinsame Kontrollen geplant

Die Jugendlichen reagieren freundlich, aber verständnislos. "Mir passiert doch nichts", ist die Standardantwort. Man sei schließlich keine 80. Motto: Mich wird Corona schon nicht umhauen. "Aber wer denkt dabei an die alten Leute, die möglicherweise von den Jugendlichen angesteckt werden?", fragt Andreas Wnuck. 

Jeder könne Teil der Überträgerkette sein - und habe Verantwortung. Deshalb sollten auch Jugendliche ihren sozialen Umgang reduzieren. Um das Verständnis zu erhöhen und solche Versammlungen am Elbufer zu verhindern, plant man jetzt gemeinsame Kontrollen von Polizei und Stadtverwaltung.

Neue Schichtpläne für den Ernstfall

"Viele sagen: Corona ist doch weit weg", stellt der Polizeichef fest. "Aber das haben alle gedacht, als der Virus noch in China war." Und dann war ein Riesaer Gymnasium die erste Schule im Landkreis, die wegen eines positiven Testergebnisses geschlossen werden musste. Jetzt möchte die Polizei einen Warnhinweis vor dem Gefahrenpotenzial auf die Homepages der Riesaer Schulen stellen lassen.

Immerhin: Die Kriminalitätslage stelle sich in Riesa derzeit als sehr entspannt da, sagt der Chef von rund 100 Polizisten. "Man merkt, dass das soziale Leben zum Erliegen kommt." Im Revier arbeite man solange wie möglich im Normalmodus. Bislang sei der Krankenstand unter den Beamten auch noch überschaubar.

Aber auch die Riesaer Polizei bereitet sich auf mögliche Infektionen vor: Es gibt Pläne für redundant besetzte Schichten - falls mal eine wegen Corona ausfällt. Auch andere Arbeitszeiten wurden durchgerechnet. Die Lage kann sich jeden Tag ändern. "Aber wir wollen so lange wie möglich, den normalen Betrieb aufrechterhalten."

Befremden bei der Verkehrskontrolle

Damit das so bleibt, ist jetzt ein größerer Abstand der Beamten zu den Bürgern angeordnet. Das Händeschütteln fällt aus. "Auch, wenn das womöglich unhöflich wirkt: Es ist zum beiderseitigen Schutz", bittet Wnuck um Verständnis.

Ein Bürger äußerte bereits sein Befremden: Riesaer Polizeibeamte hatten einen Mundschutz auf, als sie ihn bei einer Verkehrskontrolle befragten. Aber das wird jetzt wohl häufiger vorkommen, sagt der Polizeichef. "Um den Autofahrer zu verstehen, müssen die Kollegen dicht ans Fahrzeug ran. Und da werden sie im Einzelfall jetzt auch mal Gesichtsmasken tragen." Mit mangelndem Respekt habe das nichts zu tun.

Polizist mit Mundschutz: Dieses Foto stammt von der slowakischen Grenze, wo Beamte am Dreiländereck mit Tschechien und Österreich die Körpertemperatur von Einreisenden kontrollieren. Auch Riesaer Beamte tragen jetzt bei Fahrzeugkontrollen im Einzelfall Mu
Polizist mit Mundschutz: Dieses Foto stammt von der slowakischen Grenze, wo Beamte am Dreiländereck mit Tschechien und Österreich die Körpertemperatur von Einreisenden kontrollieren. Auch Riesaer Beamte tragen jetzt bei Fahrzeugkontrollen im Einzelfall Mu © CTK/dpa

Auch in Zeiten von Corona bewege sich derzeit die Zahl der Verkehrsunfälle weiter auf Normalniveau. Schließlich lief der Pendlerverkehr in den vergangenen Tagen noch weitgehend. "Eine Veränderung werden wir wohl am Wochenende merken", sagt Wnuck.

Wegen möglicher Hamsterkäufe habe man noch nicht einschreiten müssen, das habe der Einzelhandel gut im Griff. Und auch die Veranstalter würden besonnen handeln. "Mir ist nicht bekannt, dass eine untersagte Veranstaltung trotzdem stattgefunden hätte."

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Jetzt machen allerdings auch noch die Riesaer Kneipen zu, da werden wohl noch mehr unbeschäftigte Leute Zerstreuung auf Straßen, Plätzen und am Elbufer suchen. "Das wird in den nächsten Wochen einer unser Handlungsschwerpunkte", sagt Wnuck. Er möchte unbedingt vermeiden, dass am Ende einer Ansteckungskette ein toter Rentner steht.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.