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Polizei will mehr Straftaten aufklären

Polizeipräsident Stiehl sprach über die Sicherheit im Rödertal. Sorge bereitet der hohe Anteil Jugendlicher Täter.

Von Reiner Hanke

Erst am Wochenende drangen Diebe ins Masseneibad ein und stahlen Kupferrohre an der Gaststätte. An der Zeppelin-Straße versuchten Autoklauer in eine Garage einzudringen, scheiterten mit dem Brecheisen an der Tür. In Bretnig-Hauswalde demolierten vorige Woche Rowdys ein Buswartehäuschen. Immer wieder ist von Autodiebstählen im Rödertal zu lesen. Trotzdem heißt es immer wieder, das Rödertal sei nicht gerade die Hochburg des Verbrechens. Mit der gefühlten Sicherheit sieht es offenbar anders aus, schätzt auch die Großröhrsdorfer Bürgermeisterin Kerstin Ternes ein. Der Präsident der Polizeidirektion (PD) Görlitz, Conny Stiehl, sprach jetzt im Stadtrat zum Thema Sicherheit. Er räumte ein, dass gerade die Autodiebstähle in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen seien. Insgesamt sei die Zahl der Straftaten im PD-Bereich aber gesunken. Nach der jüngsten Statistik in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zwischen 2004 und 2013 von 43 145 auf 37 543 im Vorjahr. Der Präsident räumt allerdings ein, dass es trotzdem noch gut 100 Straftaten täglich sind und damit eine sehr hohe Zahl an Delikten. So appelliert Stiehl immer wieder an die Bevölkerung, aufmerksam zu sein, und die Polizei mit Hinweisen zu versorgen. Davon lebe die Polizeiarbeit.

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Wie ist die Lage bei den Straftaten

in Großröhrsdorf?

Auch hier sind die Zahlen rückläufig. Im Vorjahr wurden 276 Straftaten gezählt, 40 weniger als 2012. Die Masse davon sind Diebstähle. Dennoch kein Grund zur Euphorie. Immerhin, so Bürgermeisterin Kerstin Ternes, passiere damit ein Dreivierteljahr lang tagtäglich eine Straftat, gibt sie zu bedenken. Der Polizeipräsident selbst schränkt ein: Es können 2014 auch wieder 100 mehr sein. Mit der aktuellen Zahl liegt Großröhrsdorf jedoch unter dem Kreisdurchschnitt. Pro 1 000 Einwohner kämen 42 Straftaten zusammen. Der Kreis liegt bei 52. In Görlitz sind es 140. Das Rödertal liege eben weit genug von Dresden und den Grenzen als Brennpunkten weg, so Stiehl. Begünstigend für reisende Täter wirke sich allerdings die nahe Autobahn aus. Dennoch sei das Rödertal kein Schwerpunktbereich der Kriminalität. Aber es sei typisch für kleinere Orte, dass die Betroffenheit der Bürger bei Straftaten viel größer sei als in der Anonymität der Großstadt.

Wie sieht es mit der Aufklärung von Straftaten aus?

Daran müsse in Großröhrsdorf noch gearbeitet werden, gesteht Conny Stiehl. Derzeit liege die Aufklärungsquote bei 51 Prozent. Im Kreis sind es 60 Prozent. Zehn Prozent der Delikte würden von Ausländern begangen. Das entspreche der Anzahl anderer Städte, die nicht direkt an der Grenze liegen. Viel schlimmer sei: 30 Prozent der Straftaten würden von jungen Leuten, von Heranwachsenden aus der Stadt begangen: „Die Zahl macht uns Sorgen“, so Stiehl.

Ist der grenzüberschreitende Autodiebstahl angekommen?

Die klare Botschaft: Der Autodiebstahl ist auch im Rödertal angekommen. Dabei spiele wieder die Nähe zur Autobahn eine Rolle, die schnelle Rückzugsmöglichkeiten für Verbrecher gewähre. Immerhin biete gerade die Autobahn auch die Chance, die zu erwischen. Das sei bei 800 geklauten Autos in der PD, immerhin 140-mal gelungen, gemeinsam mit der Bundespolizei.

Hat die Polizei im Raum Kamenz

und Rödertal genug Personal?

Polizeipräsident Stiehl sagt ja. Das Revier Kamenz sei mit reichlich 150 Leuten gut ausgestattet, gemessen an der Zahl von Straftaten bzw. Unfällen. Und trotz anhaltender Kritik am Personalabbau: Die Polizeidirektion werde noch weiter reduzieren. „Aber nicht beim Streifendienst“, versichert Stiehl. Erneut war allerdings zu vernehmen, dass die Reviergröße enorm und wegen der langen Fahrwege eine riesige Herausforderung sei. 60 000 Kilometer würden die Dienstwagen in einem Monat rollen. Im Durchschnitt seien 4 bis 5 Fahrzeuge im Streifendienst unterwegs: „Ich denke, mit dieser Besetzung sind die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen“, so Stiehl.

Wird in Großröhrsdorf mit

Drogen gehandelt?

Dieses Gerücht macht offenbar die Runde und auch Stadträten Sorge. Möglicherweise werde mit Drogen gedealt. Die Räte sehen die Jugend der Stadt in Gefahr. Stiehl sieht keine Anzeichen für Drogenhandel oder Dealerstrukturen in der Stadt. In Großröhrsdorf wurden 2013 neun Drogendelikte erfasst. Gefährdet sei die Großröhrsdorfer Jugend aber durchaus. Deshalb sieht Stiehl eine große Verantwortung bei den Eltern, bei den Schulen und den Vereinen, dem Drogenkonsum den Boden zu entziehen und den Anfängen zu wehren: „Wenn wir als Polizei dran sind, ist das Kind in den Brunnen gefallen.“ Die steigende Zahl der Fälle von Drogenhandel bzw. -schmuggel (55 Fälle mehr als im Vorjahr) sei ein Indiz für den Fleiß der Ermittler. Es sei viel Arbeit, an die Hintermänner ranzukommen.