merken

Polizei zerschlägt Schleuser-Bande

Ein Autohändler aus Wülknitz soll zahlreichen Menschen illegal die Einreise nach Deutschland ermöglicht haben.

Von Jens Ostrowski

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Riesa bildete offenbar einen zentralen Punkt innerhalb einer international agierenden Schleuserbande. Um Menschen aus verschiedenen Ländern illegal nach Deutschland einzuschleusen, vertrieb ein 54-jähriger Autohändler aus Wülknitz über ein Riesaer Café massenweise gefälschte Dokumente. Das bestätigten gestern die Behörden auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung.

Bei einer deutschlandweiten Razzia zerschlugen Europol, Zoll und Bundespolizei diesen Ring am Mittwoch. Mehr als 200 Ermittler durchsuchten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Dresden in Sachsen, Thüringen, Bayern, Niedersachsen und Hamburg 15 Wohnungen und Geschäftsräume, vier davon im Altkreis Riesa. Dabei wurden insgesamt vier Personen festgenommen. Darunter auch der türkischstämmige Wülknitzer, der sich zu diesem Zeitpunkt in Hamburg aufhielt. Sein Autohandel in Wülknitz und weitere Räume in Riesa nahmen die Ermittler gründlich unter die Lupe. Dabei kamen auch Spürhunde der Polizei zum Einsatz. Augenzeugen berichten von etwa vierzig Beamten, die es auf das Grundstück am Dorfende abgesehen hatten. „Das war ein Großeinsatz. Gegen morgens viertel Sieben ist die Polizei angerückt“, sagte eine Augenzeugin. Bis zum frühen Nachmittag habe der Einsatz demnach dort angedauert.

Der in Hamburg verhaftete Hausherr indes wurde noch am Mittwoch mit einem Polizeihubschrauber in die Untersuchungshaft nach Dresden geflogen. Zeitgleich konnte auch noch ein Schleuser in Bulgarien festgenommen werden. Einen weiteren Haftbefehl gibt es für einen Mann aus den Niederlanden.

Die Beamten zogen laut der Bundespolizei bei der Razzia Bargeld im fünfstelligen Bereich ein und beschlagnahmten umfangreiches Beweismaterial. „Darunter befinden sich gefälschte Pässe, Führerscheine, Kfz-Scheine, Kennzeichen, eine große Menge Crystal sowie 42 Schuss scharfe Munition und eine geladene Schusswaffe“, erklärte der Sprecher der Bundespolizei Christian Meinhold

Bereits seit März 2014 führt die Bundespolizeidirektion Kriminalitätsbekämpfung Halle die gemeinsamen Ermittlungen mit dem Landeskriminalamt Sachsen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Dresden gegen eine bulgarisch-türkische Tätergruppierung aus Sachsen. Die Ermittlungen ergaben, dass der 54-jährige Mann aus Wülknitz gemeinsam mit einem 64-jährigen Komplizen in einem Café in Riesa gefälschte polnische und bulgarische Dokumente an Zwischenhändler verkauften. Die Fälscher stellten die Falsifikate in Bulgarien her und boten sie für einen Preis von 2 000 Euro zum Kauf an, wie die Bundespolizei mitteilte.

Für gefälschte Einreisevisa verlangten sie 3 500 Euro. Die bandenmäßig handelnden Haupttäter stammen demnach aus Deutschland, Bulgarien und den Niederlanden. Nach derzeitigem Ermittlungsstand soll die türkisch-bulgarische Schleuserbande für über 230 Fälle verantwortlich sein. Dabei organisierten sie wohl vor allem Schleusungen von Flüchtlingen auf dem Landweg aus der Türkei über Bulgarien und weiter nach Deutschland sowie auch über den Luftweg von der Türkei nach Deutschland.

„Die Schleusungswilligen wurden mit gefälschten Dokumenten ausgestattet. Für die Schleusung zahlten sie zusätzlich 7 000 bis 8 000 Euro. Die Beschuldigten gehören einem in Europa agierenden kriminellen Netzwerk an, das mit falschen Dokumenten, Falschgeld und Drogen handelt“, sagte Meinhold.

Nach Informationen der Sächsischen Zeitung ist der 54-jährige Wülknitzer bei der Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Er soll demnach bereits mehrfach unter anderem wegen Geldwäsche, Körperverletzung und auch Urkundenfälschung in Erscheinung getreten sein.

Gestern wurde er laut Staatsanwalt Jan Hille dem Haftrichter vorgeführt. Ihm droht nun eine Anklage wegen gewerbsmäßiger Beihilfe zur illegalen Einreise und Urkundenfälschung. Demnach muss er mit einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.