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Polizei zieht „rollende Bomben“ aus dem Verkehr

Ein Sattelzug fährt windschief über die Autobahn, weil die Ladung verrutscht ist, ein zweiter verliert Unmengen Öl.

Von Sandro Rahrisch

Da hat sich der Spediteur wohl die letzte Werkstattinspektion gespart: Bei einer Streife auf der A 4 hat die Dresdner Polizei am Dienstagmorgen einen Sattelzug aus Kasachstan aus dem Verkehr ziehen müssen. Er fuhr buchstäblich windschief auf der Straße, schildern die Ermittler ihren Einsatz am Morgen.

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Als sie die Ladefläche an der Abfahrt Flughafen näher inspizierten, entdeckten sie nicht gesicherten Schrott und Aluminiumbarren, die während der Fahrt so verrutscht waren, dass sich der Lkw neigte. Damit aber nicht genug: Die Polizei entdeckte außerdem noch abgefahrene Reifen, defekte Stoßdämpfer, ausgeschlagene Lager, einen herausgefallenen Bremsklotz und zerschlissene Bremsscheiben. Was sie dagegen nicht fand, waren alle Bremszylinder – einer fehlte komplett. Die Ermittler mussten dem 43-jährigen Fahrer die Weiterfahrt verbieten.

Vorbei war der Tag für die Lkw-Kontrollgruppe damit aber nicht: Als sich die Polizisten auf den Weg zur Dienststelle machten, hielt neben ihnen an einer Kreuzung auf der Radeburger Straße ein Lkw. Dabei schwappte reichlich Öl unter dem Fahrzeug hervor. Inspektion Nummer zwei: Ein Hydraulikzylinder unter dem Mercedes war defekt und verlor permanent Öl. Das war offenbar auch dem Verantwortlichen nicht verborgen geblieben. Anstatt den kaputten Zylinder jedoch zu tauschen, hatte er kurzerhand einen alten Kühlschrankeinschub unter das Leck geklemmt und mit Gummibändern befestigt. Anscheinend war der Lkw mit diesem Auffangbehälter schon eine ganze Weile unterwegs, wie der hohe Ölstand in dem Provisorium zeigte.

Mit einem Weiterfahrverbot war es diesmal nicht getan: Die Radeburger Straße musste am Nachmittag in Richtung Zentrum für zwei Stunden gesperrt werden, um die Fahrbahn von der Ölspur zu befreien. Der Dresdner Fuhrunternehmer, dem der kaputte Lkw gehört, hat eine Anzeige erhalten.

Immer wieder muss die Dresdner Polizei solche „rollenden Bomben“, wie sie die kaputten Lkw nennt, aus dem Verkehr ziehen: Von den 3 026 kontrollierten Fahrzeugen im vergangenen Jahr wiesen 854, also jedes vierte, Mängel auf. In 255 Fällen waren sie so gravierend, dass das Fahrzeug stehen bleiben musste. „Diese Zahlen zeigen, wie nötig Kontrollen im gewerblichen Personen- und Güterverkehr sind“, so ein Polizeisprecher.