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Polizeikontrolle wird zum Verhängnis

Als die rote Kelle kommt, weiß ein 70-Jähriger, was ihm blüht. Ihm droht Gefängnis. Dabei kam er doch gerade erst aus der Haft.

Eine Polizeikelle beendet die Fahrt eines 70-Jährigen und wird ihm zum Verhängnis.
Eine Polizeikelle beendet die Fahrt eines 70-Jährigen und wird ihm zum Verhängnis. © Symbolfoto: Franziska Kraufmann/dpa

Meißen. Manche Leute haben kein Glück,  und dann kommt auch noch Pech dazu. So ergeht es  einem 70-Jährigen, der an jenem Dezembermorgen mit seinem Smart auf der Rosa-Luxemburg-Straße fährt. Aus dem fließenden Verkehr wird er von einer Polizeistreife herausgewunken. Grund ist, dass irgendetwas mit dem Licht an seinem Auto nicht stimmt. Die Polizisten sind technikaffin.  Denn der Smart hat LED-Tagfahrleuchten. Werksseitig ist dieser Fahrzeugtyp aber mit Halogenlicht ausgestattet.   

Als die rote Kelle kommt, weiß der Fahrer sofort, was ihm blüht, dass er so schnell nicht wieder mit einem Auto fahren wird.  Er steigt mit dem Zündschlüssel in der Hand aus. Sofort gibt er zu, dass er keine Fahrerlaubnis mehr hat. Die wurde ihm entzogen, weil sein Punktekonto übervoll war. Er fährt trotzdem. An jenem Tag wollte er sein Auto angeblich in Dresden verkaufen. Weit kommt er nicht, etwa 300 Meter. Dann beendet die rote Kelle seine Fahrt.

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Ein Bruch in seinem Leben

Vor Gericht gibt er sich reuig, breitet sein ganzes Leben aus. Erst im August vorigen Jahres wurde er aus der Haft entlassen, der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt. 27 Monate hat er in Bayern abgesessen. "Ich hatte damals alles verloren. Meine Partnerin war während der Haftzeit gestorben, das hat mir den Rest gegeben. Ich musste aus meiner Wohnung raus, weil die Vermieter nichts mit einem, der gesessen hatte, zu tun haben wollten", sagt er.

 In seinem Leben sei keinerlei Struktur mehr gewesen. Er bekommt Depressionen, bekämpft sie mit Alkohol. "Der Alkohol war mein ständiger Begleiter. Ich wollte mir das Leben nehmen, das hat nicht geklappt. Es war die Zeit, als bei mir alles drunter und drüber ging", so der Angeklagte.  

Mehr als 50 Jahre war der selbstständige Musiker ein gesetzestreuer Mensch. Dann aber gab es einen Bruch in seinem Leben. Seit 2008 saß er zwölfmal vor Gericht wegen Betruges, falscher Verdächtigung, Trunkenheit im Verkehr, Beleidigung, Diebstahls, Nötigung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis. 

Die Amtsgerichte von Hamburg, Kronach, Lübeck, Berlin-Tiergarten, Coburg, Bayreuth, Hof und nun auch Meißen lernte er von innen kennen. Mehrfach wurde er zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt, zuletzt in Hof. Dort unter anderem auch wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. "Ich bin verurteilt worden, obwohl mich keiner hat fahren sehen", empört er sich. Und gibt doch zu, dass er gefahren ist. 

"Ich fahre keinen Meter mehr"

Besonders heikel für ihn ist, dass er die neue Tat während drei laufender Bewährungen beging. Für den Staatsanwalt stellt sich die Frage, ob er diesmal eine Geldstrafe beantragen wollte, deshalb gar nicht. Er beantragt wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis eine Haftstrafe von vier Monaten. Allerdings sollte diese zur Bewährung ausgesetzt werden. Kein Wunder, dass sich der Verteidiger für den "mutigen Antrag" bedankt und sich schnell diesem anschließt. 

Die Richterin verurteilt den Mann tatsächlich zu vier Monaten Haft auf Bewährung, räumt aber ein, dass eine Bewährung kaum noch zu begründen sei. Die Bewährungszeit setzt sie auf drei Jahre fest. "Das ist Ihre allerletzte Chance. Man muss auch verurteilten Menschen eine Chance geben. Wenn Sie sich jetzt wieder ins Auto setzen, habe das fatale Folgen für Sie", warnt sie den 70-Jährigen.

Er sei vor Gericht sehr eloquent aufgetreten. "Jetzt erwarte ich, dass den vielen Worten auch Taten folgen", so die Richterin. Ein Anfang sei gemacht, indem er sich wegen seiner Depressionen in eine Therapie begab. Allerdings musste er als Risikopatient wegen Corona das Krankenhaus nach kurzer Zeit wieder verlassen. Die Therapie will er jetzt nachholen. "Diese Fahrt war bescheuert. Ich fahre keinen Meter mehr", sagt er. Bis 2023 steht er nun unter vierfacher Bewährung. 

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