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Polizeirevier wird ein Energiesparwunder

Auf der Industriebrache des ehemaligen DBM werden mehr als 80 Polizisten arbeiten. Nachhaltigkeit kostet aber Geld.

Peter Voit (v.r.), Niederlassungsleiter des SIB Chemnitz, erklärte dem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und den anderen Gästen das neue Polizeirevier.
Peter Voit (v.r.), Niederlassungsleiter des SIB Chemnitz, erklärte dem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und den anderen Gästen das neue Polizeirevier. © Dietmar Thomas

Döbeln. Der blickdichte Bauzaun steht schon. In Kürze werden die Arbeiten am neuen Polizeirevier in Döbeln zwischen Grimmaischer Straße und Eichbergstraße beginnen. Rund 8,5 Millionen Euro steckt der Freistaat in das neue Gebäude. 

„Früher hat man ein Polizeirevier für die Hälfte gebaut“, sagte Peter Voit, Niederlassungsleiter des Staatsbetriebs Immobilien- und Baumanagement (SIB). Er stellte das Projekt dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und anderen Gästen vor. Für die hohen Kosten gibt es mehrere Gründe.

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Zum Einen sind es die deutlich gestiegenen Baupreise – in einigen Gewerken bis zu zehn Prozent in einem Jahr, sagte Voit. Zum Anderen steckt das Haus für mehr als 80 Polizisten voller Technik. Allein die kostet zwei Millionen Euro. Außerdem sei der Bau sehr nachhaltig und ökologisch geplant. 

„Wir übertreffen die Energiesparverordnung um 35 Prozent“, sagte Voit. Das rechne sich über die Jahre durch die eingesparte Energie. Auf dem Dach hat das Haus eine Photovoltaikanlage für die Eigenversorgung mit Strom. Eine effiziente Solewärmepumpe soll im Winter für Wärme und im Sommer für Kühlung sorgen. Der Bau wird hochwertig ausgeführt. 

Die nächsten 100 Jahre kann er genutzt werden, schätzte Voit ein. Als Dreigeschosser soll er sich angenehm zwischen der Wohnbebauung und den Gewerbebetrieben der Umgebung einfügen. Er bekommt im Erdgeschoss eine verklinkerte Fassade, im Obergeschoss eine Fassade aus anthrazitfarbenen Faserbetonplatten. In einem Seitengebäude kommen acht Einsatzfahrzeuge unter und ein Notstromaggregat.

Bei der Bauzeit ist der Niederlassungsleiter vorsichtig. Geplant ist die Fertigstellung für Herbst 2021. Aber schon die ersten beiden Ausschreibungen seien problematisch gewesen und hatten zu Verzögerungen geführt.

 Das Gebäude wird besonders energiesparend sein. 
 Das Gebäude wird besonders energiesparend sein.  © Dietmar Thomas

Problematisch ist auch der Baugrund, denn er ist nicht tragfähig genug. Der Bau wird auf 260 sogenannten Rüttelstopfsäulen aus Schotter gestellt, die zehn Meter in den Untergrund reichen. „Ich habe es mal ausgerechnet. Wir brauchen dafür 100 bis 125 große Lkw-Ladungen Schotter“, sagte Voit. Auf einen Keller verzichtet der Bauherr, weil der nicht nur teuer ist, sondern auch wegen des möglicherweise steigenden Grundwasserspiegels bei einem Hochwasser. Denn hochwassersicher soll das Revier dieses Mal werden.

2002 und 2013 war das alte Revier wegen Überflutung nicht einsatzfähig, die Führung musste in ein Ausweichquartier umziehen. „Wir wollen in der Krise unsere Kraft aber zu 100 Prozent für die Bürger einsetzen“, sagte die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel. Der Schaden am hatte 2013 bei rund 600.000 Euro gelegen. „Wir mussten komplett bei Null anfangen.“

Das neue Revier ist rund 600 Meter vom alten entfernt. Verkehrsgünstig gelegen und trotzdem nahe genug am Stadtzentrum. „Die Polizei muss als Teil der Gesellschaft sichtbar und jederzeit erreichbar sein“, sagte Penzel. Im neuen Revier gibt es für die Beamten deutlich bessere Arbeitsbedingungen – jetzt müssen sie mit wenig Platz zurechtkommen. Kretschmer betonte, dass in den nächsten Jahren in Sachsen 1000 zusätzliche Polizisten eingestellt werden. „Die Mehrzahl soll im Streifendienst sichtbar sein also in der Fläche und damit auch in Döbeln eingesetzt werden.“

Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU), der ganz in der Nähe der Baustelle wohnt, hat jetzt die Zeit, öfter mal einen Blick auf den Baufortschritt zu werfen. Für ihn war es einer der letzten Termine an seinem letzten Arbeitstag. Er geht am Donnerstag in den Ruhestand.

Für seinen Amtsnachfolger Sven Liebhauser (CDU) war es der letzte Tag als Landtagsabgeordneter. „Ich habe die Mittel für das Vorhaben im Finanzausschuss mit bewilligt. Das Döbelner Polizeirevier ist ein wichtiges Signal beim Thema innere Sicherheit“, sagte Liebhauser.

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