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Pirna

Polizisten mit Fahrrad gerammt

Immer wieder fiel ein Pirnaer mit Randalen und Pöbeleien auf. Nun drohte ihm Haft. Doch vor Gericht hatte er Glück.

Der Angeklagte stand schon öfter vor dem Pirnaer Amtsgericht.
Der Angeklagte stand schon öfter vor dem Pirnaer Amtsgericht. © Symbolbild/dpa

Sie habe den Angeklagten nicht gesehen, nur gehört, sagte die Polizistin. „Es war ja dunkel und sein Fahrrad nicht beleuchtet“, sagt sie. Mit einem Kollegen hatte sich die 33-jährige Polizeiobermeisterin an einem Januarabend 2018 auf dem Radweg in Höhe des Bootshauses Zur Dolle in Pirna postiert, um Jan D., der sich zuvor einer Polizeikontrolle entzogen hatte, abzufangen.

„Als wir uns als Polizei zu erkennen gaben und ihn zum Anhalten aufforderten, stieß er eine Art Kampfschrei aus und trat in die Pedalen“, schilderte sie am Amtsgericht in Pirna. Zu spät hatten sie und ihr Kollege versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Sie waren davon ausgegangen, dass Jan D. stoppt. Ein Irrtum. „Er ist in uns reingefahren. Ich habe das Rad abbekommen, mein Kollege den Angeklagten“, sagt die Polizistin. Außer Prellungen erlitten beide aber keine ernsten Verletzungen.

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Nach einem kleinen Handgemenge hatte sich D. schnell beruhigt, sodass er vom Kollegen der Zeugin kontrolliert werden konnte. Dieser fand im Rucksack des Angeklagten verbotene Feuerwerkskörper, Spritzen und eine kleinere Menge Marihuana. Deshalb, so gab der Deutsche zu, wollte er sich nicht kontrollieren lassen.

Der Fluchtversuch auf dem Rad war nicht der einzige Anklagepunkt. Daneben musste sich der mehrfach vorbestrafte Pirnaer wegen Beleidigung und Hausfriedensbruch verantworten. Er betitelte am 4. Januar 2018 den Leiter der Netto-Filiale an der Königsteiner Straße mehrfach mit „Idiot“, nachdem er ihn wegen aggressiver Bettelei des Marktes verwiesen hatte. Im Finanzamt beschimpfte Jan D. am 11. Mai 2018 die Empfangs-Mitarbeiterin mit „blöde Kuh“ und beschädigte die Tür, als der Hausmeister ihn nach draußen brachte.

Zur Hauptverhandlung in Pirna räumte der gelernte Zerspanungsmechaniker alles zögerlich ein. Für ihn stand viel auf dem Spiel. Allein für die Körperverletzung und Widerstandshandlungen gegenüber den Polizeibeamten hätte der zweifach unter Bewährung stehende Mann ins Gefängnis gemusst. Dass es dazu nicht kam, hat er dem sogenannten Strafklageverbrauch, wonach ein Mensch wegen einer Tat nicht mehrfach verurteilt werden darf, zu verdanken.

Weil Drogendelikte bei der Staatsanwaltschaft schneller bearbeitet werden, war der Vorfall mit dem Fahrrad seinerzeit an eben diese abgegeben worden. So hatte man Jan D. wegen des Mitführens von Betäubungsmitteln bereits per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 750 Euro verurteilt. Da die Flucht auf dem Rad und die Kollision mit den Beamten in direktem Zusammenhang zum Drogenbesitz standen, blieb Richterin Simona Wiedmer nichts anderes übrig, als die beiden Anklagepunkte einzustellen. Für die Beleidigung des Netto-Filialleiters und die Vorfälle im Finanzamt kassierte Jan D. sechs Monate Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.