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Polizistin eröffnet Görlitz' erstes Kindersportstudio

Tina Grüner aus Ottenhain will nicht zulassen, dass schon die Kleinsten nur am Smartphone daddeln. Dafür hat sie ihre Laufbahn im Staatsdienst aufgegeben.

Tina Grüner eröffnet am Sonnabend ein Kinderturnstudio am Görlitzer Demianiplatz.
Tina Grüner eröffnet am Sonnabend ein Kinderturnstudio am Görlitzer Demianiplatz. © Nikolai Schmidt

Vor einigen Jahren noch stand Tina Grüner mit in den Reihen der Polizisten in schwerer Montur, die auf Großveranstaltungen und Demonstrationen für Sicherheit sorgen. Dann machte sie eine Weltreise. Und an diesem  Sonnabend eröffnet sie ihr neues Kindersportstudio "Theo turnt" am unteren Demianiplatz in Görlitz.

Die junge Frau aus Ottenhain bei Löbau hatte nach ihrer Ausbildung zur Polizistin in Thüringen bei einer Spezialeinheit in Erfurt gearbeitet, bevor sie sich entschied, die Polizei zu verlassen. "Ich habe schon immer Sport getrieben und mich für Fitness interessiert", sagt die 24-Jährige. Ursprünglich war das auch ein Grund für sie, nach dem Abitur zur Polizei zu gehen. "Ich wollte nie in einem Bürojob arbeiten." 

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Von der Polizistin zum Au-pair in Neuseeland

Schon während ihrer Ausbildung wurde sie nebenher Fitnesstrainerin. In ihrem Heimatort steht sie dem Sportverein vor und trainiert mit verschiedenen Altersgruppen. Und in Erfurt war sie anderthalb Jahre lang Kindersporttrainerin, zunächst als Ausgleich. Bereits damals spürte sie jedoch, dass sie beruflich nach etwas Neuem suchte. Im mittleren Polizeidienst habe sie sich nicht so einbringen können, wie sie es gern getan hätte. Auch zog es sie in Richtung Heimat. "Aber wenn man in der Landespolizei in ein anderes Bundesland wechseln möchte, braucht man einen Tauschpartner", sagt Tina Grüner, "und da Sachsen bei Polizisten sehr beliebt ist, sind die Wartelisten lang." 

Weil sie nicht warten wollte, kündigte sie in Thüringen und bewarb sich an der Polizeihochschule in Rothenburg, um später im gehobenen Dienst arbeiten zu können. Ihre Aufnahmeprüfung bestand sie sofort, begann das Studium aber nicht, sondern ging im Sommer 2018 mit allem gesparten Geld ein Jahr lang auf Weltreise. In Thailand, Malaysia und Singapur, in Australien, Neuseeland, Indonesien und Japan, auf den Philippinen und auf Hawaii war sie mit 20 Kilo Gepäck unterwegs, davon sieben Monate in Neuseeland, von denen sie fünf als Au-pair arbeitete.

Auf Weltreise reifte die Idee

Überall auf ihren Reisen fiel Tina Grüner der uneingeschränkte Medienkonsum bei Kindern wie bei Erwachsenen auf. "Mich hat es erschreckt, selbst in ärmeren Ländern wie Malaysia oder Indonesien zu sehen, dass schon ganz kleine Kinder, die noch nicht einmal sprechen können, stundenlang mit dem Smartphone spielen oder Youtube schauen durften." In ihrer neuseeländischen Au-pair-Familie erlebte sie, dass jedes Kind ein eigenes Tablet hatte, und suchte immer wieder nach Ideen, um sie von der Dauernutzung abzuhalten. Als Kindersporttrainerin baute sie mehr Bewegung in den Alltag der Kinder ein, zeigte ihnen, wie viel Spaß Sport machen kann. Und als Reisende, die selbst mit extrem wenigen Gegenständen auskommt, ließ sie die Kinder entdecken, dass sich viele im Haushalt oder in der Natur vorhandene Gegenstände zum Turnen, für Parcours oder als Fitnessgeräte nutzen lassen.

Noch in Neuseeland dachte Tina Grüner über ihre Rückkehr nach Deutschland nach. Sollte sie wieder zur Polizei gehen? Sie bewarb sich ein zweites Mal an der Polizeihochschule in Rothenburg und bestand die Aufnahmeprüfung erneut auf Anhieb. Oder sollte sie etwas ganz anderes beginnen, vielleicht im Kindersport? Sie recherchierte nach Fördermöglichkeiten in Deutschland und fand die Existenzgründerförderung "Innostartbonus" des Freistaats Sachsen. Sie formulierte ein Konzept für ein Kinderturnstudio, in das alle ihre Erfahrungen mit Kindern und Kindersport einflossen, und schickte es von Japan aus, einer ihrer letzten Reisestationen, per E-Mail los. Ihre Idee wurde ausgewählt, überzeugte ein Expertenteam und brachte ihr die erhoffte Förderung für ein Jahr.

Mut zur Veränderung

Auch ihre zweite Chance zum Studium an der Polizeihochschule schlug Tina Grüner aus. Stattdessen schrieb sie sich an der Hochschule Zittau/Görlitz im Fach Kindheitspädagogik ein, zog in die Görlitzer Südstadt, nahm Kontakt zum Familienzentrum auf und gab dort bis Dezember 2019 ihren ersten, sofort ausgebuchten Kinderturnkurs. Sie fand das ehemalige Geschäft für Druckerpatronen am Demianiplatz 39 und gestaltete es in den vergangenen Monaten mithilfe ihrer Familie zu einem hellen, freundlichen Raum mit Sprossenwand, Spielgeräten, Leseecken und Kuschelsofas um, in den sie ein- bis vierjährige Kinder mit ihren Eltern zum gemeinsamen Turnen einlädt. Vier verschiedene Kurse pro Woche bietet Tina Grüner für jeweils acht Kinder an. Zur Eröffnung ihres Studios "Theo turnt" am Sonnabend, 18. Januar 2020, 14 Uhr, sind alle Interessierten eingeladen.

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Sowohl Kritik als auch Bewunderung habe sie bisher für die Umsetzung ihrer Idee erfahren, sagt Tina Grüner. "Die Älteren haben weniger Verständnis, die Jüngeren finden es gut und mutig." Das Risiko einzugehen, auf den sicheren und gut bezahlten Job zu verzichten und dafür etwas eigenes aufzubauen und sich darin zu verwirklichen, passe jedoch zu ihrer Lebenseinstellung. Auf ihren Reisen hat Tina Grüner die verschiedensten Lebensmodelle und Einstellungen kennengelernt. "Es muss nicht sein, dass wir damit richtigliegen, wie wir Leben und Arbeiten in Deutschland angehen."

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