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Polnische Herzen für alte deutsche Häuser

Es herrscht fast preußische Ordnung auf der Baustelle von Irek, Staszek und Damian. Ordentlich nebeneinander aufgereiht, nach Größen und Bedarf sortiert, stehen ihre Werkzeuge bereit, die sie benötigen.

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Von Renate Heidner

Es herrscht fast preußische Ordnung auf der Baustelle von Irek, Staszek und Damian. Ordentlich nebeneinander aufgereiht, nach Größen und Bedarf sortiert, stehen ihre Werkzeuge bereit, die sie benötigen. Die drei jungen polnischen Handwerker aus Jelenia Góra, (Hirschberg) haben sich das auf deutschen Baustellen abgeschaut und auch, wie man alten Häusern ihren früheren Charme zurückgibt. Die Drei werden daher auch immer häufiger gerufen, wenn einer ihrer Landsleute so ein altes deutsches Haus gekauft hat.

„Irek“ ist der Bauleiter und er weiß, worauf es dabei ankommt. „Man muss sich bei diesen alten Gebäuden mehr einfallen lassen und darf nicht sofort zu modernem Baumaterial greifen“, sagt er. „Die meisten Polen lassen oft zuerst mal die alten Fenster herausreißen und Kunststoff-Fenster oder -Türen einbauen. Oft nehmen sie dann auch gleich die alten Dielenböden raus und ersetzen sie durch Laminat“ sagt Irek. Das sei als ob eine alte Frau ein viel zu enges und jugendliches Kleid anzieht. Es sieht nicht nur schlimm aus, sondern die alten Gebäude leiden auch darunter. Er versuche, Altes einfach wieder zu verwenden und mit dem zurechtzukommen, was er vor Ort vorfindet. „Das sieht am Ende nicht nur besser aus, sondern ist meist auch günstiger.“

Der ureigene Charme

„Sie werden zufrieden sein“, dieses Versprechen der drei pfiffigen polnischen Handwerker versuchen sie auch immer zu halten. Erst kürzlich hatten sie den Auftrag im grenznahen Studniska bei Zgorzelec, ein ehemals deutsches Fachwerkhaus zu sanieren. Dort waren der Giebel und auch sonst vieles vom Wurm zerfressen und dennoch haben es die drei polnischen Handwerker geschafft, das alte Haus zu retten. „Ich hätte alles abgerissen,“ sagt Nachbar Dariusz Holob. „Niemand hier hätte es für möglich gehalten, dass man daraus noch so etwas Schönes machen kann“, gibt der nette Mann nicht ganz ohne Neid zu.

Doch für Irek, seinen Freund Staszek und „ihrem Jungen für alles“ namens Dariusz, ist gerade das die Herausforderung. Egal was sie vor Ort vorfinden, sie können etwas daraus machen. „Wir machen und können so ziemlich alles,“ bestätigt „Staszek“ und schleift ein paar alte Holzdielen ab, um sie nun auf das Fachwerk zu montieren. „Die alten deutschen Häuser haben ihren ganz eigenen Charme“ sagt Irek. „Bei uns in Polen müssen das die Leute erst noch lernen. Sie bauen am liebsten neue Häuser möglichst noch dort, wo die alten standen.“

So seien schon viele wunderschöne Gebäude in Niederschlesien verschwunden. Der kräftige Handwerker mit den lustigen Augen fügt hinzu, „aber wenn sie dann sehen, wie schön so ein altes Haus aussehen kann, dann ärgern sie sich darüber, ihres abgerissen zu haben und fangen an nachzudenken“. Irek und sein Team haben viel Erfahrung mit alten Gebäuden in Görlitz und Umgebung gesammelt. Dort haben sie einige Jahre für einen deutschen Bauherrn alte Hotels, Privathäuser und Gaststätten restauriert.

Eine spannende Zeit für die drei polnischen Handwerker, die dann allerdings von ihrem deutschen Chef in Sachen Lohn über den Tisch gezogen worden seien. Eine bittere Erfahrung besonders für Irek. „Mich hat das damals sehr getroffen, denn ich hatte mein Bestes gegeben. Danach habe ich beschlossen, mich in meinem eigenen Land selbstständig zu machen.“ Ehrlichkeit und Vertrauen zwischen seinem Auftraggeber und seinem Team, das sind für Irek die wichtigsten Voraussetzungen, um arbeiten zu können. „Ich weiß dass in der Baubranche viel gemogelt wird, auch in Deutschland“ sagt er, „aber ich habe am eigenen Leib erfahren, dass das beiden Seiten nur schadet, dem Bauherrn und dem Handwerker. Wir kaufen mit unseren Auftraggebern zum Beispiel immer gemeinsam das Material und versuchen aus dem etwas zu machen, was bereits vorhanden ist.“ Aus alten Ziegelsteinen haben die drei so schon Eingänge und Wohnräume gestaltet, aus alten Balken und Brettern Türen gebaut oder ganz normale Kieselsteine anstelle von Fliesen vor Duschen und Toiletten verlegt.

Ihre Erfahrung zählt

Auch das marode Fachwerk des alten deutschen Hauses in Studniska kann sich wieder sehen lassen und das obwohl Irek, Staszek und Damian es zuvor mit modernen Materialen professionell gedämmt haben. „Alte Häuser sind Problemkinder,“ sagt Irek „sie benötigen eine ganz besonders sensible Behandlung,“ lächelt er.

Dennoch, die drei polnischen „Alleskönner“ können auch mit modernen Materialien arbeiten. „Für uns hat natürlich das Priorität, was der Hausherr will“, sagt Staszek, „aber meist schaffen wir es, ihn am Ende dann doch davon zu überzeugen, dass das Alte besser aussieht.“

Den drei polnischen Handwerkern aus Jelenia Góra sind die alten deutschen Häuser in Niederschlesien längst ans Herz gewachsen und inzwischen wächst mit der Nachfrage polnischer Kunden auch ihre Erfahrung und die, sagt Irek, sei sehr wichtig, wenn es um Problemkinder und historische Gebäude geht.