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„Pomhaj Boh!“ - „Gott helfe dir!“

über die Bedeutung unserer Muttersprache

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Pfarrer matthias hanke

Pomhaj Boh – das war sorbisch. In das mehrheitlich sorbische Dorf Kreba kam 1884 der junge Pfarrer Friedrich Philipp Selle. Er war der erste Pfarrer in Kreba, der keine sorbischen Wurzeln hatte. Selle wurde nach seinem Examen er von der Kirchenleitung nach Kreba versetzt. Diese Stellenbesetzung erfolgte ganz bewusst, obwohl Selle kein Sorbisch sprach. Die preußische Antisorben-Politik im 19. Jahrhundert zeigte sich auch in der evangelischen Kirche. Um die sorbische Kirchentradition zurück zu drängen, wurden gezielt fremde Pfarrer ohne Sprachkenntnisse in sorbische Gemeinden entsandt. Der junge Pfarrer Selle merkte sehr schnell, dass er mit seinen Gemeindegliedern, mit den Menschen vor Ort, ohne Sprachkenntnisse nicht in engeren Kontakt treten konnte. Er lernte daraufhin mit großem Eifer Sorbisch. Bald konnte Selle neben dem deutschen auch sorbische Gottesdienste halten, Besuche bei sorbischen Familien machen und Seelsorgegespräche führen.

Alles, was mit dem Herzen, mit unserem Inneren zu tun hat, können auch wir ja am besten in der Muttersprache ausdrücken. Sie ist die Sprache unserer Träume und Ängste, unseres Denkens und Hoffens, unserer Gebete. Wie sollte man denn begreifen, dass Gottes Wort mir gilt, wenn es nicht in die eigene Sprache übersetzt wird?

Mir fällt der Apostel Paulus ein. Er schrieb: „Es gibt so viele Arten von Sprache in der Welt und nichts ist ohne Sprache. Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich den nicht verstehen, der redet, und der redet, wird mich nicht verstehen.“ Paulus war es wichtig, mit den Griechen nicht Hebräisch, sondern Griechisch zu sprechen, damit sie ihn verstehen. Paulus wollte die Ohren und Herzen öffnen für Gottes Botschaft. Das wollte auch der Krebaer Pfarrer Selle. Er folgte damit nicht den deutsch-nationalen Hintergedanken des Breslauer Konsistoriums, aber er folgte dem, was Paulus an anderer Stelle schreibt: „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Jesus Christus. Hier ist nicht wichtig, ob ihr Juden oder Griechen (das heißt: Sorben oder Deutsche), Männer oder Frauen seid …, denn ihr seid allesamt einer in Jesus Christus.“ Später konnte Pfarrer Selle so gut Sorbisch, dass er als Herausgeber einer evangelisch-sorbischen Zeitung viele Sorben weit über die Gemeinde Kreba erreichte. Zum Osterfest 1891 erschien diese Zeitung zum ersten Mal und wird bis heute verlegt. Sie trägt den Namen Pomhaj-Boh: Gott helfe dir.