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Meißen

Pornoseiten auf Kosten der Schwester

Ein Meißner sitzt auf der Anklagebank, weil ihn seine Geschwister angezeigt haben. Dafür hatten sie gleich mehrere Gründe.

Ein Meißner kaufte über das Konto seiner Schwester Premium-Mitgliedschaften für Pornoseiten.
Ein Meißner kaufte über das Konto seiner Schwester Premium-Mitgliedschaften für Pornoseiten. © Symbolfoto: Ole Spata/dpa

Meißen. Das muss eine tolle Silvesterparty bei der großen Meißner Familie mit vielen Krachern und Knallern gewesen sein. Dabei hat es so gekracht, dass einer der Feiernden gegen ein Regal stürzte, nachdem ihm ein Bruder verprügelt hatte. Der junge Mann verliert kurz das Bewusstsein, zieht sich eine Platzwunde am Kopf zu. Das Jahr 2019 beginnt für ihn im Krankenhaus.

Für den Schläger beginnt das Jahr 2020 am Amtsgericht Meißen. Denn sein Bruder hat ihn angezeigt. Der 32-Jährige weist alle Schuld von sich. Nein, er könne das gar nicht gewesen sein, sagt er und erklärt, warum. Und lässt dabei weitere lustige Einzelheiten der offenbar feuchtfröhlichen Party raus. „Ich habe mit der Sache nichts zu tun. Als es passiert ist, hatte mich ein anderer Bruder gerade in einem Zimmer eingesperrt. Ich bin durch ein Fenster geflüchtet. Als ich im Flur war, kam mir gerade ein anderer Bruder mit einer Axt in der Hand entgegen. Da bin ich durch das Fenster zurück ins Zimmer geflüchtet“, erzählt er dem Richter.

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Als er später aus dem Zimmer gekommen sei, habe sein Bruder schon am Boden gelegen. Was Auslöser der Streits war, ist unklar. Möglicherweise ein Anruf eines anderen Bruders. Der habe am Telefon den Vater beschimpft. Man habe sich darauf geeinigt, sich am Bahnhof zu treffen, um das zu klären. Wie das unter Männern eben üblich ist. Jedenfalls in diesem Milieu.

Er kann es sich nicht erklären

Doch nicht nur ein Bruder hat den Angeklagten angezeigt, sondern auch eine seiner Schwestern. Denn der Mann soll sich auf drei Pornoportalen für Premium-Mitgliedschaften angemeldet haben. Preis pro Monat: jeweils knapp 90 Euro. Viel Geld für den Mann, der damals Arbeitslosengeld II bezieht. Bloß gut, dass er Geschwister hat. Eine Schwester nämlich bezahlt das Ganze. Blöd nur, dass sie gar nichts davon weiß und es erst erfährt, als sie ihre Kontoauszüge überprüft. Ihr lieber Bruder hatte mangels Deckung seines eigenen Kontos die Kontodaten seiner Schwester angegeben.

Auch das streitet der Meißner vehement ab. Er kann sich das alles überhaupt nicht erklären. Damals habe er sich gerade mal wieder mit seiner Ex-Freundin vertragen. „Was soll ich mit solchen Seiten? Das ist doch nur Geldschneiderei. So was kann ich mir auch auf Whats App ansehen“, sagt er. Und überhaupt. An die Kontodaten seiner Schwester sei er gar nicht herangekommen, die habe alles in ihrem Zimmer eingeschlossen.

Plötzlich gesteht er

Dass der Mann so lügt, hat vor allem einen Grund. Er befürchtet, dass er wieder ins Gefängnis muss. Denn er hat eine Haftstrafe wegen anderer Sachen teilweise verbüßt, der Rest wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die läuft noch bis August 2021.

Der Richter baut ihm eine goldene Brücke. Wenn er gestehe, werde er nur eine Geldstrafe von nicht mehr als 1.000 Euro verhängen, die sich nicht auf seine Bewährung auswirke. Die Körperverletzung könnte dann im Hinblick auf diese Verurteilung eingestellt werden. Nach einem kurzen Gespräch mit seinem Anwalt zeigt sich der Angeklagte geläutert, gibt alles zu. „Es tut mir leid, ich werde die Konsequenzen tragen“, sagt er. Dies kostet ihn nur vergleichsweise günstige 1.000 Euro.

Der Richter hat berücksichtigt, dass das Geld zurückgebucht werden konnte, also niemandem ein Schaden entstand. Zudem handelte es sich um Straftaten innerhalb der Familie, die nur auf Antrag verfolgt werden. Das Körperverletzungsverfahren wird eingestellt. Fünf der Geschwister, die der Richter als Zeugen zu diesem außerordentlichen Familientreffen geladen hatte, müssen nicht angehört werden.

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