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Porsche weg, Freiheit weg

Weltweit soll ein Pirnaer als Drogenkurier unterwegs gewesen sein. Nun wurde er verurteilt.

Blick in einen Verhandlungssaal am Landgericht Dresden.
Blick in einen Verhandlungssaal am Landgericht Dresden. ©  Symbolfoto: dpa

Beinahe hätte ein Schriftstück dafür gesorgt, dass sich die Urteilsfindung gegen einen 54-jährigen Pirnaer um Wochen verzögert hätte. 

Mathias J., angeklagt wegen unerlaubter, bewaffneter Einfuhr von Betäubungsmitteln, hatte moniert, dass besagtes Papier falsch übersetzt worden sei. Es handelte sich um ein Urteil gegen ihn aus seiner Zeit in Asien. Verantworten musste er sich damals zusammen mit seiner Lebensgefährtin wegen Drogenbesitz und Verstoßes gegen das Ausländergesetz.

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Obwohl er 2004 in Thailand ein Geständnis abgelegt hatte, behauptete er nun, das alles sei ganz anders gewesen. Es wäre lediglich darum gegangen, dass er als Europäer illegal mit einer Einheimischen liiert gewesen war. Auch wenn die 15 Jahre alte Verurteilung kaum Einfluss auf das jetzige Verfahren gehabt hätte, bestand der Mann zunächst auf einer neuen, korrekten Übersetzung des Schriftstücks.

Dass alles ganz anders war, hatte Mathias J. auch zum Prozessauftakt am Mittwoch am Landgericht in Dresden behauptet. Insgesamt siebenmal soll er laut Anklage jeweils rund ein Kilo Heroin für Dritte in seinem Körper, meist von Afrika aus über Österreich oder Ungarn nach Italien geschmuggelt haben. „Nur fünfzig Prozent davon sind wahr“, erklärte er und verlor sich anschließend in ausschweifenden, teils absurden Geschichten. Einzig die Tat vom 29. Januar dieses Jahr räumte er ein. Da war er nachts von der Besatzung eines Streifenwagens aufgegriffen worden.

Als die Beamten, die eigentlich ein Alkoholdelikt vermutet hatten, ins Auto des Angeklagten blickten, bot sich ihnen ein merkwürdiges Bild. Nicht nur, dass Mathias J. sichtlich nervös reagierte, auch hatte er Exkremente an seinen Händen. Dann sei ihm ein gelbes Kügelchen, ein sogenanntes Bodypack, herunter gefallen. „Da stand dann ein Betäubungsmitteldelikt im Raum“, sagte einer der beiden Streifenpolizisten am ersten Prozesstag. Insgesamt 72 dieser Kügelchen, gefüllt mit Heroin, insgesamt 924 Gramm, hatte J. in dieser Nacht nach Deutschland gebracht. Per Flug von Neu-Delhi über Wien, wie er später aussagte. Von Wien aus war er dann mit seinem Porsche Cayenne, in dem sich auch ein asiatisches Zweiklingenmesser befand, nach Pirna gefahren. Davor, so behauptete Mathias J. vor der Großen Strafkammer am Landgericht, habe er so etwas noch nie gemacht. Auch sei das Messer, was er im Auto mit sich geführt hatte, nicht als Waffe, sondern als Werkzeug gedacht gewesen.

Geglaubt hatte ihm das Gericht aber nicht. Erst als die Strafkammer Mathias J. einen Deal in Aussicht stellte, nachdem ihn bei einem umfassenden Geständnis eine Haftstrafe bis maximal achteinhalb Jahren erwarten würde, hatte der Deutsche zugegeben, mehrfach für Dritte Heroin geschmuggelt zu haben.

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Umso unverständlicher war seine Verzögerungstaktik so kurz vor Prozessende. Genützt hatte sie ihm dann auch nichts. Wegen unerlaubter, bewaffneter Einfuhr von Heroin und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilte ihn das Gericht schließlich zu acht Jahren Haft und einer Geldstrafe von 6 000 Euro. Der Porsche Cayenne wurde als Tatmittel deklariert und eingezogen.

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