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Der Idealist, der Brücken baut

Sven Weißflog will für die Freien Wähler in den Landtag. Er fordert einen Paradigmenwechsel in der Politik.

Relaxen unter Bananenstauden: Die Fläche vorm Bioladen seines Sohnes auf der Döbelner Ritterstraße ist eine von vielen kleinen Wohlfühloasen, wo sich Sven Weißflog gern entspannt.
Relaxen unter Bananenstauden: Die Fläche vorm Bioladen seines Sohnes auf der Döbelner Ritterstraße ist eine von vielen kleinen Wohlfühloasen, wo sich Sven Weißflog gern entspannt. © Christian Essler

Döbeln. Er baut Brücken. Und er kann reden. Zwei Eigenschaften, die der Döbelner Sven Weißflog im sächsischen Landtag gut gebrauchen kann, sollte er von den Wählern am 1. September das Mandat bekommen.

Als gerade wiedergewählter Döbelner Stadtrat übernimmt er als Vertreter der Freien Wähler bereits politische Verantwortung für seine Stadt. Ideen hatte und hat der 55-Jährige immer schon viele. Nur umsetzen ließen sich (noch) nicht alle.

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Ein erfolgreiches Projekt, das er gern herzeigt, ist die Ritterstraße in Döbeln. Mehrere Gebäude in dem Straßenzug hat der Bauunternehmer über die Jahre gekauft, hergerichtet und vor allem mit Grün bestückt. „Wir haben hier gemeinsam mit den ansässigen Händlern eine gute Gemeinschaft aufgebaut, die wir mit kleinen Festen und unseren Besuchern feiern“, erzählt er. 

Als seinen Lieblingsplatz bezeichnet er den Bioladen, vor dem eine gemütliche Bambussitzecke zum Kaffeetrinken einlädt, und wo kräftige Bananenstauden in zwei Badewannen wachsen, die für exotisches Flair sorgen. „Das ist das Geschäft meines Sohnes Martin“, erklärt Sven Weißflog mit Stolz.

 Er habe es geschafft, ihn und seine Frau vor zehn Jahren von Berlin nach Döbeln zurückzuholen. „Er ist geblieben und hat mit vielen Entbehrungen das Geschäft aufgebaut“, so Weißflog. Auch seine Tochter Lisa ist mittlerweile wieder in die Heimat zurückgekehrt, mit Kind und Mann aus Chile.

„Ich bin immobil, deshalb will ich es hier für uns so schön wie möglich machen“, wiederholt der 55-Jährige bei jeder Gelegenheit. Er meint damit, dass er hier verwurzelt, seine Familie in Döbeln zu Hause ist. 

In Weißflogs Baufirma verdienen 50 Mitarbeiter ihren Lohn, er hat Autobahnen mitgebaut und errichtet aktuell die neuen Brücken in Döbeln. Ob ihm das auch in der Politik gelingen kann, werde sich herausstellen. Aber er weiß selbst auch, was es heißt, von null und von ganz unten wieder neu anzufangen. Sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben habe er diese Erfahrung mehrfach machen müssen.

Fünf Fragen – fünf Antworten

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Ich kann immer herzlich mit meiner Familie lachen. Am liebsten lache ich mit meinem Vater, er ist ein richtiger Witzbold.

In welche Rolle würden Sie gern einen Tag lang schlüpfen?

In die des Verkehrsministers. Ich würde gern mal sehen, ob die Probleme, die die kleinen Leute haben, auch tatsächlich bei ihm ankommen.

Welche Fahrzeugart bevorzugen Sie: Diesel, Benziner, Elektro-Auto?

Bis jetzt noch Diesel, denn der ist am besten für das platte Land. Innerhalb der Stadt will ich künftig auf den E-Roller umsteigen, damit kommt man gut von A nach B. Ansonsten bin ich gern Fahrradfahrer.

Neben wem möchten Sie im Landtag gerne sitzen?

Neben Leuten mit einem unverstellten Blick. Persönlich auf der einen Seite neben Henning Homann (SPD), auf der anderen neben einem frischen, neuen Gesicht mit Demokratieverständnis.

Auch Politiker müssen relaxen. Wobei schalten Sie am ehesten ab?

Am besten geht das mit guten Freunden. Grundsätzlich ist mir der Familien- und Freundeskreis sehr wichtig. Ansonsten beim Radfahren und beim Spazieren mit dem Hund. 

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Von einer Partei habe er sich aber nie vereinnahmen lassen wollen. „Ich bin ‘89 für eine Veränderung auf die Straße gegangen. Ich war bei den großen Demonstrationen in Leipzig dabei, und später Mitglied im allerersten Stadtrat in Döbeln. Ich habe die Freien Wähler hier in der Region Döbeln mit aufgebaut“, zählt er auf.

Getrieben habe ihn stets der feste Glaube an die Basisdemokratie. Doch irgendwann war er zu enttäuscht davon, dass Einzelne die Politik nur noch für den eigenen Vorteil benutzten. Deshalb schied er für einige Zeit aus dem lokalpolitischen Zirkus ganz aus.

Das System, das er seit der Wende kennengelernt habe, sei zwar demokratisch. „Aber das System wird von Parteien bestimmt und stößt immer mehr an seine Grenzen. Wer einmal vom süßen Nektar der Macht genascht hat, der will davon nie wieder lassen“, sagt er. So würden viele gute Ideen, die eingebracht werden, einfach abgeschnitten, wenn sie nicht in den Plan der Mächtigen passten.

„Wir brauchen keine bürokratischen Förderprogramme mehr, die von oben herab vorschreiben, wo gerade das Geld hinfließen soll.“ Das Land solle den Stadtverwaltungen mehr Eigenverantwortung geben und zutrauen, dass sie viel besser wissen, wofür genau in dem jeweiligen Ort finanzielle Zuschüsse gebraucht werden.

„Dieses Fürstendenken, mit dem eine Person oder eine kleine Gruppe gönnerhaft darüber entscheidet, wofür es Geld gibt, das stört mich. Wir werden somit entmündigt“, findet er deutliche Worte. Auch sei das ganze System viel zu träge. Ehe erst einmal etwas entschieden sei, wäre der Inhalt schon lange überholt. „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Wir brauchen die sprichwörtliche Steuererklärung auf dem Bierdeckel“, fordert er.

Privat steht für den Familienmenschen, Vater und dreifachen Großvater ein großes und besonderes Ereignis bevor. „Im nächsten Jahr werde ich meine große Liebe heiraten“, berichtet er stolz. Ein Paar sind er und seine Alexandra aber schon seit 20 Jahren. Der zwölfjährige Tim ist der gemeinsame Sohn und „Nachzügler“ in seiner Familie.

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