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Porzelline-Baracke ist Geschichte

Die Bergung der wertvollen Gipsmodelle wurde beendet. Jetzt beginnen dort die nächsten Bauarbeiten.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Am Ende ging es doch schnell. Gerade einmal einen Monat, nachdem die Bergung des Porzelline-Lagers wieder begonnen hat, sind die Arbeiten nun beendet. Die teilweise in sich zusammengefallene Baracke an der Umgehungsstraße ist verschwunden. Nur noch ein großer Holz- und ein Schutthaufen erinnern daran, dass hier einmal ein Gebäude stand.

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Die Baracke war im Sommer 2016 teilweise in sich zusammengestürzt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dort Gipsmodelle eingelagert. Das sind sogenannte Urformen von Porzellanobjekten, von denen immer wieder Arbeitsformen abgenommen werden konnten und können, die sich im Produktionsprozess abnutzen. Das Landesamt für Denkmalpflege schätzte den kulturellen Wert der Exponate so hoch ein, dass es die Sammlung unter Denkmalschutz stellte. Bei dem Fundus handelt es sich schließlich um das Gedächtnis der Porzellanfabrik von 1872 bis in die 1960er-Jahre.

Die Bergung der insgesamt 12 000 Formen, die zunächst im vergangenen Oktober begonnen hatte, war ins Stocken geraten, weil das Geld ausgegangen war. Die Fördermittel waren aufgebraucht, und die Porzellanmanufaktur wollte die Arbeiten nicht komplett aus eigener Tasche bezahlen. Das Landesdenkmalamt, das sich für den Erhalt der Modelle einsetzt, trieb jedoch weitere Fördermittel auf – es ging um eine fünfstellige Summe. Damit konnte die weitere Bergung finanziert werden. Nachdem die Porzellanmanufaktur eine Baufirma gefunden hat, konnten die Arbeiten fortgesetzt werden.

Nach dem jetzt erfolgten Abschluss der Bergung haben nun andere Bauarbeiten begonnen. Schon seit Langem plant die Stadt, den kombinierten Fuß- und Radweg an der Stelle um etwa einen Meter zu verbreitern. Wegen der Baracke, die direkt an dem bislang sehr schmalen Weg stand, war das nicht möglich. Wie das Rathaus nun mitteilt, haben Ende September die Arbeiten begonnen. Sowohl Leuchten als auch Elektroschränke seien bereits versetzt worden. Der Fuß- und Radweg wird auf einer Länge von 130 Metern verbreitert. Wegen der Bauarbeiten ist die Umgehungsstraße zeitweise nur einspurig befahrbar. Das Vorhaben kosten rund 20 000 Euro. Ende Oktober soll alles fertig sein.

Gespräch mit Eigentümer geplant

Radfahrer und Fußgänger werden dann deutlich mehr Platz haben, müssen aber weiterhin mit einer Engstelle leben. Auf der Wiederitz-Brücke bleibt der Fuß- und Radweg für wenige Meter so schmal, wie er jetzt ist. Für eine Verbreiterung der Brücke fehlt das Geld. „Engstellen in einem kurzen Bereich sind zulässig und hier unproblematisch, da hier sehr gute Sichtbeziehungen bestehen“, sagt Rathaussprecher Matthias Weigel dazu.

Unterdessen ist weiterhin offen, wie es mit den geborgenen Gipsmodellen weitergeht. Bei der Bergung musste jedes Teil per Hand von einem der Regale heruntergeholt und in eine der Gitterboxen gelegt werden. Insgesamt 300 dieser etwa ein mal einen Meter großen Kisten hat die Porzelline für die Aktion gekauft. Die gefüllten Gitterboxen stehen in einer großen Halle im Osterberg-Steinbruch. Diese hat die Stadt Freital in diesem Jahr von der Wismut übernommen und stellt sie der Porzellanmanufaktur zur Verfügung.

Der Mietvertrag mit der Stadt zur Nutzung der Lagerhalle ist zunächst auf zwei Jahre begrenzt und läuft Ende September 2018 aus. „Inwiefern eine Nutzung über den angegebenen Zeitraum von der Porzellanmanufaktur in Erwägung gezogen wird, ist momentan nicht bekannt“, teilt die Stadtverwaltung dazu mit. Sicherlich werde es hierzu Anfang des Jahres 2018 Gespräche geben.

Denkbar ist, dass ein Teil der Sammlung in einem Museum öffentlich ausgestellt wird. Manche Formen könnten auch wieder in der Produktion eingesetzt werden. Das Landes-Denkmalamt hatte zuletzt mitgeteilt, zusammen mit Porzelline-Eigentümer Armenak Agababyan an einer Lösung für die geretteten Gipsmodelle arbeiten zu wollen. Noch ist aber offen, wie diese aussehen könnte.