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Porzelline will durchstarten

Freital. Der neueEigentümer kündigt eine Marketing-Offensive an. Der Betrieb will dasGeschäft in den USA und Japan ausbauen.

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Von Peter Hilbert

Porzellan ist keine leichte Branche“, weiß Herbert Hillebrand nur zu gut. Dennoch hat sich die Geschwister Hillebrand GmbH für die Freitaler Porzelline entschieden. Der 64-jährige Seniorchef, der im Unternehmen seiner Kinder als Berater agiert, führt dafür gute Gründe an. Er setzt den Freitaler Betrieb auf die gleiche Stufe wie die Meißner Porzellanmanufaktur. „Freital und Meißen sind qualitativ die besten Werke, die Deutschland hat“, schätzt er ein. Deshalb sei die Porzelline gekauft worden.

Mättig hat gleich guten Draht

Der Bauunternehmer Herbert Hillebrand ist im Raum Dresden kein Unbekannter. Mitte der 90er Jahre hatte er das Gewandhaus-Hotel erworben. Doch zur geplanten Luxus-Sanierung kam es nicht. Vorher ging ihm finanziell der Atem aus. Nun berät er die Geschwister Hillebrand GmbH seiner Kinder. Der gehört auch die Wallendorfer Porzellanmanufaktur in Thüringen und die Zeller Keramik Geschwister Hillebrand GmbH.

Oberbürgermeister Klaus Mättig (CDU) hat zu Herbert Hillebrand, der den Urtyp des Machers verkörpert, gleich einen guten Draht gefunden, als dieser bei seiner Freital-Visite im Rathaus vorbeischaute. Der OB hofft nun, dass die Porzelline richtig durchstartet.

„Wir wollen versuchen, einen Betrieb daraus zu machen, der wirtschaftlich existenzfähig ist“, verkündet Hillebrand das Ziel. Der Investitionsstau soll zuerst im Formenlager beseitigt werden, einem Herzstück der Manufaktur. In einsturzgefährdeten Gemäuern stapeln sich derzeit noch die Urformen der Modelle. Das soll anders werden. Der Käufer plant, dass im September die Sanierung von Lagerräumen beginnt. In der Insolvenzphase war dafür kein Geld da. Hillebrand kündigt aber auch eine Marketing-Offensive an, um den Export des Sächsischen Porzellans Dresden – seit 1901 mit Warenzeichen SP – aus Freital auszubauen.

Beim alten und neuen Porzelline-Geschäftsführer Gunther Seifert rennt Hillebrand mit seinen Plänen offene Türen ein. „Während der Insolvenz lebten wir nur von der Hand in den Mund“, blickt er zurück. „Wir haben schlimme 15 Jahre hinter uns. Dass sich aber immer wieder Investoren gefunden haben, zeigt die innere Kraft der Porzelline.“ Der auch die Stadt den Rücken stärkt. Von einem seien Hillebrands besonders beeindruckt, erinnert sich Seifert. Das Rathaus hat den Parkplatz vorm Betrieb gebaut, obwohl die Firma insolvent war. „Das hat überzeugend dokumentiert, dass die Stadt Vertrauen in die Zukunft der Porzelline hat.“

Jetzt könne endlich wieder nach vorn gedacht werden. Das hat Seifert längst. Er ist gerade von einer Verkaufsausstellung im Tokioter Nobelkaufhaus Wako zurück. Umsatz und Aufträge würden zuversichtlich stimmen. Derzeit laufen schon die Verhandlungen für die nächste Verkaufsschau in einem anderen Tokioter Luxuskaufhaus.

Auch in den USA will die Porzelline wieder richtig aktiv werden. Die Tochterfirma Dresden Porcellain Inc. soll belebt werden. „Wir wollen den amerikanischen Markt gezielt erschließen“, erläutert Seifert. Die Porzelline wird sich dort wieder an Messen beteiligen. Dafür ist Geld nötig, das bislang fehlte.

Konkrete Formen haben auch andere Pläne angenommen. Japanische Touristen sollen Porzellan-Malkurse in Freital absolvieren. Dafür werde derzeit gerade ein touristisches Paket geschnürt.