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Positive Rückblende

Die Dresdner Volleyball-Frauen stehen im Halbfinale und besiegeln das Ende der Suhler Bundesliga-Zeit. Die Emotionen machen den Unterschied.

© Gerhard König

Von Michaela Widder, Suhl

Sie wollten einfach nicht die Wolfsgrube verlassen. Minutenlang standen die Fans noch auf den Rängen und klatschten. Die 50 mitgereisten Dresdner feierten den Halbfinaleinzug, und auch die 1.000 Suhler Zuschauer applaudierten. Ihre Mannschaft hatte noch einmal alles versucht, das Saisonende und damit wohl vorerst auch das Ende der Bundesliga-Zeit herauszuschieben. Doch Dresden drehte die Partie und gewann mit 3:2 (22:25, 23:25, 25:13, 25:21, 15:8) auch das zweite Play-off-Spiel. Wer der Gegner im Halbfinale am Sonnabend sein wird, entscheidet sich am Mittwoch zwischen Aachen, Schwerin und Münster.

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„Ich bin überglücklich, das Spiel hätten wir auch 3:0 verlieren können“, sagte DSC-Trainer Alexander Waibl. Nachdem die VolleyStars Thüringen in der vergangenen Woche entschieden hatten, keine Lizenz für die erste Liga zu beantragen, wollten die Spielerinnen noch mal beweisen, dass wenigstens sie erstligatauglich sind. Was gab es schon für sie noch zu verlieren nach dieser Nachricht?

Das wussten auch die Frauen aus Dresden, von denen die meisten zudem die Halle mit ihrem niedrigen Dach noch nicht kannten. Das verunsicherte anfangs ein wenig. „Die anderen waren nicht viel besser, aber wir haben ungeschickte Fehler zu einem ungeschickten Zeitpunkt gemacht“, sagte Waibl. Das Spiel glich einer Kopie der Partie aus der Normalrunde, das die Suhlerinnen im Januar allerdings in Erfurt austrugen. Auch damals lag der DSC mit 0:2 nach Sätzen zurück und gewann am Ende. „Ich habe meine Mannschaft an dieses Positiv-Erlebnis erinnert“, betonte Waibl.

Daran hatte Corina Ssuschke-Voigt damals noch keinen Anteil, weil sie erst zwei Tage später verpflichtet worden war. Doch wenn Emotionen wie am Sonnabend gefragt sind, ist sie ein verlässlicher Typ. Ihre Einwechslung Mitte des zweiten Satzes, so schien es, brachte einen Ruck durch das Team. „Uns hat anfangs die Aggressivität und Emotionalität gefehlt. Ich wollte die Mannschaft pushen“, sagte die 30-Jährige und erklärte, wie: „Du musst dich über jeden blöden Punkt freuen, als wäre es der letzte, und darfst nicht mit unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen hadern.“ Zum ersten Mal, beschreibt die Nationalspielerin, hatte sie das Gefühl, „meine ganze Erfahrung einbringen zu können. Bisher waren es eher leichte Spiele.“

Als dann die Annahme sicherer wurde, konnte Zuspielerin Mareen Apitz ihre Mittelblockerinnen besser in Szene setzen. Kapitänin Stefanie Karg, die eine überragendende Angriffsquote von 80 Prozent hatte, machte zusammen mit Ssuschke-Voigt allein 37 Punkte. „Wir haben wieder super als Team funktioniert“, sagte die Dienstälteste. Ein Problem, dass sie nicht zur Stammsechs gehört, hat sie nicht – im Gegenteil. „So kann ich ins Spiel kommen, wenn es brennt.“ Das spricht auch für die Stärke der Mannschaft, deren Trainer es sich erlauben kann, die langjährige Nationalspielerin als Joker einzusetzen.