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Positiver Mangel-Wandel

Vor 20 Jahren berichtete die neue Rödertal-SZ über fehlende Lehrstellen. Heute zeigt sich ein komplett anderes Bild.

© Jens Fritzsche

Von Jens Fritzsche

Das Wort Mangel findet sich noch immer in den Druckzeilen der Rödertal-SZ. Allerdings wird es derzeit von Worten Lehrer oder Fachkräfte ergänzt. Es fehlt an Lehrern und an Fachkräfte-Nachwuchs. Im Oktober vor 20 Jahren las sich das in der frisch gegründeten Rödertal-SZ noch ganz anders: Damals fehlten noch 43 Lehrstellen in der Bierstadt, in ganz Sachsen sogar rund 9 000. Und so war die SZ damals natürlich auch mit dem in Radeberg wohnenden sächsischen Sozialminister Dr. Hans Geisler darüber im Gespräch gewesen, was zu tun sei. Und der Minister versprach, der Freistaat werde mit Fördermitteln helfen, den Lehrstellenmangel einzudämmen.

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Mittlerweile hat sich das sprichwörtliche Blatt längst gewendet. Und zwar zum Guten. Längst müssen die Jugendlichen nach der Schule nicht mehr in die alten Bundesländer abwandern, um eine Ausbildung zu bekommen. Längst gibt es auch in Radeberg mehr Lehrstellen als Bewerber. Zwar nicht für alle Berufe und nicht in allen Firmen – so kann sich zum Beispiel die Radeberger Brauerei noch immer über weitaus mehr Bewerber freuen, als das Unternehmen Lehrstellen anbieten kann. Aber insgesamt gilt auch für Radeberg: Es fehlt mehr und mehr an Bewerbern und letztlich auch an Fachkräfte-Nachwuchs. Das wiederum ist natürlich auch ein Problem. Aber auch dafür haben sich in Radeberg findige Köpfe etwas einfallen lassen. Das Projekt „Schule-Wirtschaft“ des Radeberger Lions-Clubs zum Beispiel spielt eine entscheidende Rolle dabei, dass es hiesigen Unternehmen ein Stück leichter fällt, Nachwuchs zu finden als Firmen außerhalb der Stadt. Denn das Projekt führt Schüler, Unternehmen und Schulen frühzeitig zusammen. Radeberger Firmen stellen Berufe in den Schulen vor, Lehrer können sich in den Unternehmen umschauen, um zu erfahren, welche Anforderungen die Firmen an ihre künftigen Auszubildenden stellen. Und vor allem gibt es einen umfassenden Überblick über alle Ausbildungsangebote in der Bierstadt. Der Lions-Club organisiert zudem eine Woche der Ausbildung, in der sich Schüler gezielt in Firmen umsehen können – und auch eine Berufemesse, bei deren jüngster Auflage im März dieses Jahres beispielsweise immerhin über 50 Firmen ins Radeberger Berufsschulzentrum gekommen waren.

Geringe Arbeitslosenquote

Die positive Entwicklung für die Jugendlichen hängt natürlich nicht zuletzt auch mit der positiven Entwicklung Radebergs als Wirtschaftsstandort zusammen. Seit Jahren kann sich die Bierstadt über eine der geringsten Arbeitslosenquoten im Osten Deutschlands freuen – aktuell sind es 3,6 Prozent. Die Gewerbeflächen in Radeberg sind ausgelastet, der Ruf nach neuen Flächen wird laut. Und natürlich tut sich auch ringsum eine Menge – demnächst siedelt sich ja bekanntlich im benachbarten Wachau mit der Feinkostfirma Homann ein weiterer Riese an und wird gut tausend neue Arbeitsplätze schaffen, wie es heißt.

Bleibt also zu hoffen, dass auch künftig das Wort Mangel in den Druckzeilen der Rödertal-SZ nicht mehr mit dem Wort Lehrstellen gekoppelt werden muss. Und natürlich müssen nun dringend die anderen eingangs erwähnten Wortkopplungen angegangen werden.