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Posse um ein Foto mit Hund

Ilka Burkhardt lässt sich mit einem fremden Vierbeiner fotografieren. Mit den findigen Steuerfahndern bei der Stadt hat die Jägerin indes nicht gerechnet.

© Andreas Weihs

Von Anna Hoben

Ab auf den Grill

Worauf muss man beim Grillen achten und was schmeckt am besten auf dem Grill? Egal zu welcher Jahreszeit - Grillen macht immer Spaß und verbindet.

Shakespeare hätte die Komödie mit ihren Verwechslungen, Verdächtigungen und unnötigen Korrespondenzen nicht schöner erfinden können. Erster Akt: Ilka Burkhardt hatte einmal eine Hündin. Sie hieß Samantha und war ein Beagle. Als Samantha starb, war Ilka Burkhardt sehr traurig. Die 37-jährige Dresdnerin will sich irgendwann einen neuen Hund zulegen; bisher hat sie das jedoch nicht getan.

Zweiter Akt: Im November 2015 trifft sich Ilka Burkhardt, die gerade die Prüfung für ihren Jagdschein bestanden hat, mit der Sächsischen Zeitung. Fürs Foto hat sie sich den Hund einer befreundeten Jägerin geliehen, er heißt Barny und stellt sich beim Fotoshooting sehr geschickt an. Wie er sich bei anderen Shootings anstellt, zeigt sich an diesem Tag nicht – Ilka Burkhardt gelingt es nicht, etwas zu schießen. Am 1. Dezember erscheint ein Porträt der Jungjägerin in der Zeitung. Neben dem Bild steht: „Ilka Burkhardt ist über einen Beagle zum Jagen gekommen, einen Jagdhund, ähnlich wie Barny auf dem Foto.“

Dritter Akt: Ein findiger Sachbearbeiter der Stadt Dresden liest die Zeitung. Er kennt Samantha nicht, er kennt Barny nicht, er sieht nur einen Hund. Und schaut nach, ob Ilka Burkhardt den zur Steuer angemeldet hat. Ha! Hat sie nicht. Mit Datum vom 28. Dezember setzt der Sachbearbeiter ein Schreiben an sie auf. „Soweit uns bekannt ist, halten Sie in Dresden einen Hund, der jedoch nicht gemeldet ist.“ Es folgen einige Ausführungen über die Hundesteuersatzung der Landeshauptstadt. „Wer der Anzeigepflicht vorsätzlich oder leichtfertig zuwiderhandelt (sic!), begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann.“ Das Anmeldeformular legt der Schreiber praktischerweise gleich bei. Frist: 11. Januar.

Vierter Akt: Die Adressatin ist überrascht, amüsiert – und verärgert. Sie ruft den Sachbearbeiter an und fragt, wie er darauf komme, dass sie einen Hund besitze. Der Sachbearbeiter verweist auf das Foto in der Zeitung. Ilka Burkhardt erzählt ihm von ihrer verstorbenen Hündin, in den Unterlagen sieht der Mann, dass Samantha bis zu ihrem Tod ordnungsgemäß gemeldet war. Wie gefordert verfasst Ilka Burkhardt nun noch eine schriftliche Stellungnahme, aus der hervorgeht, dass der Hund ihrer Bekannten jagdlich geführt wird und deshalb von der Hundesteuer befreit ist. Sie schickt die Stellungnahme per E-Mail ab. „Ich werde das Schreiben nicht postalisch zurücksenden“, erklärt sie. „Soll ich zusätzlich zu meinem zeitlichen auch noch finanziellen Aufwand haben, um die dilettantische Detektivarbeit zu korrigieren?“

Fünfter Akt: Ein zweiter Sachbearbeiter wird eingeschaltet. „Wir nehmen Ihre Angaben zum Hundehalter zur Kenntnis und stellen die Bearbeitung hier ein“, schreibt er Ilka Burkhardt per Mail. „Den Vorwurf dilettantischer Arbeit möchten wir dennoch zurückweisen. Das Steuer- und Stadtkassenamt ist im Sinne einer gleichmäßigen Steuererhebung dazu angehalten, jedem Hinweis auf eine eventuell bestehende Hundehaltung nachzugehen.“

Die Pressestelle der Stadt verweist auf eine SZ-Anfrage hin übrigens auf das Steuergeheimnis. Ein Facebookfreund hatte Ilka Burkhardt geschrieben: „Ich sehe dich schon neben Uli Hoeneß sitzen.“ Und was sagt Shakespeare? Ende gut, alles gut.