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Waldfriedhof stößt auf Widerstand

Der geplante private Waldfriedhof in der Grimmschen Heide hat nicht nur Befürworter. Jetzt legt der Possendorfer Kirchenvorsteher Einspruch beim Landratsamt ein.

Kirchenvorsteher Peter Behrendt steht vor der Friedhofs-Wiese, auf der Bestattungsformen wie im geplanten privaten Waldfriedhof möglich sein sollen.
Kirchenvorsteher Peter Behrendt steht vor der Friedhofs-Wiese, auf der Bestattungsformen wie im geplanten privaten Waldfriedhof möglich sein sollen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Doch in diesem Fall scheint die Konkurrenz ungerecht zu sein. So darf ein Unternehmer mit einem eigenen Bestattungswald gewinnorientiert arbeiten, während die bestehenden kirchlichen und kommunalen Friedhöfe dem sächsischen Bestattungsgesetz unterliegen, nach dem sie keine Gewinne erwirtschaften und nur Gebühren erheben dürfen. Sie gelten als "nicht selbstständige Anstalt öffentlichen Rechts". 

Darin sieht der Kirchenvorsteher der Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Possendorf, Peter Behrendt, ein Problem: "Wenn immer mehr dieser privaten Waldbestattungen entstehen, werden die historisch gewachsenen Friedhöfe mit ihrer Jahrhunderte alten Geschichte und ihren Kulturgütern langfristig verschwinden." Da die kommunalen und kirchlichen Friedhöfe keinen Profit erwirtschaften dürfen, könnten sie preislich gar nicht in Konkurrenz mit den Bestattungswäldern treten. Somit würden Arbeitsplätze verloren gehen. 

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"Ich sehe hier auch eine Ungerechtigkeit", erklärt der Kirchenvorsteher, der seit zwölf Jahren diese Position inne hat: "Waldbesitzer können doppelt verdienen. Erst lassen sie die Bäume wachsen, bestücken sie mit Urnen, mit denen sie verdienen, und später fällen sie die Bäume und verkaufen auch das Holz. Das machen wir auf den kirchlichen Friedhöfen nicht."

Für die Hinterbliebenden gibt er zudem zu bedenken: "Wir sehen das an unseren Grabgemeinschaften. Dort liegen so viele Gestecke und Blumen. Das alles ist in einem Wald nicht möglich, aber für die Trauerbewältigung unendlich wichtig." Da Gestecke auch nicht biologisch abbaubare Stoffe, wie Gummi oder Plaste enthalten, dürfen sie in einem Bestattungswald nicht an Grabstellen abgelegt werden.

Aus diesen Bedenken heraus hat Peter Behrendt jetzt beim Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Einspruch gegen die Errichtung der geplanten Waldbestattungsstätte in der Grimmschen Heide bei Reinhardtsgrimma eingereicht. Dem Landkreis sei bereits bekannt, dass die Stadt Glashütte und der Forstbetrieb von Johannes von Hertell die Einrichtung des „Waldfriedhofs Osterzgebirge“ in der Gemarkung Reinhardtsgrimma planen. Ein Antrag läge aber noch nicht vor, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit.

Rechtlich ist ein Friedhof kommunale Pflichtaufgabe und eine Neuanlage eines Bestattungsplatzes bedarf einer schriftlichen Genehmigung des Landkreises. Diese Genehmigung wird erteilt, wenn die Voraussetzungen des Sächsischen Bestattungsgesetzes erfüllt sind und sonstige Vorschriften des öffentlichen Rechts nicht entgegenstehen.

Alternatives Angebot

Der Unternehmer Johannes von Hertell plant, in der Gemarkung Reinhardtsgrimma in seinem eigenen Waldgebiet auf einer Fläche von etwa 20 Fußballfeldern einen Waldfriedhof zu erreichten. Der Glashütter Stadtrat hatte dem Vorhaben bereits zugestimmt. Van Hertell verdient sein Geld eigentlich mit der Vermietung und Verpachtung von Ferienwohnungen und mit Ökostrom. Der Waldfriedhof soll hinzukommen. Grabstätten unter dem Baum sollen zwischen 500 und 2.000 Euro kosten. Kommunale oder kirchliche Bestattungen kosten ab etwa 2.500 Euro. Der Hirschbacher will seinen Waldfriedhof in gut einem Jahr eröffnen, wenn alle Genehmigungen rechtzeitig erteilt werden. 

Inzwischen plant der Possendorfer Kirchenvorsteher Peter Behrendt jetzt, auf dem neueren Friedhof an der B170 eine neue Urnenbestattungsmöglichkeit, ähnlich einem Wald, anzulegen: "Wir brauchen noch die Genehmigung der Landeskirche, und ich hoffe, Anfang des kommenden Jahres mit dem Umbau beginnen zu können", sagt er. Die ersten Urnen sollen rund um einen frei stehenden Baum auf dem Friedhof eingelassen werden. Danach folgen in Kreisform weitere, die von Rhododendren umrahmt werden. Die Namen der Verstorbenen würden dann auf einer Liegeplatte eingraviert. "Mit den Preisen in einem privaten Bestattungswald können wir aber auch damit nicht mithalten", sagt Behrendt. 

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