SZ +
Merken

Postbank flüchtet aus Landgemeinden

Das gelb-blaue Schildchen Postbank hängt noch über dem kleinen Gemischtwarenladen in Lichtenberg. Drin erfährt der Kunde auf einem Flyer: „Ihre Postbank hat eine neue Adresse.“ Allerdings nicht mehr in...

Teilen
Folgen

Von Reiner Hanke

Das gelb-blaue Schildchen Postbank hängt noch über dem kleinen Gemischtwarenladen in Lichtenberg.

Drin erfährt der Kunde auf einem Flyer: „Ihre Postbank hat eine neue Adresse.“ Allerdings nicht mehr in Lichtenberg auch nicht in Leppersdorf, Wachau, Reichenbach oder Laußnitz, Gersdorf und Panschwitz-Kuckau. Überall in der Region stellen kleine Postbank Partner-Filialen Ende Juni ihren Service ein. Kahlschlag auf dem Lande und für Gabriele Kaiser ein Standbein weniger. Von Semmeln über das Versandhausgeschäft bis zu Postdienstleistungen versucht sie ein möglichst breites Dienstleistungsspektrum anzubieten. „Es geht nur noch ums nackte Überleben. Die Dörfer werden abgekocht“, schätzt sie nüchtern ein. Wer ziehe denn noch aufs Dorf, wenn die Infrastruktur immer dünner werde. Dann gehe der Trend in die Stadt.

Bank geht – Post bleibt

Dorthin flüchtet jetzt auch die Postbank. Noch vor einem Jahr konnten Bürgerproteste den Abzug von Bank und Post verhindern. „Zuerst die Sparkasse, jetzt die Postbank, es wird für uns ältere Leute immer schwieriger, beklagt die 77-jährige Kundin Adelheid Donau. Von der Post gebe es zum Glück bisher noch keine negativen Signale, so Gabriele Kaiser. Dieser Service bleibt vorerst im Dorf.

Doch die Bank macht ernst. Pressesprecher Hartmut Schlegel gibt auch unverblümt zu, damit den aktuellen Entwicklungen zu folgen. „In den Städten wächst die Nachfrage, auf dem Land sinkt sie.“ Das sei im Kamenzer Raum offensichtlich besonders ausgeprägt. Immer mehr Leute würden den Service in Arbeitsplatznähe nutzen oder gleich online gehen.

Umsatz deckt Kosten nicht

Von Flucht aus den Landgemeinden will Schlegel trotzdem nicht reden. Zumindest sei es keine freiwillige beteuert die Zentrale in Bonn. Während Gabriele Kaiser mit ihrem Bankgeschäft bisher recht zufrieden war, begründet Schlegel die Schließungswelle so: „Der Umsatz reicht nicht mehr, um die Fixkosten zu decken für Geldtransporte, Überweisungen oder die Weiterbildung der Filialpartner.“ Für Bank wie Kunden sei das bitter: „Das dichte Filialnetz ist für die Postbank schließlich der wichtigste Werbefaktor.“ Genau mit diesem Argument war die Bank in die Lücke gesprungen, die vor ein paar Jahren die Sparkasse hinterlassen hatte.

„Wir dachten, die Postbank wäre etwas von Dauer und haben das dummerweise noch unterstützt“, so Bürgermeister Christian Mögel. An die älteren Leute hätte die Gemeinde gedacht, damit sie Geldgeschäfte im Ort erledigen können.

Bürgermeister Mögel ärgert, den flotten Sprüchen geglaubt zu haben. Viele Leute haben damals sogar das Geldinstitut gewechselt und sehen sich nun von den Bankern über den Tisch gezogen. Die sind jetzt in Erklärungsnot: Heute sei die Entwicklung eben eine andere, heißt es knapp. Inzwischen macht sich sogar ein Bundestagsabgeordneter für die Lichtenberger Partnerfiliale stark. Bonn macht da kaum Hoffnung, und der Lichtenberger Bürgermeister sagt: „Wir fühlen uns verschaukelt.“