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Postfiliale am Rande der Stadt

Die Chefin eines Blumenladens rettete für Niesky eine Post. Doch statt Dank erntet sie Ärger und Kritik.

Wer am Postschalter steht, schaut auch bei den Blumen vorbei. Diese Erfahrung haben die Frauen des Blumengeschäftes "Vier Jahreszeiten" gemacht. Seit zwei Wochen ist hier die Postfiliale für Niesky.
Wer am Postschalter steht, schaut auch bei den Blumen vorbei. Diese Erfahrung haben die Frauen des Blumengeschäftes "Vier Jahreszeiten" gemacht. Seit zwei Wochen ist hier die Postfiliale für Niesky. © André Schulze

"Es vergeht kein Tag, an dem Kunden nicht schimpfen", sagt Anne-Marie Kirst. Zusammen mit drei Mitarbeiterinnen führt sie den Blumenladen "Vier Jahreszeiten". Seit knapp zwei Wochen hat Frau Kirst auch die Postfiliale für die Stadt Niesky unter sich. Alles schön und gut, wenn das Geschäft nicht am südlichen Rand der Stadt wäre, im Gewerbegebiet Süd. Denn daran erhitzen sich die Nieskyer Gemüter.  

Vor allem ältere und körperlich behinderte Menschen empfinden den Weg als zu weit. Noch dazu, wenn man mit Päckchen und Paketen unterwegs ist. Wolfram Weinert fordert eine Postagentur in der Mitte der Stadt. Das hat er bereits in seinem Leserbrief am Sonnabend geäußert. Selbst 86 Jahre alt, sagt der Nieskyer, dass er noch Auto fährt und so die Postfiliale gut erreichen kann.

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Schließlich gibt es keine Parkplatznot  am neuen Standort. Dennoch sind nicht alle Senioren so rüstig wie er. Nicht wenige brauchen jetzt einen Fahrer, um nach Süd zu kommen oder müssen ihre Postangelegenheiten von der Familie erledigen lassen. Wolfram Weinert empfindet das als einen Rückschritt in der Kundenfreundlichkeit der Deutschen Post.  

Wichtig ist, dass die Post in Niesky bleibt

Christian Weiske, der am Montag mit einem Paket auf dem Fahrrad zur Poststelle  radelt, sagt, dass es immer von der eigenen Wohnung abhängig ist, ob ein Weg zu weit ist. Für die Bürger, die an der Görlitzer und angrenzenden Straßen wohnen, ist die Entfernung bis zum Blumenladen und damit zur Post nicht weit. Bewohner von Neuhof, also im Nieskyer Norden, hatten bereits zur bisherigen Postfiliale in der Ödernitzer Straße einen weiten Weg. "Für mich ist wichtig, dass die Post in Niesky bleibt, da nehme ich auch Kompromisse in Kauf", sagt Christian Weiske.   

Das hört das Team vom Blumenladen gern. "Wir haben auch einige positive Stimmen, dass man froh ist, dass die Post in Niesky geblieben ist", sagt die Inhaberin. Aber diese Meinung hört sie fast nur von jüngeren Kunden. Denn hätten die Frauen vom Blumenladen nicht gesagt: "Wir machen das", dann hätte Niesky ein echtes Problem mit seiner Postagentur gehabt.

Wie aus dem Rathaus zu erfahren ist, war die Stadt auch mit Geschäftsinhabern im Stadtzentrum im Gespräch. Aber von den angesprochenen Händlern wollte keiner sich die Postgeschäfte antun. Wäre der Blumenladen nicht eingesprungen, hätte die Deutsche Post eine Interimsfiliale in Niesky eingerichtet. "Das funktioniert nur für eine Übergangszeit mit eingeschränkten Öffnungszeiten und Post-Personal", erklärt der für Sachsen zuständige Postsprecher Mattias Persson.     

Durchgängige Öffnungszeiten

Mit dem Umzug der Postfiliale hat sich auch etwas verbessert. Das Blumengeschäft ist durchgängig offen, von 8 bis 18 Uhr in der Woche. Am bisherigen Standort blieb die Filiale über Mittag geschlossen. Dass hat vor allem in Niesky die Berufstätigen geärgert, die in ihrer Mittagspause gern ihre Postgeschäfte erledigt hätten. Das Personal vom Blumenladen "Vier Jahreszeiten" wird inzwischen geschult. Eine Postmitarbeiterin unterweist die Frauen, damit sie am gelben Schalter auch alles richtig machen. Ein Manko bleibt aber: Die Postbank ist nicht mit umgezogen. Kunden, die ihr Geld bei der Postbank haben, können das jetzt nur über Onlinebanking verwalten oder müssen in eine Filiale außerhalb Nieskys fahren. Warum das so ist, konnte die Deutsche Post der SZ bisher noch nicht beantworten.   

Was Postsendungen und Briefmarken betrifft, werden diese weiterhin auch in der Stadt angenommen und ausgegeben. In der Lotto-Annahmestelle von Silvia Schatte am Zinzendorfplatz und bei Falk Hajok, dem Nachfolger von Euronics Röhle auf der Rothenburger Straße.   

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