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Postkarten erzählen Dampfergeschichte

Archivar Holger Naumann hütet in seiner Postkartensammlung Hunderte weitgehend unbekannte Dampferansichten - und zum Teil skurrile Motive.

In der gigantischen Postkarten-Sammlung von Holger Naumann finden sich auch 400 Dampfer-Motive.
In der gigantischen Postkarten-Sammlung von Holger Naumann finden sich auch 400 Dampfer-Motive. © René Meinig

Dresden. Dramatisch niedrige Wasserstände der Elbe hat es zu allen Zeiten gegeben. Aber Schiffe auf Rädern im trockenen Flussbett und Pferde, die Dampfer ziehen? Dieses Motiv, das eine Postkarte aus dem Jahr 1904 ziert, ist dann doch etwas satirisch überspitzt.

Die Karte ist eine der Kuriositäten aus der Sammlung von Holger Naumann, Archivar bei der Sächsischen Zeitung. Seit seinem 13. Lebensjahr sammelt Naumann, heute 62, historische Postkarten mit Dresdner Motiven bis 1945. "Mein Vater hätte mich lieber bei der Briefmarke gesehen, aber mich faszinierten die Karten", sagt er.

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Rund 9.000 Stück hat er inzwischen zusammengetragen. Zwar waren die Dampfer auf der Elbe nie ein Schwerpunkt seiner Sammelleidenschaft, doch da sie schon immer das Stadtbild prägten, sind sie auch auf zahlreichen Karten zu sehen. Etwa 400 Dampfer-Motive dürften es sein, schätzt Naumann.

Viele zeigen die bekannten Panorama-Ansichten der Stadt mit den Dampfern als schmückendes Beiwerk. So mancher Fotograf nahm aber auch die Schiffe selbst in den Fokus. Viele der so festgehaltenen Dampfer sind heute längst nicht mehr auf der Elbe zu sehen. "Die Postkarten stammen noch aus einer Zeit, in der die Motive nicht nur auf Hochglanz getrimmt wurden", sagt Naumann. Damals habe es noch Postkarten von fast jedem Straßenzug gegeben - und natürlich auch von jedem Schiff.

Ausflüge mit dem Dampfer auf der Elbe gehörten für Holger Naumann (r.) schon als Dreijähriger dazu.
Ausflüge mit dem Dampfer auf der Elbe gehörten für Holger Naumann (r.) schon als Dreijähriger dazu. © Repro/Rene Meinig

Als gebürtiger Dresdner ist auch Naumann mit den Dampfern aufgewachsen. Als Kind fuhr er häufig mit Freunden mit dem Roller aus Striesen ans Elbufer und beobachtete den Verkehr auf dem Fluss. Sonntagsausflüge mit der Familie waren damals gesetzt und wenn Besuch kam, dann ging es selbstverständlich aufs Schiff. "Das war ja eine Attraktion, wie sie viele Besucher nicht kannten."

Kein Wunder, dass viele Dampfer-Postkarten ihren Weg in alle Welt fanden - und später von Holger Naumann mit großer Leidenschaft und Akribie wieder zusammengesammelt wurden. Bei jedem Urlaub ist ein Besuch in den Antiquariaten Pflicht. Ob in New York oder Amsterdam - überall arbeitet er sich mit flinken Fingern durch die Kisten mit der Aufschrift "Germany" und erkennt innerhalb von Sekundenbruchteilen interessante Motive. Häufig stößt er dabei auch auf die Dampfer. 

Auf den Börsen in Dresden ist Naumann Stammgast und würde morgens am liebsten an jedem Stand als Erster suchen. Manches Schnäppchen kostet ihn nur einen Euro. Liebhaberstücke mit seltenen Ansichten können aber auch mal 200 Euro wert sein, wobei er nicht jeden Preis mitgeht. 

Ein Großteil der Postkarten in seiner Sammlung war tatsächlich im Umlauf, wobei die Schrift nicht immer einfach zu lesen ist. Einst gingen sie nach Leipzig, Belgien oder Paris.

Satirisch überspitzt - die Schiffe auf Rädern.
Satirisch überspitzt - die Schiffe auf Rädern. © Holger Naumann
Bemerkenswert auf dieser Ansicht - der "Verkehr" auf dem Terrassenufer.
Bemerkenswert auf dieser Ansicht - der "Verkehr" auf dem Terrassenufer. © Holger Naumann
Dies ist eine besonders alte Postkarte.
Dies ist eine besonders alte Postkarte. © Holger Naumann

Eine besonders alte Karte von der Jahrhundertwende zeigt ein Dampfschiff vor der beeindruckenden Kulisse der drei Elbschlösser. Am Ufer stehen winkende Menschen.

Holger Naumann hofft, dass auch in Zukunft noch viele Menschen den vorbeifahrenden Dampfschiffen winken können. Er traut sich kein Urteil darüber zu, wie die Sächsische Dampfschiffahrt in eine so existenzielle Krise rutschen konnte, "aber ich hoffe sehr, dass ein Weg gefunden wird, die Schiffe zu erhalten." Schließlich seien sie ein Aushängeschild der ganzen Region und hätten auch Dresden seit Jahrzehnten geprägt - wie nicht zuletzt seine Sammlung beweist.

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