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Präzision seit 145 Jahren

Die Firma Mühle gibt es jetzt in der fünften Generation. Für Thilo Mühle ist das mehr als nur eine Verpflichtung.

Von Maik Brückner

Thilo Mühle ist im Erzgebirge aufgewachsen. Doch er mag auch das Meer, die Ostsee. Oft war er hier im Urlaub. Später, als er bereits in der Uhrenfirma seines Vaters arbeitete, lernte er die Seenotretter kennen. „Das sind die, die rausfahren, wenn andere reinkommen“, sagt er hochachtungsvoll. „Wir bekommen hier gar nicht mit, wie vielen Menschen sie schon das Leben gerettet haben.“ Bei dem hohen Wellengang haben viele auch ihre privaten Uhren eingebüßt. Sie zerschellten am Stahl der Schiffe. „Wir haben ihnen angeboten, Uhren zu bauen“, erinnert sich Thilo Mühle. Die Seenotretter waren begeistert und haben Thilo Mühle auch gleich mit auf den Weg gegeben, was ihnen wichtig ist. „Zwei Zeitzonen brauchen wir nicht, das ist Blödsinn.“ Ihre Uhr sollte nicht nur robust sein. Auch bei Dunkelheit muss die Zeit gut und schnell ablesbar sein.

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Bei Mühle setzte man sich hin und konstruierte eine Uhr, die den Wünschen der Seenotretter entsprechen sollte. Mit dem Ergebnis war man nicht nur bei Mühle zufrieden. Die Uhr mit dem vier Millimeter dicken Saphirglas, die den gewaltigen Wasserdruck von 100 Bar aushält, kam auch bei den Seenotrettern gut an. Die breiten Zeiger und die vier Dreiecke auf dem Zifferblatt, von denen die auf der 12-Uhr-Position als Einzige nach außen zeigt, sorgen dafür, dass der Träger die Zeit schnell erfassen kann. Die Uhr hat sich bewährt und wird heute noch hergestellt. Thilo Mühle, der an der Entwicklung einen wesentlichen Anteil hatte, hat damit bewiesen, dass er in der Lage ist, das Familienunternehmen Mühle weiterzuführen. 2004 wurde er neben seinem Vater Hans-Jürgen Mühle Geschäftsführer. 2007 übernahm er die alleinige Geschäftsführung. Damit ist er der vierte Mühle, der nach seinem Ururgroßvater Robert Mühle ein Unternehmen in Glashütte führt. „Das ist Fluch und Segen zugleich“, sagt der 45-Jährige freimütig. Denn er sieht sich nicht nur der Familientradition, sondern auch seinen Mitarbeitern verpflichtet. Er ist zum Erfolg verdammt. Bisher hat er ihn. Das Unternehmen steht gut da. Als Familienunternehmen hat man es mitunter auch leichter, sagt Mühle. „Hinter uns steht kein Konzern, der 30 Prozent Rendite verlangt.“ Deshalb gibt es nicht so einen Druck wie bei anderen. Dennoch setzt auch Mühle auf Wachstum. Nach und nach erschließt sich die Firma neue Märkte. Inzwischen gibt es die Uhren nicht nur in Deutschland und den angrenzenden Ländern zu kaufen. Auch in den USA und Japan ist Mühle präsent. Und 2013 begann die Firma, ein Vertriebsnetz in China aufzubauen.

Wie es in Zukunft weitergeht, darüber will Thilo Mühle heute und morgen Geschäftspartner, Freunde und seine Mitarbeiter unterrichten. Der Anlass dafür ist passend. Die Firma feiert nicht nur die Neugründung vor 20 Jahren, sondern auch Robert Mühle, der vor 145 Jahren die Mühles zu einer Unternehmerfamilie werden ließ, die bis heute in Glashütte aktiv ist.