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Prager Konzern schafft Jobs in Bischofswerda

Eine Agrarhandelsfirma saniert die Getreidesilos unweit der Straße nach Weickersdorf. Das ist aber nicht die einzige Investition.

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Von Ingolf Reinsch

Auf den Silos zwischen dem Drebnitzer Weg und der Straße nach Weickersdorf steht noch in großen Buchstaben der Name „DreHa“. Doch demnächst dürfte der alte Schriftzug durch den neuen Namen „Agrofert“ ersetzt werden. Denn die Agrofert Deutschland GmbH, neuer Eigentümer der Immobilie, hat damit begonnen, die riesigen Hochbehälter umfassend zu sanieren. Künftig sollen dort wieder bis zu 22500 Tonnen Getreide gelagert werden, sagte eine Unternehmenssprecherin der SZ.

Agrofert Deutschland ist eines der jüngsten Bischofswerdaer Unternehmen. Es ist eine 100-prozentige Tochter des gleichnamigen tschechischen Konzerns. Die Holding mit Sitz in Prag hatte im Jahr 2007 mehrere Agrarhandelsunternehmen in Deutschland gekauft, darunter die Dresdner Handelsgesellschaft für Agrarprodukte (Dreha), die Getreide GmbH Pirna und die Reichenbacher Getreideumschlags GmbH. Im Sommer 2010 wurde die Agrofert Deutschland GmbH gegründet. Seit 2011 hat das Unternehmen seinen Sitz in Bischofswerda. Zwei Gründe sprachen nach Unternehmensangaben für die Standortwahl: ein vorhandenes Verwaltungsgebäude und ein Bahnanschluss, den Agrofert künftig wieder nutzen möchte.

Neben dem Verwaltungssitz soll Bischofswerda vor allem als zentraler Lager- und Umschlagsplatz ausgebaut werden. 14 der deutschlandweit 22 Agrofert-Mitarbeiter werden hier tätig sein, vor allem in den Bereichen Lager und Logistik, sagte die Sprecherin. So sei der Bau eines Tanklagers für Flüssigdünger geplant. Vorgesehen sind drei Behälter, von denen jeder 500Tonnen Stickstoffdünger aufnehmen kann. Das Genehmigungsverfahren läuft.

Standortvorteil Bahnanschluss

Der Dünger soll aus dem Stickstoffwerk Piesteritz (Sachsen-Anhalt), das ebenfalls zum tschechischen Mutterkonzern gehört, geliefert werden – per Bahn. Daher das Interesse an dem Industriegleis. Jeder Zug kann bis zu 1 200 Tonnen Dünger transportieren, der von Bischofswerda aus an die Kunden per Lkw ausgeliefert werden soll. Die Bestrebungen, das Werksgleis wieder zu nutzen, stößt in der Nachbarschaft auf offene Ohren. Inzwischen denkt man auch in der Max Aicher Bischofswerda GmbH darüber nach, den Bahnanschluss auf dem Firmengelände für größere Transporte wieder zu nutzen.

Der Name Agrofert verbindet die Begriffe „Landwirtschaft“ und „Dünger“ – englisch: fertilizer – miteinander. Ein Indiz auf den Ursprung des Mutterkonzerns, der inzwischen auch in den Sparten Landtechnik und Lebensmittelindustrie tätig ist und 22000 Mitarbeiter beschäftigt. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer sind im Kammerbezirk Dresden 108 tschechische Unternehmen tätig: die meisten in den Bereichen Dienstleistungen (58) und Handel (35). Fünf Firmen aus dem Nachbarland arbeiten in der Gastronomie sowie jeweils drei in den Bereichen Verkehr, Bauwesen und Industrie.

Die Agrofert Deutschland GmbH schlug im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 1,3 Millionen Tonnen Güter um und erzielte einen Umsatz von 263 Millionen Euro. In diesem Jahr plant das Unternehmen, die Grenze von 1,5 Millionen Tonnen Ware zu überschreiten. Zum Kerngeschäft gehören der Industrievertrieb von Düngemitteln, der Handel mit Betriebsmitteln für die Landwirtschaft und der klassische Agrarhandel. Alleiniger Geschäftsführer ist Dr. Wolfgang Weiss. Im zweiten Halbjahr soll die Geschäftsführung erweitert werden, teilte das Unternehmen mit.

www.agrofert-deutschland.de