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Prager Straße in Beton

Die Dresdner Einkaufsmeile krankt an mehreren Problemen. Eine Besserung könnte das Prager Carrée bringen.

© Christian Juppe

Von Juliane Richter

Zurück in die Heimat!

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Auf den ersten Blick zeigt der Trend nach oben: Während im Juni 2013 genau 4 470 Passanten innerhalb einer Stunde auf der Prager Straße bummelten, waren es vergangenes Jahr 5 040. Das hat die aktuelle Auswertung der GfK-Marktforscher ergeben. Obwohl die Zahlen leicht gestiegen sind, sind große Sprünge laut den Einzelhandelsexperten von BNP Paribas Real Estate aber unwahrscheinlich. Die Zahl pendle seit Jahren um etwa 5 000 Passanten. Dass nicht mehr Menschen über die Prager Straße gehen, liege vor allem an deren Aufbau und folglich an ihrer Attraktivität für Einkaufswillige.

Insbesondere das mittlere Stück zwischen TK Maxx und der Centrum-Galerie leide unter der Breite der Straße. Der Haupteinkaufsstrom bewegt sich vom Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt auf der linken Seite. Impulskäufe, bei denen die Bummler spontan etwas entdecken, sind hier möglich. Allerdings überwinden die Passanten selten die Bänke und Brunnen, um sich etwas in den Würfeln auf der rechten Seite oder gar dahinter in der Prager Zeile anzusehen. Dorthin sollen großflächige Anzeigen mit dem Spruch „Clever shoppen? Hier!“ die Einkäufer locken.

Häufig bemängelt wird auch, dass vor allem Filialisten an der Prager Straße zu finden sind. Dazu gehören unter anderem ein Esprit, ein New Yorker, zwei H&M, drei Schuhläden, Taschen- und Telefonläden. Jüngst hat noch ein Hunkemöller neu eröffnet. Dass sich hier irgendwann kleine, individuelle und vielleicht sogar inhabergeführte Läden ansiedeln, halten Einzelhandelsexperten für unwahrscheinlich. Dafür sind die meisten Läden entlang der Einkaufsmeile auch einfach zu groß. Die Flächen zu teilen, funktioniert wiederum nicht, weil dann schmale, unattraktive Ladenschläuche entstehen würden.

Hinzu kommt, dass die Prager Straße trotz aller Kritik in der Branche als eine 1A-Lage eingestuft wird. Das liegt auch daran, dass Karstadt und die Centrum-Galerie eine große Sogwirkung entfalten. Die Mieten für Läden sind deshalb mittlerweile auf bis zu 110 Euro je Quadratmeter gestiegen. Meist können sich nur große Ketten diese Preise leisten. Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer, hofft durch das neue Prager Carrée im ehemaligen Wiener Loch auf eine zusätzliche Belebung der Straße. Bis Anfang 2016 sollen hier neben Wohnungen auch Geschäfte mit insgesamt rund 6 000 Quadratmetern Fläche entstehen.

Solvenz der Mieter entscheidet

Mit Interessenten werde laut Sprecherin Svea Hoffmann derzeit verhandelt. „Wir wollen einen guten Mietermix und können uns dabei unter anderem den Textilhandel oder Lederwaren und Schuhe vorstellen“, sagt sie. Ein Kriterium sei aber auch, dass die Mieteinnahmen stimmen.

Jürgen Wolf, Chef des Citymanagements, befürchtet genau diese Herangehensweise. „Bei den Besitzern ist ein langfristiger Mietvertrag und die Solvenz des Mieters ausschlaggebend“, sagt er. Das sei schade, vergebe sich Dresden damit doch Möglichkeiten, sich von „normalen“ Einkaufsstraßen abzuheben. Bisher dominiere der Eindruck von Beton und Stein. Trotzdem sieht auch er im Prager Carrée eine Chance – vor allem für die Belebung der Prager Spitze, des schon lange kriselnden Kugelhauses und des Wiener Platzes. „Auf dem Platz müsste die Aufenthaltsqualität aber noch deutlich verbessert werden“, sagt Wolf. Dafür könnte er sich mehr Grün vorstellen. Welche Pläne die Stadt in Zukunft für die Prager Straße hegt, bleibt unklar. Eine entsprechende Anfrage hat das Rathaus gestern nicht beantwortet.

Eine Hoffnung des Einzelhandels bleibt: Wenn im Prager Carrée attraktive Geschäfte entstehen, könnte das deutlicher die Laufwege zwischen Altmarkt-Galerie, Centrum-Galerie und dem Carrée samt Bahnhof bestimmen. Trotzdem müssen die Dresdner aber die entsprechende Kaufkraft mitbringen. Und die liegt derzeit noch unter dem bundesweiten Durchschnitt.

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