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Preise für Bus und Bahn klettern weiter

Ab August wird die Viererkarte im Görlitzer Stadtverkehr teurer. Widersprüche dagegen scheiterten.

© Christian Suhrbier

Von Ralph Schermann

Ab dem 1. August wird Straßenbahnfahren in Görlitz wieder teurer, allerdings nur für jene, die die Viererkarten nutzen. Die Ansage kommt nicht überraschend: Bereits zum August 2013 stieg die komplette Görlitzer Fahrscheinpalette, und auch Busfahren im Umland wurde bis zu sieben Prozent teurer. Schon damals stand fest, dass diese Erhöhung mit einer zweiten Stufe verbunden wird – die Viererkarte kletterte damals auf den vorübergehenden Preis von 4,80 Euro, um jetzt im August die damals beschlossenen 5,30 Euro zu erreichen. So legte es die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) fest.

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Vergeblich hatten damals Vertreter der Görlitzer Stadtverwaltung und der Stadtwerke noch versucht, wenigstens die für 2014 angekündigte Erhöhung zu verhindern. Frank Müller, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Görlitz (VGG), hat auch heute noch Bedenken dabei: „Wir sind uns bewusst, dass wir in Görlitz mit Preiserhöhungen sehr moderat vorgehen müssen. Mit der Erhöhung der Vier-Fahrten-Karte bin ich deshalb nicht glücklich.“

Dennoch ist die Erhöhung lediglich ein Reagieren auf die Realität. In anderen Branchen sind Preiserhöhungen regelmäßig üblich, die VGG hatte seit 2006 lediglich einmal die Preise angehoben, um gestiegene Ausgaben auszugleichen. Die werden vor allem durch höhere Energiekosten fällig, aber auch durch eine sinkende Einwohner- und damit Fahrgastzahl sowie durch Kürzungen von Geld vom Freistaat. Vergleicht man die (gestiegenen) Fahrpreise aller Verkehrsbetriebe, liegt Görlitz auch weiterhin am unteren Ende, die Einzelfahrt zum Beispiel liegt in Bautzen mit 1,50 Euro sogar schon deutlich über dem Zvon-Niveau.

Abgelehnt: Kurzstreckentarife sind für Görlitz auch künftig nicht vorgesehen.

Für einen Kurzstreckentarif ist Görlitz zu klein. In der Innenstadt sind manche Haltestellenabstände sogar extrem kurz (Hohe Straße – Heiliges Grab oder zwischen Demiani- und Postplatz). Zudem liege die Tarifhoheit beim Zvon. In Ostdeutschland bieten von 25 Straßenbahnbetrieben lediglich neun Kurztarife an. Die meisten davon aber sind teurer als der Görlitzer Normalfahrschein. „Zudem ist dabei die Kontrolle schwierig“, überlegt VGG-Betriebsleiter Norbert Weigt: „Wie soll man erkennen, wer an welcher Haltestelle eingestiegen ist?“ Einen von Bürgern vorgebrachten Hinweis auf Taxifahrer, die nach Strecken abrechnen, lässt Weigt nicht gelten: „Taxis fahren nur auf Bestellung, Bus und Bahn nach Fahrplan, unser Aufwand für den Betrieb ist also ungleich höher.“ VGG-Chef Frank Müller nennt andere Angebote: Regelmäßige Fahrgäste kämen mit Monatskarten immer besser, es gäbe Tageskarten und preiswerte Abendtickets, Gratis-Theater-Tickets sowie „Fleppenretter“. Wer per Eisenbahn anreist und mit dem Stadtverkehr weiterfahren will, könne das ohne Neubezahlung mit der Zugfahrkarte tun.

Entschuldigt: Zu Pfingsten reichten die See-Busse nicht aus, das war schlecht.

Je mehr Preise klettern, um so mehr klettern auch die Ansprüche an Qualität und Service. Pfingsten stimmte es Bürger nachdenklich, warum die VGG dabei Probleme aufkommen ließ: „Zum Berzdorfer See fuhr bei Super-Badewetter nur ein einfacher Bus ohne Niederflurtechnik, mancher Kinderwagen blieb dabei auf der Strecke“, schrieb die Görlitzer Familie Felsner. Frank Müller entschuldigt sich dafür: „Wir hatten zu dieser Zeit sehr viele Busausfälle wegen technischer Pannen, so dass der älteste Bus vom Hof geholt werden musste“, sagt er und gesteht: „Wir müssen bei solchem Bedarf operativ besser reagieren, das stimmt, und das werten wir jetzt auch aus.“

Ab 1. August kosten Viererkarten der VGG 5,30 Euro, ermäßigt 3,80 Euro. Karten mit einer bis dahin entwerteten Fahrt sind weiter bis zum 31. Oktober nutzbar. Alle derzeit aktuellen und bis 1. August nicht genutzten Vier-fahrten-Tickets werden dann im Verkehrsbüro verrechnet.