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Pflege: Kosten steigen in weiteren Heimen

Der Fall des Görlitzer Altenheimes "Gottessegen" ist keine Ausnahme. Wo die Bewohner mehr zahlen müssen, steht jetzt fest.

Vor drei Jahren besuchte Stefanie Hertel das Reichenbacher Martinstift. Mittlerweile ist so manchen Pflegebedürftigen im Kreis nicht mehr zum Singen - vor allem nicht mit Blick auf die Heimkosten.
Vor drei Jahren besuchte Stefanie Hertel das Reichenbacher Martinstift. Mittlerweile ist so manchen Pflegebedürftigen im Kreis nicht mehr zum Singen - vor allem nicht mit Blick auf die Heimkosten. © nikolaischmidt.de

Neben dem Haus Gottessegen werden auch im Görlitzer Altenpflegeheim Wichernhaus sowie im Reichenbacher Martinstift die Kosten für den Heimplatz zum 1. Juli steigen. Das bestätigt Doreen Lorenz, Sprecherin der Diakonie St. Martin, auf SZ-Anfrage. "Die Kostensteigerungen sind hier auf einem ähnlichen Niveau wie im Haus Gottessegen." 

Den Bewohnern oder ihren Angehörigen im Haus Gottessegen war kürzlich eine Erhöhung zugegangen, die eine Schöpstalerin sehr belastet. Ihre Mutter lebt seit sechs Jahren im Haus Gottessegen, wo der Eigenbetrag ab 1. Juli über 2.300 Euro liegen wird. 

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Der Fall der Schöpstalerin ist auf viel Anteilnahme gestoßen, die deutlich macht, dass nicht nur Heime der Diakonie betroffen sind. So schildert ein Görlitzer in einem Leserbrief ähnliche Erfahrungen seiner Mutter in einem Görlitzer Heim eines anderen Trägers. Auch dort seien die Heimentgelte über die Jahre in einem Maß gestiegen, dass jetzt bald ein Antrag beim Sozialamt anstehe. 

Weil das Geld aus der Pflegekasse nicht ausreichend ist, müssen Heimbewohner in der Regel einen Eigenbeitrag zahlen. Können sie diesen nicht über ihre Rente oder Vermögen stemmen, kann man Unterstützung beim Sozialamt beantragen. Die Zahl steigt seit Jahren: Voriges Jahr waren kreisweit 641 Menschen in Pflegeheimen auf diese Sozialleistungen angewiesen.

"Mit welcher Begründung ist denn die monatliche Miete gerechtfertigt?", auch diese Frage auf Facebook gehört zu den Reaktionen zu dem Fall der Schöpstalerin. Ein Hintergrund der Problematik ist das "Pflegestärkungsgesetz", das in den Einrichtungen zwar die Personalsituationen verbessern soll, aber die Kosten dafür liegen letztlich aufseiten der Pflegebedürftigen. Auch die Diakonie St. Martin hatte erklärt, dass bei ihr vor allem Personalausgaben einen großen Teil der Preissteigerungen ausmachen. Die Einrichtung arbeite nach dem Tarif der Arbeitsvertragsrichtlinien Diakonie Deutschland. Dieses Jahr seien gleich zwei Tariferhöhungen beschlossen worden. Das Hauptproblem liege aber woanders, im Pflegesystem, in dem die Pflegekasse einen festen Beitrag je nach Pflegegrad zahlt, den Rest, auch Kostensteigerungen der Pflegebedürftige. 

Die Diakonie St. Marin hat ihren Sitz in Rothenburg. Sie betreibt zahlreiche Pflegeeinrichtungen, Sozialstationen, Kitas. In Görlitz gehören neben dem Haus Gottessegen und dem Wichernhaus auch das Haus Bethanien sowie das Haus Luisenstift zu den Diakonie-Pflegeheimen. "Zum 1. September werden die Häuser Luisenstift und Bethanien mit den Pflegekassen verhandelt", teilt Doreen Lorenz mit. "Hier gibt es noch keine konkreten Zahlen, aber es ist davon auszugehen, dass sich die Steigerungen nicht erheblich von den anderen Häusern unterscheiden werden." 

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