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Bautzen: Deshalb wird die neue Kita so viel teurer

Der Neubau kostet eine Million Euro mehr. Jetzt steht das Architekturbüro in der Kritik.

Ursprünglich sollte die neue Kita am Schützenplatz in Bautzen  5,5 Millionen Euro kosten. Doch nun geht es um 6,9 Millionen Euro.
Ursprünglich sollte die neue Kita am Schützenplatz in Bautzen 5,5 Millionen Euro kosten. Doch nun geht es um 6,9 Millionen Euro. © Visualisierung: studioH2K

Bautzen. Der Berliner Flughafen, die Bischofsresidenz in Limburg, die Elbphilharmonie in Hamburg – das sind nur einige von vielen Beispielen für öffentliche Großprojekte, deren Kosten irgendwann ausgeartet sind. Natürlich handelt es sich bei diesen Projekten um Extremfälle. Doch eine Gemeinsamkeit haben sie mit der neuen Kindertagesstätte am Bautzener Schützenplatz. Der Preis für das Vorhaben wurde anfangs viel niedriger geschätzt, stieg aber während der Bauzeit immer mehr an.

Bei der neuen Kita in Bautzen begann der Preisanstieg sogar schon vor dem Baustart. Vor drei Jahren, als über die Optik des Neubaus diskutiert wurde, wollte die Stadt eigentlich nur 4,9 Millionen Euro für das Haus ausgeben. Doch im Juni 2017 wurde das Budget um mehr als eine halbe Million Euro aufgestockt. 

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Weil zu dieser Zeit besonders viele Babys zur Welt kamen, entschied sich die Verwaltung dafür, dass in dem neuen Haus zwischen der Schule zur Lernförderung und dem Altenheim Malteserstift noch mehr Krippen- und Kindergartenkinder einziehen sollen, als es im ersten Entwurf vorgesehen war. Danach folgten Monate der Vorbereitung, bis es im Juni 2018 endlich mit dem Bau losgehen konnte.

Mehr als eine Million Euro fehlen

Inzwischen hat sich auf der Baustelle einiges getan. Der Rohbau steht bereits. Den Fernwärmeanschluss bekommt das Haus im Januar. Dann kann im Inneren des Gebäudes der Ausbau starten. Doch während in den vergangenen Monaten auf der Fläche gearbeitet wurde, floss viel Geld für das Bauwerk. Mittlerweile ist das gesamte Budget ausgeschöpft. Das Problem ist nur: Das Haus ist noch lange nicht fertig. Um den Kitabau irgendwann einmal beenden zu können, benötigt die Stadt noch einmal zusätzlich 1,4 Millionen Euro.

Die Gesamtkosten für die neue Kita betragen also insgesamt 6,9 Millionen Euro. Damit sind die Kosten inzwischen um mehr als ein Drittel gestiegen. Gründe dafür gibt es viele. In einem langen Schreiben hat die Stadt die wichtigsten zusammengefasst. Da ist zum Beispiel von der schwierigen Marktsituation die Rede. Es sei üblich, dass Kosten in der Bauwirtschaft steigen. Auch hätten verschiedene Ämter während der detaillierten Planung noch Anpassungen verlangt. Das betrifft zum Beispiel die Lüftung im Haus, oder die Fenster, für die ein hochwertigeres Material gefordert wurde, um den Kindern mehr Tageslicht bieten zu können.

Auch viele kleine Dinge haben den Preis weiter nach oben getrieben. Für die Einrichtung der Baustelle musste eine größere Fläche befestigt werden, die Baugrube wurde größer als gedacht, Bäume mussten gesichert werden, damit sie nicht in die Grube stürzen, Medienleitungen waren nicht dort, wo man sie vermutete. Im Inneren des Hauses waren Holzgeländer geplant. Doch aufgrund der Statik kommen doch nur teurere Geländer aus Stahl infrage. Und das sind nur einige Beispiele. Die lange Liste geht noch weiter.

Unverständnis bei den Stadträten

Zur Stadtratssitzung stellte Bauamtsleiter Falko Wendler gemeinsam mit einem Vertreter des Architekturbüros die Punkte vor. Die Erklärungen sorgten bei den Stadträten für Entrüstung. CDU-Stadtrat Karsten Vogt äußerte sein Unverständnis. Natürlich sei ihm klar, dass während der Bauphase unverhoffte Dinge eintreten können, erklärt er. Eine Kostensteigerung in Höhe von 15 Prozent wäre auch in Ordnung gewesen. Doch da liege man weit drüber. „Wir haben viele Erklärungen gehört, die unbefriedigend sind“, sagt Vogt. 

Diese Meinung vertritt auch Mike Hauschild. Er spricht von einem Desaster, das sich nicht wiederholen dürfe. Und Jörg Drews, der für das Bürgerbündnis Bautzen im Stadtrat sitzt, bezeichnet die Planung als „mangelhaft.“ Das Architektenbüro verfüge offenbar nicht über die fachlichen Qualifikationen für den Bau.

Noch nie eine Kita geplant

Geplant wurde die neue Kindertagesstätte vom Planungsbüro studioH2K aus Hamburg. Der Entwurf hatte sich in einem Architekturwettbewerb durchgesetzt. Der langgezogene asymmetrische Grundriss der zwei Gebäudeteile überzeugt das Preisgericht. Ein Vertreter des Planungsbüros bestätigte bei der Stadtratssitzung, dass das Büro zuvor noch keine Kita geplant hatte.

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Wie geht es nun weiter? Der Bau des Hauses darf nicht ins Stocken geraten. Darin sind sich die Stadträte einig. Deshalb stimmten sie für die Finanzspritze. Gleichzeitig fordern sie die Stadt zum Handeln auf. Der Vorfall müsse untersucht werden. Eine Prüfungskommission soll das Projekt untersuchen. Baubürgermeisterin Juliane Naumann zeigte Verständnis für die Forderung. Man werde alle Details zur Kostensteigerung offenlegen, versprach sie.

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